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Auch Hamsterkäufe im Baumarkt

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Atemmasken, Ganzkörperschutz, Desinfektionsmittel und Gummistiefel: Diese Waren kauften Kunden die vergangenen Wochen im Baumarkt gerade verstärkt. Das Coronavirus sorgt für diese besondere Nachfrage. Wie sich ein fehlender Warenstrom aus China bemerkbar machen könnte, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Bei bestimmten Produkten kam es auch in Baumärkten in den vergangenen Wochen zu Hamsterkäufen. Foto: Jelleke Vanooteghem / Unsplash

Baumärkte gezwungen, Warenbezug überdenken

Der Handelsverband Heimwerker, Bauen und Garten (BHB) hatte Anfang März zu seiner Jahrespressekonferenz eingeladen. Sie sollte eigentlich auf der Eisenwarenmesse in Köln stattfinden, musste aber wegen der Absage der Messe verlegt werden. So hinterlässt das Coronavirus seine Spuren. Georderte Ware ist bereits seit Februar in den Geschäften, Lieferungen aus China bereits erfolgt, sagte BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter O. Wüst.

Betroffen sind sicher beispielsweise Werkzeuge, akkugetriebene Maschinen, Dekoration oder Gartenkeramik. Wie sich das im zweiten Halbjahr entwickeln wird, wisse derzeit niemand. Die Baumärkte müssten eventuell einmal überdenken, woher sie ihre Ware beziehen, sagte Peter Tepaß, Sprecher des BHB-Vorstandes. Möglicherweise müsse man sich auch breiter aufstellen. In der Kundenfrequenz habe sich in den Märkten durch Corona nichts verändert, nach wie vor spiele die Witterung die größte Rolle, ob Kunden in Kauflaune sind oder nicht. Doch die Märkte bereiten sich vor, ergänzte Wüst, um Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen optimal zu schützen. Das reiche von Notfallplänen bis zum Bereitstellen von Desinfektionsmitteln. Wichtig sei, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen, keine Panik zu schüren.

Auch die Klimaerwärmung wirke sich auf das Kundenverhalten aus. Der Wertekanon vieler Bürger habe sich im Rekordtempo verändert. Einstige Statussymbole wie SUV oder Fernreisen würden plötzlich zum Gegenstand der Kritik und sogar moralisch geächtet. Die Menschen blieben zuhause, investieren und genießen den Garten. Nachhaltigkeit sei gefordert, so Tepaß: Hohe Sortiments- und Beratungskompetenz sei mit konsequent gelebter Nachhaltigkeit zu verbinden, um auch künftig erste Ansprechpartner für die Kunden zu bleiben.

E-Commerce geht nicht allein

Die meisten Kunden bleiben ihrem erlebbaren und realen Baumarkt treu. Die Branchenhändler werden auch künftig in digitale Infrastrukturen investieren. Dabei stehen aber reine Online-Shops nicht im Vordergrund, sondern das Einkaufserlebnis im Sinne des Seamless Commerce. Der conveniente Wechsel zwischen den unterschiedlichen Kanälen und Services werde die Zukunft des Baumarktes bestimmen, so Tepaß.

Die Standorte werden sich mehr und mehr vom Warehouse-Charakter verabschieden und künftig eine multifunktionale Mischung aus kompetentem Warenangebot, Showroom und Learning oder Workshop-Lounges bilden. Die Märkte bekommen im Wortsinn wieder Marktplatz-Qualitäten, so Wüst. Der jetzige Trend, die Gastronomie- und Ruhezonen-Angebote stark auszuweiten und damit die Aufenthaltsqualität in den Bau- und Gartenfachmärkten zusätzlich zu erhöhen, setze sich ebenfalls fort. Die Trendprodukte des Smart Home erreichen aktuell auch das Gartensegment. Bewässerungslösungen ermöglichen den Anwendern die Pflanzenversorgung auch bei Abwesenheit und unterschiedlichen Wetterszenarien.

Smart Home für den Garten

Mähroboter, Beleuchtungskonzepte für Haus und Garen sind ebenfalls digital per App zu steuern. Eine zunehmende gesellschaftliche Verhärtung führe im Privatbereich der Menschen zu der Tendenz, sich Rückzugsmöglichkeiten im eigenen Nest zu gestalten. Auch dieses Cocooning werde smart. Als neue Entwicklung sei die zunehmende Verschmelzung von Innen- und Außenbereichen zu beobachten.

Weitere Informationen zur Corona-Krise finden Sie unter dem Newstag „Coronavirus“.

Dieser Beitrag ist ebenfalls erschienen in TASPO Ausgabe 11/2020, hier können Sie ein kostenloses Probeabo für vier Ausgaben abschließen.

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