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Bambusbockkäfer könnte sich in Europa dauerhaft etablieren

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Der Asiatische Bambusbockkäfer (Chlorophorus annularis) scheint sich zunehmend in Europa auszubreiten. Inzwischen kommt der ursprünglich aus Südostasien stammende Bambusschädling auf dem Kontinent in höherer Zahl vor, wie Forschende des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg jetzt nachgewiesen haben.

Bei der Recherche auf verschiedenen Citizen-Science-Plattformen wurde klar, dass es viele Funde des Asiatischen Bambusbockkäfers in Europa gab. Hier der Nachweis eines Insektes im englischen Braintree. Foto: Stephen Rolls

Forschende finden Bambusbockkäfer in Hamburg im Freiland

Wie die Universität Hamburg mitteilt, hatte ein CeNak-Team während eines Feldpraktikums für Studierende einen später als Chlorophorus annularis identifizierten Käfer in der Hansestadt entdeckt. Bei der anschließenden Recherche auf verschiedenen Citizen-Science-Plattformen und Gesprächen mit den Bürgerwissenschaftlern sei deutlich geworden, dass es in Europa viele weitere Funde des Asiatischen Bambusbockkäfers gab – woraufhin die Forschenden insgesamt 13 neue Einschleppungen des Käfers meldeten. Dies entspreche einem Anstieg der Nachweise in Europa um 42 Prozent, wie die Uni Hamburg darlegt.

„Angesichts des sich erwärmenden Klimas und einer zunehmenden Fülle von Bambus-Zierpflanzen in Europa könnte sich der Käfer dauerhaft etablieren. Er könnte nicht nur ein Gartenschädling werden, sondern auch der bambusverarbeitenden Industrie erhebliche Kosten verursachen“, führt Dr. Matthias Seidel, Käferspezialist am CeNak und Erstautor der in der Fachzeitschrift BioRisk veröffentlichten Studie, dazu aus. Nach Angaben der Uni Hamburg wurde das erste Auftreten des Bambusbockkäfers in Europa bereits 1924 verzeichnet, seitdem habe das Insekt sein Verbreitungsgebiet durch den internationalen Handel weltweit kontinuierlich erweitert.

Chlorophorus annularis nicht nur für Bambus eine Gefahr

Wie das Julius Kühn-Institut (JKI) dazu auf Anfrage der TASPO bestätigt, gab es in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem Funde von Chlorophorus annularis in Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Rumänien, Spanien und der Tschechischen Republik – zumeist an Totholz. Larven oder adulte Bambusbockkäfer wurden laut JKI in Verbindung mit Bambusstöcken oder verarbeitetem Bambus gefunden. Eine Ansiedlung in Deutschland im Freiland, von der laut JKI nach dem durch die Uni Hamburg beschriebenen Fund in der Hansestadt auszugehen sei, wurde dagegen bislang nicht erwartet. Eine Gefahr könnte der Käfer nicht nur für Bambus, sondern auch für andere Kulturen wie Mais oder Weinreben darstellen.

Nach Angaben des JKI befällt Chlorophorus annularis in erster Linie bereits geschlagenen Bambus, was mit der steigenden Nutzung von Bambus – etwa als Verpackungsmaterial – problematisch werden könne. Da Bambus botanisch ein Gras ist, gelten für Bambusverpackungen nicht die gleichen Hygienestandards wie für solche aus Holz. „Das eröffnet Exporteuren eine Ausweichmöglichkeit zu den in ISPM (internationaler Standard für pflanzengesundheitliche Maßnahmen) 15 geforderten Maßnahmen. Um zu ermitteln, wie hoch das Risiko ist, das von Bambusverpackungen ausgeht, haben wir ein Projekt auf den Weg gebracht, das voraussichtlich Anfang 2022 starten wird“, so das JKI.

Hamburger Wissenschaftler arbeiten an Online-Frühwarnsystem

Bereits in den kommenden Monaten soll ein Webportal zur Information und Früherkennung von gebietsfremden Arten in Hamburg online gehen, an dem die Wissenschaftler des CeNak derzeit arbeiten. Wie es seitens der Universität Hamburg heißt, sollen die Bewohner der Hansestadt an der Datenerhebung beteiligt werden, indem sie Fundorte nebst Fotos über die Website melden können. Um als Frühwarnsystem für neu ankommende und insbesondere potenziell schädliche Arten zu fungieren, soll die Hamburger Umweltbehörde direkten Zugang zu den gesammelten Daten erhalten, damit schnell entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.

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