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Berufsfeld Pflanzenzüchtung: Ist der Gartenbau vorbereitet?

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Der Weg von einer Idee über das „fertige“ Saatgut bis zum Anwender ist lang. Und bietet einer Reihe von Spezialisten vielfältige Tätigkeiten. Etwa 12.000 Mitarbeiter arbeiten deutschlandweit in den Unternehmen der Pflanzenzüchtung. Aber Fachkräfte sind in der Branche Mangelware.

Der an der Hochschule Osnabrück angebotene sechs-semestrige Bachelor-Studiengang „Angewandte Pflanzenbiologie – Gartenbau, Pflanzentechnologie (B.Sc.)“ ist naturwissenschaftlich orientiert und fokussiert auf die Bereiche Pflanzenzüchtung, Versuchswesen und Statistik sowie laboranalytische Verfahren des pflanzenbaulichen Umfelds. Foto: Hochschule Osnabrück

Neue Berufe durch immer höhere Anforderungen

Das Spektrum im Berufsfeld Pflanzenzüchtung reicht von kaufmännischen und handwerklichen Berufen in der Verwaltung, Logistik, im Marketing und Vertrieb über spezialisierte Labortätigkeiten in der Entwicklung und Beratung, im Büro oder Zuchtgarten bis hin zum eigentlichen (studierten) Pflanzenzüchter. All diese Experten sind stark miteinander vernetzt, um die geforderten Ergebnisse zu bringen.

Und die Pflanzenzüchtung stellt immer höhere Anforderungen, wie die Entwicklung neuer Technologien. Aus diesem Grund kommen immer wieder neue Berufe hinzu, wie der Ausbildungsberuf Pflanzentechnologe beziehungsweise als Fortbildungsabschluss der Pflanzentechnologiemeister.

Berufsbild Pflanzentechnologe

Die duale Ausbildung zum Pflanzentechnologen erfolgt in mindestens zwei der Einsatzgebiete Feldversuchswesen, Gewächshaus, Pflanzenschutz-Versuchswesen, Saatgutwesen, Untersuchungslabor und Zuchtgarten. Die Auszubildenden haben die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen wie Pflanzenzüchtung, landwirtschaftliches Versuchswesen und Pflanzenkulturlaboren zu arbeiten.

„Der im Sommer 2013 neu eingeführte duale Ausbildungsberuf Pflanzentechnologe konnte sich bestens in der Branche etablieren“, weiß Bettina Sánchez Bergmann, Referentin Nachwuchsförderung/Fortbildung beim BDP. Seit Einführung des Berufs hat sich laut BMEL-Statistik die Zahl der Auszubildenden von 15 (in 2013) auf 93 (2016) Auszubildende erhöht. Gleichzeitig steigen immer mehr Unternehmen in die Berufsausbildung ein.

Ausbildungsbetriebe vor allem im Süden gesucht

„Im Sommer 2017 hat der zweite Ausbildungsjahrgang erfolgreich seine Abschlussprüfungen absolviert. Allerdings werden besonders in den süddeutschen Bundesländern noch weitere Ausbildungsbetriebe gesucht, da hier die Nachfrage größer ist, als das Angebot an verfügbaren Ausbildungsplätzen“, so die Expertin.

Der Lehrplan war von Anfang an so ausgestaltet, dass er einen Schwerpunkt auf Weiterentwicklungen im Züchtungsbereich legt. Generell habe die Berufsschule aber immer die Möglichkeit, hier bei Bedarf nachzujustieren, sofern es sich im Rahmen der in der Ausbildungsverordnung festgeschriebenen Inhalte bewegt.

Übergreifende Themen und Schwerpunkte im Fokus

„Insgesamt ist bereits seit etlichen Jahren zu beobachten, dass der Trend weg von den klassischen Agrar-Schwerpunkten, wie auch Züchtung, geht und mehr übergreifende Themen und Schwerpunkte in den Fokus rücken“, beobachtet Bettina Sánchez Bergmann. Als Beispiele seien hier Agribusiness oder Umweltmanagement zu nennen.

Für die Züchtungsbranche sei diese Entwicklung natürlich nachteilig, da die Unternehmen auf speziell ausgebildete Mitarbeiter angewiesen sind. „Insofern begrüßen wir Initiativen, wie die der Hochschule Osnabrück, einen Studiengang Pflanzentechnologie zu schaffen“, sagt die Referentin.

Vertiefung Pflanzentechnologie

„Pflanzentechnologie“ ist eine von zwei Vertiefungen des Bachelor-Studiengangs „Angewandte Pflanzenbiologie – Gartenbau, Pflanzentechnologie (B.Sc.)“. Dieser neue Studiengang ergänzt und erweitert den ehemaligen Bachelor-Studiengang „Produktionsgartenbau“ um die Vertiefung „Pflanzentechnologie“ und wird erstmalig zum Wintersemester 2018/19 angeboten. Eine Weiterführung des Bachelorstudiums im Masterstudiengang „Angewandte Nutztier- und Pflanzenwissenschaften“ ist an der Hochschule Osnabrück ebenfalls möglich.

„Das sechs-semestrige Bachelor-Studium ist naturwissenschaftlich orientiert und fokussiert auf die Bereiche Pflanzenzüchtung, Versuchswesen und Statistik sowie die laboranalytischen Verfahren des pflanzenbaulichen Umfelds“, erklärt Prof. Dr. Henning Schacht von der Fakultät Agrarwissenschaften, Fachgebiet Baumschule und Gehölzkunde, Hochschule Osnabrück.

„In der Vertiefung ‚Pflanzentechnologie‘ vermittelt das Studium spezielle und umfassende Kenntnisse in molekularbiologischen und biochemischen Analyseverfahren, der Versuchstechnik und Statistik, wie sie in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Pflanzenzüchtung, Phytomedizin, Pflanzenernährung, Bodenkunde und pflanzenbauliches Versuchswesen benötigt werden.“ Ergänzend können Fächer des gartenbaulichen und landwirtschaftlichen Pflanzenbaus studiert werden.

Gute Karrierechancen in der Vertiefung Pflanzentechnologie

Den AbsolventInnen mit diesen Qualifikationen bieten sich Tätigkeitsfelder im Bereich der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen der Unternehmen in den Bereichen Dünger, Pflanzenschutz und Substrate. Weitere Tätigkeitsfelder sind Pflanzenbaulabore, Pflanzen- und Saatzuchtunternehmen sowie Dienstleister in den Bereichen Qualitätssicherung und Beratung.

Marktanalysen haben gezeigt, dass für AbsolventInnen mit dieser Fokussierung in der Vertiefung Pflanzentechnologie eine sehr gute Nachfrage des Berufsfeldes besteht. Auf ein sehr positives Interesse stößt die Spezialisierung „Pflanzentechnologie“ auch bei den potenziellen Bewerbergruppen.

Dieser Beitrag ist Teil des TASPO dossiers III/18 „Gentechnik im Gartenbau: Fortschritt oder Angstpotenzial?“, das zusammen mit der TASPO 31/2018 erschienen ist.