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"Babyarbeitsplatz": Moderne Sozialmodelle im grünen Softwarehaus

Ein Vorzeige-Sozialmodell hat jetzt der Software-Partner der grünen Branche Dataflor aus Göttingen für Mitarbeiterinnen mit Kind eingeführt. Ein Thema, das zur Zeit in der Politik heiß diskutiert wird. Seit Ende ihrer Babypause bringt Michaela Holsmölle (29), Mitarbeiterin in der Dataflor Info-Line, ihre neun Monate alte Tochter Friederike mit zum Arbeitsplatz. In der Telefonzentrale ist das problemlos möglich und von Geschäftsführer Hans Ludwig Honig gern gesehen. Die vier Frauen, die mit Holsmölle in einem Großraum-Büro arbeiten, empfinden die Anwesenheit des Babys als unproblematisch und sogar als wohltuend. "Selbstverständlich quakt die Kleine mal, aber das stört nicht besonders", sagt Kollegin Henriette von Tenspolde. "Es kommt auf die Tätigkeit an, ob ein Kind im Hintergrund stört und ablenkt. Bei uns im Büro ist das nicht der Fall", so Nicola Vagt und Anne Baptist. Alle sind sich einig, dass die Bereitschaft, ein Baby oder Kleinkind am Arbeitsplatz zu dulden bei deutschen Arbeitgebern lange nicht selbstverständlich ist. Dataflor nimmt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle ein. Honig arbeitete früher selbst in einer Gärtnerei, wo es ganz selbstverständlich war, die Kinder mitzunehmen. "In einer Bürolandschaft stört ein Kind, wenn es noch nicht läuft und alles entdecken will, nicht", erklärt Honig. Deshalb hatte er Michaela Holsmölle ohne zu zögern die Möglichkeit "Babyarbeitsplatz" angeboten. Für junge Familien leider noch die Ausnahme, denn in den meisten Unternehmen sind Babys am Arbeitsplatz nicht gestattet. Nach Schätzungen des Bundesfamilienministeriums gibt es nur etwa 350 Betriebskindergärten in Deutschland. Weniger als die Hälfte aller Unternehmen haben nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) familienfreundliche Angebote festgelegt. Nur ein Drittel der deutschen Firmen sorge sich ernsthaft um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Für Holsmölle bedeutet das "Firmenbaby" doppelte Belastung, aber das nimmt sie in Kauf, denn das verdiente Geld sofort wieder für eine Tagesmutter auszugeben, ist für sie die schlechtere Lösung.

"Ich muss mich nach den Zeiten des Kindes richten, aber bei meiner Tätigkeit ist das kein Problem". Ihre Tochter wird bald in die Kinderkrippe gehen, wo sie mit Gleichaltrigen spielen kann. Für Holsmölle war das Angebot des Geschäftsführers eine gute Lösung, bis dahin Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.