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Baumschulen in Europa: „Wir bekennen uns alle zum Nachhaltigkeitspfad“

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Der EU-Pflanzenpass, verschiedene Entschädigungsmöglichkeiten bei Quarantäneschädigern und eine nachhaltige Pflanzen-Produktion standen im Mittelpunkt der ENA-Generalversammlung, die Ende Januar im Rahmen der diesjährigen IPM stattfand. Wir sprachen mit Jan-Dieter Bruns, Präsident der European Nurserystock Association (ENA), über diese und weitere Brennpunkt-Themen der Baumschul-Branche.

Jan-Dieter Bruns ist seit 2018 Präsident des Europäischen Baumschulverbands ENA und leitet als geschäftsführender Gesellschafter von Bruns Pflanzen-Export eine der größten Baumschulen in Europa. Foto: privat

Wie fällt aus Sicht der Baumschulen das erste Resümee zum neuen EU-Pflanzenpass, zwei Monate nach Inkrafttreten, aus – wie gestaltet sich die Umsetzung in der Praxis, wo gibt es noch „Stolpersteine“?

Der Pflanzenpass ist ein bekanntes Instrument. Wir haben die neuen Vorgaben in der Branche weitgehend umgesetzt. Vieles konnte auf der Zielgeraden noch geklärt werden, und auch der Verband hat Aufklärung betrieben. Etwaige Formfehler werden sicher im Lauf des Jahres 2020 ausgemerzt werden. So lange gilt ja auch die Übergangsfrist.

Problematisch ist die Frage der Gemeinschaftshaftung bei der Bündelung von Lieferungen verschiedener Baumschulen durch einen Händler. Die Partien müssen gesondert gelagert und transportiert werden. Ob das immer geschieht, ist zweifelhaft. Das ist keine genuine Frage des Pflanzenpasses, aber in Zeiten von Quarantäneschädigern umso bedeutender.

Quarantäneschaderreger wie Xylella fastidiosa sind quasi ein „Dauerbrenner-Thema“ für die Branche. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Wir verzeichnen momentan keine neuen Ausbrüche. Bei Xylella ist die Lage in Süd- und Südwesteuropa bekannt. Ich denke, dass alle Baumschulen sensibilisiert sind und angelieferte Ware streng kontrollieren und separat lagern. Bei den asiatischen Käfern kommen auch Spürhunde zum Einsatz.

Immer wieder diskutiert werden in diesem Zusammenhang Entschädigungsmöglichkeiten für betroffene Betriebe. Auf der ENA-Generalversammlung wurden dazu auch zwei Versicherungslösungen vorgestellt.

Die gezeigten Lösungen waren zum einen die der Gartenbau-Versicherung, die ja bekanntermaßen als Add-on zur Mehrgefahren-Versicherung gedacht ist. Die andere Lösung war eine Information eines italienischen Maklers spezifisch für den dortigen Markt.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die nachhaltige Pflanzen-Produktion, die auch von Baumschulen erwartet wird. Welche Herausforderungen und Veränderungen kommen hier auf die Betriebe zu – und sind Europas Baumschulen diesen derzeit gewachsen?

Das Thema wird natürlich auch im Kreis der ENA diskutiert. Wir bekennen uns alle zum Nachhaltigkeitspfad, wobei die Ansätze in den verschiedenen ENA-Ländern unterschiedlich sind. In England setzt die Regierung künftig auf recycelte Töpfe, während die Politik in Deutschland den Torf reduzieren will. Viele Handelspartner, insbesondere die großen Einzelhandelsketten, haben darüber hinaus eigene Vorstellungen, die die jeweiligen Lieferanten umsetzen müssen. Einen einheitlichen europäischen Ansatz sehen wir zurzeit nicht.

Das ist letztlich auch der Grund, kein europäisches Nachhaltigkeitslabel einzuführen. Die Märkte haben verschiedene Anforderungen. Die kann man mit einem Siegel nicht alle über einen Kamm scheren. Ein einheitliches ENA-Label wird es daher erst einmal nicht geben, wobei der Nachhaltigkeitsgedanke in den Mitgliedsfirmen eine große Rolle spielt.

Die ENA begrüßt den 2019 erstmals vom Bund deutscher Baumschulen (BdB) verliehenen BdB-Nachhaltigkeitspreis, zur Diskussion steht ein europäischer Preis nach deutschem Vorbild. Wie weit sind die Überlegungen hier schon gediehen?

Die Nachhaltigkeit des BdB aufzugreifen, kann sicherlich auf europäischer Ebene weitergedacht werden. Hierzu gibt es jedoch noch keine Entscheidung.

Welche Aussichten bestehen auf eine Fortsetzung der 2020 auslaufenden Kampagne „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“?

Wir werden in wenigen Wochen den Folgeantrag bei der EU stellen. Dieser basiert auf den Erfahrungen der letzten drei Jahre und wird weit mehr als vorher auf Veranstaltungen in Richtung unserer Zielgruppen setzen.

Wie wird das Thema Brexit in der ENA behandelt, nachdem der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs nun tatsächlich erfolgt ist? Welche Auswirkungen erwarten Sie für die europäischen Baumschulen?

Der Brexit ist ein Thema mit vielen Unbekannten. In der Übergangszeit bis Ende 2020 erwarten wir keine Veränderungen. Aber wir gehen davon aus, dass die britische Regierung ab dem Jahr 2021 verschärfte Einfuhrbedingungen anstreben wird. Wie die aber letztlich aussehen, werden die Verhandlungen mit der EU zeigen. Bei einem No-Deal-Brexit erwarten wir härtere Fakten als im Falle eines verhandelten Austritts. In der zweiten Februarhälfte werden hierzu auch noch detaillierte Gespräche, an denen ich als ENA-Präsident auch teilnehme, in Kew Gardens in London geführt.

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