Alle News

Bestattungsgesetz in NRW: Urnen künftig zu Hause aufbewahren?

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen denkt weiter an eine Liberalisierung des Bestattungsgesetzes. Insbesondere die Diskussionen, ob die Urne künftig im Privatbereich aufbewahrt werden darf, nehmen auch in der Öffentlichkeit zu. Vor dieser Entwicklung habe der Berufsstand ausdrücklich gewarnt, dagegen müsse unbedingt intensiv gearbeitet werden, sagte Helmut Rüskamp, Präsident des Gartenbauverbandes Westfalen-Lippe, beim NRW-Verbändetreffen in Bochum. 

Wichtige Stütze: Gemeinschaftsgrabanlage. Foto: Gabriele Friedrich

Das Problem sei die falsch verstandene Liberalität der Politik, sagte Carsten Nöll, Vorsitzender des Fachverbandes rheinischer Friedhofsgärtner. Es sei weder nötig zu erlauben, dass die Urnen künftig zu Hause aufbewahrt werden, noch brauche man weitere Friedhofsträger in Form von Religionsgemeinschaften und religiösen Vereinen. Der Gesetzgeber sollte sich vielmehr Gedanken darum machen, wie er seinen Bürgern eine würdige Beisetzung zusichern kann.

Beispielsweise sollten langfristige Verträge zur Grabpflegevorsorge auch weiterhin als Schonvermögen angesehen werden. Auch im Dienstleistungsgartenbau Friedhof sei das Geschäft immer härter geworden, sagte Nöll. Wer seinen Umsatz halten kann, ist in diesen Zeiten schon erfolgreich. Betriebe, die aus eigener Kraft Zuwachs generieren, sind sogar top.

Auf die Zukunft gerichtet sagte er, dass Ende des Jahres erstmals die Fortbildung „Geprüfter Kundenberater Friedhofsservice“ in NRW und Hessen angeboten werde. Es werden drei Module in den Bereichen Friedhofsrahmenpflege, Friedhofsunterhaltung und Kundenberatung intensiv behandelt. Eine Prüfung ist nach dem Besuch aller drei Module vorgesehen. Betriebe können jedoch auch Mitarbeiter zu einzelnen Modulen, dann ohne Prüfung, schicken.

Zunehmend Sorge bereiten auf den Friedhöfen in Nordrhein-Westfalen die auftretenden Pflanzenschädlinge. Zunächst war es der Buchsbaumpilz, jetzt ist es der Buchsbaumzünsler. Der Zünsler mit seinen Schäden habe in diesem Jahr eine neue Dimension erreicht, hauptsächlich an der Rheinschiene entlang. Anhand der extrem schnellen Ausbreitung sei für das kommende Jahr in ganz Nordrhein-Westfalen mit dem Schlimmsten zu rechnen. Und durch die Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes sind Gräber keine gärtnerischen Flächen mehr und somit sei eine Bekämpfung eigentlich nicht mehr möglich, sagte Nöll.

Darüber hinaus habe der Friedhofsgartenbau zurückgehende Umsätze dadurch zu verzeichnen, dass der Trend sich immer weiter in Richtung Urnengräber bewegt. Das sei auch durch teilweise sehr gelungene Gemeinschaftsgrabanlagen insgesamt nicht wieder eingeholt worden. Memoriam-Gärten gewinnen allerdings immer mehr an Bedeutung und sind eine wichtige Stütze. Damit werden zugleich die Kommunen und kirchlichen Friedhofsträger entlastet, indem größere Flächen in Nutzung genommen und besonders gut gestaltet werden. (fri)