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Betriebsübergabe regeln – Geschäftsaufgabe vermeiden

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Wie geht es weiter mit dem Betrieb? Diese Frage stellen sich viele Inhaber, wenn ihr fünfzigster Geburtstag bevorsteht und sie generell ein Resümee im Leben ziehen. Gibt es eine Nachfolge, läuft der Betrieb weiter oder steht eine Betriebsaufgabe an? Bei Blumenfachgeschäften, die gemietet oder Gärtnereien, die gepachtet sind, wird das Miet- und Pachtverhältnis beendet, wenn es keinen Nachfolger gibt. Marketingberater Knut Steffen kennt die Details.

Eigenes Blumengeschäft vermieten oder verpachten

Blumengeschäfte im Eigentum können vermietet oder verpachtet werden. Das ist von Standort und Lage abhängig. In der Praxis gibt es die größten Probleme mit Einzelhandelsgärtnereien – das Betriebsleiter-Ehepaar ist knapp über sechzig, hat noch keine Perspektive. Häufig besteht ein Investitionsstau, es fehlen die Ideen.

Kernfrage ist, wird der Betrieb weitergeführt und gibt es einen Nachfolger in der Familie? Die Richtung entscheidet sich frühzeitig durch die Fachausbildung der Kinder, was zwar noch keine Gewähr dafür ist, dass der Betrieb übernommen wird, aber die Wahrscheinlichkeit ist höher als bei einer berufsfremden Ausbildung. Ob Kinder einsteigen, hängt auch davon ab, wie Beruf und Betrieb vorgelebt werden. Wichtig ist es, rechtzeitig Gespräche mit dem Nachwuchs zu führen und auch mal die betrieblichen Zahlen offenzulegen.

Potenzielle Übernehmer sollen voll entlohnt beschäftigt sein

Wenn die Bereitschaft zur Übernahme vorhanden ist, sollten die potenziellen Übernehmer sich im Betrieb als voll entlohnte Mitarbeiter (mindestens richtiger Tariflohn) engagieren und in das gesamte Betriebsgeschehen integriert werden. Bewährt hat es sich, den Nachfolger mit einer prozentualen Beteiligung einzubinden, die von Jahr zu Jahr steigt (etwa in einer GbR).
In manchen Betrieben stellt sich ein Problem, wenn ein Partner hinzukommt. Ist er bereit, sich im Betrieb zu engagieren oder wird die Tätigkeit außerhalb des Betriebes weitergeführt? Das Modell „außerbetriebliche Tätigkeit“ funktioniert in vielen Fällen, denn beispielsweise die Ehefrau muss nicht zwingend die Floristik betreuen.

Worst Case: Keiner übernimmt den Betrieb

Das schlimmste Szenario: Alle Hoffnungen, dass sich ein Nachfolger in der Familie findet, zerschlagen sich – nun müssen neue Lösungen gesucht werden. Vor dieser Situation stehen nicht wenige Betriebe. Oft ist relativ früh klar, dass niemand aus der Familie den Betrieb übernimmt, weil die Kinder eine andere Ausbildung und kein Interesse an der Einzelhandelsgärtnerei haben und sich auch kein Nachfolger im weiten Verwandtenkreis findet. In anderen Fällen haben Kinder zwar die passende Ausbildung oder sind schon im Betrieb, aber es kommt zum Zerwürfnis mit den Eltern, sodass sie endgültig auf den Betrieb verzichten.

Welche Perspektiven hat eine Einzelhandelsgärtnerei ohne Nachfolger in der Familie? Es müssen Alternativen überlegt werden. Dafür muss der Betrieb bewertet und eingeschätzt werden. Das setzt nicht nur eine finanzielle Bewertung des Betriebes durch einen anerkannten Sachverständigen voraus, sondern auch die Einschätzung der Marktchancen als Einzelhandelsgärtnerei (Einzugsgebiet, Kundenpotenzial, Mitbewerber, Sortimente, Stärken/Schwächen des Betriebes als Einzelhandelsgärtnerei).

Nachfolge regeln: Betrieb bewerten und einschätzen

Die Bewertung und Einschätzung sind wichtige Basisdaten, um potenzielle Nachfolger zu finden. Neben einem Sachverständigen sollte auch ein Berater aus der grünen Branche hinzugezogen werden, der die örtlichen Verhältnisse und den Betrieb gut kennt.

Aus dieser Einschätzung ergibt sich letztlich, ob der Betrieb Zukunftschancen hat oder aufgegeben werden muss – etwa weil der Investitionsbedarf zu hoch ist und die erzielbaren Umsätze nicht mehr ausreichen und nicht machbar sind. Eine Alternative wäre sicherlich für manche Betriebe ohne Nachfolger die Reduzierung der Flächen (Glasflächen) und die Weiterführung als Blumengeschäft. Mit einer genauen Bewertung und Beschreibung (vor allem Marktdaten und Perspektiven) kann die Nachfolgersuche beginnen. (Knut Steffen)

Wie Sie am besten einen geeigneten Nachfolger finden und das Thema Betriebsübergabe in der Familie ansprechen, lesen Sie in der kommenden Dezember-Ausgabe der g&v.