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Azubi-Sharing gegen Nachwuchsmangel

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Die Ausbildungsmisere in der gesamten grünen Branche gefährdet die Zukunft der Berufsstände. Auch fantasievolle Lösungsansätze sind gefragt. Ein gutes Beispiel dafür kommt von Sina Bertsch und Frank Tichlers aus dem Badischen.

Tichlers führt in Mühlacker auf etwa 200 Quadratmetern Ladenfläche ein klassisches Blumenfachgeschäft (Blumen Berret) mit acht Mitarbeitern, Bertsch etwa 15 Kilometer entfernt im eher ländlichen Wimsheim ein Geschäft mit Pflanzenschwerpunkt (Blumen-Stiel). Als Gartenbau-Technikerin darf sie keine Floristen ausbilden (obwohl sie sie braucht), Frank Tichlers hingegen schon. Und er bekommt so viele Anfragen, dass er das Gros der Bewerbungen ablehnen muss.

Ausbildung in beiden Geschäften

Aus der Not haben die beiden Unternehmen vor zwei Jahren eine Tugend gemacht. Angestellt wurden drei Auszubildende (zwei sind bis heute dabei geblieben), die in beiden Geschäften lernen. Blumen Berret ist, auch gegenüber den Prüfungsinstitutionen, der Leitbetrieb, dort sind die Auszubildenden zwei Wochen monatlich. Eine Woche arbeiten sie dann bei Sina Bertsch und eine Woche sind sie in der Berufsschule – so die grobe Einteilung.

Praktisch bedeutet das: Für die Auszubildenden ist das Spektrum deutlich größer als bei nur einer Ausbildungsstätte. Hier mehr Floristik, dort mehr Pflanzen, hier städtisch, dort ländlich, hier viele Mitarbeiter, dort weniger, hier dieser Kalkulationsansatz, dort ein anderer, hier die Kundenstruktur, dort eine unterschiedliche, hier die Produktschwerpunkte, dort ganz andere – und so weiter.

Auszubildende lernen mehr als nur in einem Betrieb

Die Auszubildenden können/dürfen/müssen über diese Konstruktion mehr lernen als in nur einem Betrieb. In dieser Struktur wird schon in der Ausbildung etwas von dem vorweg genommen, was der Grund für die traditionellen „Wanderjahre“ nach der Ausbildung ist – unterschiedliche Betriebskonzepte kennenzulernen. Wie gut ein Ausbildungsbetrieb auch immer ist – es ist für die eigene Zukunft enorm wichtig, andere Geschäftskonzepte zu kennen.

Frank Tichlers würde aktuell weniger Floristen-Nachwuchs ausbilden, wenn nicht die Kooperation mit Sina Bertsch wäre. Die wiederum freut sich über floristisch gut angeleiteten Nachwuchs, denn auch in ihrem stark an Pflanze/Friedhof/Gemüse orientierten Geschäft wird Floristik immer wichtiger.

Ein weiterer Aspekt, die zunehmende Sortimentsvielfalt, spricht ebenfalls für die Kooperation zweier unterschiedlich ausgerichteter Ausbildungsbetriebe. Man muss nur an die Themen Kräuter und Naschgarten denken, dort finden sich eine Vielzahl von Produkten, die es vor fünf Jahren einfach noch nicht gab – die man aber heute kennen sollte. So etwas lernt man bei Sina Bertsch eher als bei Frank Tichlers – der aber möglicherweise beim Thema Styling die Nase vorn hat.

Fazit: „Azubi-Sharing“ hat deutlich mehr Vor- als Nachteile

Deutlich mehr Vor- als Nachteile – so urteilen alle Beteiligten. Das klingt einleuchtend, und man kann sich schon wundern, dass diese Möglichkeiten nicht schon früher und von mehr Betrieben genutzt wurden. Allerdings scheint es in anderen Branchen ähnlich zu sein. Frank Tichlers bekam zumindest schon von der Friseurinnung eine Einladung, damit er über seine bisherigen Erfahrungen berichtet.

Den kompletten Artikel über das „Azubi-Sharing“ lesen Sie in der TASPO 30/2017, die am 28. Juli erschienen ist.