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Deutscher Gartenbautag: Handwerk und Gartenbau besetzen ähnliche Mittelstands-Themen

Berlin. "Gemeinschaft macht's - die deutschen Gärtner!" Unter diesem Motto stand der Deutsche Gartenbautag in Berlin am 16. und 17. September 2010. Dieser Appell war es auch, der in den Reden der Repräsentanten des gärtnerischen Berufsstandes sowie in zahlreichen Äußerungen der Politiker aus dem Umfeld der Agrarwirtschaft und des Mittelstandes Niederschlag fand und betont wurde. Heinz Herker, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), widmete seine Rede in der öffentlichen Mitgliederversammlung den Zukunftsaufgaben des Verbandes. So etwa stünde an vorderster Stelle die Aufgabe, den Markt so zu besetzen, dass er nachhaltig Bestand habe und wachse. Er solle den Menschen, den Gartenbau-Unternehmern und ihren Familien und Angestellten, nicht nur einen schönen Beruf bieten, sondern auch eine Lebensgrundlage. Die Unternehmer wiederum müssten ihr Augenmerk auf die jungen Menschen richten, um den Berufsnachwuchs sicherzustellen und selbst als Gärtner Leitbildfunktion übernehmen: "Der Verband liefert das Handwerkszeug, die Arbeit damit muss jeder Unternehmer vor Ort leisten."

Auch wie sich die Branche weiter gut und zukunftsgerichtet aufstellen könne und müsse, führte Herker vor dem Hintergrund von Strukturwandel und Cluster-Prozessen aus: "Die Vielfalt der Möglichkeiten ist unsere Chance; Kompetenz und Kreativität des Einzelnen sind die begrenzenden Faktoren." Mit Blick auf die Politik mahnte er die fortzuführende Harmonisierung in Europa an. Hierauf werde der ZVG mit seiner Repräsentanz in Brüssel weiter achten.

Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), ging in seiner Rede auf Parallelen in der verbandlichen Arbeit zwischen Gartenbau und Handwerk ein. So bündele der ZDH beispielsweise 151 verschiedene Berufe unter seinem Dach. Natürlich gebe es auch hier verschiedenen Interessenslagen. Legitimation und Glaubwürdigkeit erhalte der ZDH dadurch, dass er nicht einäugige Klientelpolitik mache, sondern Handwerkspolitik, die immer auch echte Mittelstandspolitik sei. Als Beispiel für einen gelungenen Interessensausgleich innerhalb des Handwerks nannte er das Thema Mindestlohn. Hier habe es Befürworter ebenso gegeben wie ablehnende Stimmen. Der Kompromiss sehe nun tarifliche, aber keine gesetzlichen Mindestlöhne vor. Als das Ergebnis erfolgreicher Lobbyarbeit bezeichnete Kentzler auch die Istbesteuerung, also die Tatsache, "dass wir die Mehrwertsteuer erst dann abführen müssen, wenn der Kunde gezahlt hat". Eines seiner momentanen Themen sei die anstehende Reform des Rundfunkgebührensystems. Durch die Berücksichtigung der Zahl der Mitarbeiter bei der Gebührenhöhe müssten die Betriebe mit bis zu zehnmal so hohen Gebühren wie bisher rechnen - ein Thema, das auch den Gartenbau betreffen könnte, so Kentzler. Abschließend appellierte er an die Gärtner: "Versuchen Sie mit einer Stimme nach draußen zu sprechen."

Professor Dr. Rembert Burmann, Osnabrück, stellte sowohl aus wissenschaftlicher wie auch aus unternehmerischer Sicht - Burmann ist Inhaber eines Baumschulbetriebes - dar, wie sich politische Rahmenbedingungen auf die Unternehmen auswirken. Damit sich die Politik nicht weiter von der Basis entferne, sei es bedeutend, dass die Unternehmer politische Prozesse aktiv begleiteten. So etwa stelle eine Erhöhung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes eine Gefahr für die mittelständischen Betriebe dar, während beispielsweise Discounter eher profitierten. Abschließend rief auch er die Gärtner dazu auf, zusammenzustehen: "Mit Abspaltung und Splitterung ist keinem geholfen. Nur gemeinsam sind wir stark."