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Hochwasser-Bilanz der Gartenbau-Versicherung: Schadenausmaß ähnlich wie 2002

Wenngleich sich die Lage in den Hochwassergebieten im Osten Deutschlands zum Teil verheerend darstellt, scheinen die Schäden im Gartenbau bisher überschaubar geblieben zu sein – auch wenn jeder Einzelfall für sich genommen zum Teil sehr tragisch ist. Der Gartenbau-Versicherung (GV) wurden mit Stand 14. Juni insgesamt 58 Schäden gemeldet – gut 40 dieser Schadenmeldungen gehen auf das Hochwasser an Donau und Inn beziehungsweise Elbe und Saale sowie deren Einzugsgebieten zurück. 

Die Schadensumme beläuft sich derzeit auf gut eine bis eineinhalb Million Euro. Darin nicht enthalten sind die sich noch anschließenden Kosten für Aufräumarbeiten, Reinigung, Instandsetzung von Heiz- und anderen technischen Anlagen sowie Kulturschäden, die – wie insbesondere bei Baumschulen – teilweise erst im weiteren Verlauf sichtbar werden.

Damit wird die Entschädigung durch die Gartenbau-Versicherung aller Voraussicht nach kaum höher ausfallen als beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002. Anzumerken ist, dass im Gegensatz zu 2002 Freilandkulturen beim diesjährigen Hochwasser versicherbar sind und viele der damals betroffenen Betriebe ihre Freilandkulturen auch entsprechend versichert haben. Zudem dürften die einzelnen Reparaturkosten inflationsbedingt höher ausfallen als vor elf Jahren.

Nachfolgend ein Überblick zur Situation in den einzelnen Bundesländern:

Sachsen
Der Gartenbau-Versicherung wurden aus Sachsen insgesamt 19 Schäden gemeldet, das geschätzte Ausmaß beläuft sich auf rund 600.000 Euro. Erwartungsgemäß am stärksten betroffen ist der Raum Dresden, wo neben Gewächshausbetrieben insbesondere Freilandflächen im Überschwemmungsbereich lagen. Innerhalb Dresdens wurden Gärtnereien vor allem im Stadtteil Gohlis stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese Betriebe standen bereits im Jahr 2002 unter Wasser. Danach wurde ein Schutzdamm geplant und inzwischen teilweise errichtet. Dieser konnte aber wegen Einsprüchen von Anliegern nur zeitverzögert gebaut werden, war daher zum Zeitpunkt des jetzigen Hochwassers noch nicht fertiggestellt. Die Höhe des Schutzdamms hätte ausgereicht, die Schäden vollständig zu verhindern.

Stattdessen standen erneut mehrere Betriebe vollständig unter Wasser, der Pegelstand fiel allerdings 30 Zentimeter niedriger aus als vor elf Jahren. Insgesamt blieben die Schäden deutlich hinter denjenigen des Jahres 2002 zurück, dies obwohl in 2013 Freilandflächen mitversichert sind. Hierzu beigetragen haben umfangreiche vorbeugende Rettungsmaßnahmen wie insbesondere das Sichern von Öltanks vor Aufschwemmung sowie das rechtzeitige Ausbauen von Klimacomputern und weiteren technischen Anlagen.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang ein Zierpflanzenbetrieb im Landkreis Meißen. Der Betriebsinhaber verfügte noch über eine höher gelegene, leer stehende Gärtnerei. Sämtliche Kulturen auf den Tischen sowie die sich im Freiland befindlichen Containerkulturen wurden beispielhaft und in kürzester Zeit durch die Mitarbeiter dorthin umgelagert. Dieser Gartenbaubetrieb wäre übrigens der einzige im Bereich Dresden-Meißen, der auch nach Fertigstellung des Damms bei Gohlis noch überschwemmt worden wäre.

Auch die schweren Schäden aus 2002, die auf dem sturzbachartigen Abfluss von Wassermassen aus dem Erzgebirge resultierten, sind dieses Mal ausgeblieben. Dies geht insbesondere auf erhebliche Investitionen zur Wasserrückhaltung im Gebirge zurück.

Thüringen
Aus dem benachbarten Bundesland Thüringen erreichten die Gartenbau-Versicherung neun Schadenmeldungen, derzeitige Gesamtschadenhöhe gut 200.000 Euro. Ein größerer Schaden von geschätzt 100.000 Euro ereignete sich in einem Gemüsebaubetrieb, der im Einzugsgebiet der Roda und deren Mündungsbereich in die Saale liegt. Im Betrieb standen Tomaten- und Gurkenpflanzen rund 20 Zentimeter tief unter Wasser.

Neben überwiegend Gewächshausbetrieben stand bei Jena auch eine Verkaufsbaumschule, die sich in unmittelbarer Nähe der Saale befindet, etwa 80 Zentimeter tief unter Wasser.


Sachsen-Anhalt
Anders als vor elf Jahren war dieses Mal nur ein Betrieb betroffen. Es handelt sich um einen Zierpflanzenbetrieb mit Endverkauf bei Jeßnitz. Durch das Hochwasser der Mulde stand der Betrieb rund einen Meter tief im Wasser. Der Gesamtschaden liegt bei 150.000 Euro.

Im Bereich Dessau-Waldersee, wo im Jahr 2002 mehrere Gärtnereien betroffen waren, hat die Verstärkung der Dämme gegriffen und neuerliche Schäden sind ausgeblieben.


Bayern
Aus Bayern wurden der Gartenbau-Versicherung insgesamt 18 Schäden gemeldet, Gesamtschadenhöhe knapp 250.000 Euro. Das Gros der Schäden ereignete sich in Oberbayern, hier insbesondere im Chiemgau (Landkreise Rosenheim und Traunstein). Es sind sowohl Unterglasbetriebe als auch Freilandkulturen betroffen.

In Passau wurde eine Friedhofsgärtnerei stark in Mitleidenschaft gezogen. Ihre Kulturen wurden durch die Wassermassen total verschlämmt und hierdurch unverkäuflich. Der bei der GV versicherte Schaden liegt bei rund 50.000 Euro. Über den Betrieb war auch in den Medien berichtet worden. Dies führte zu einer beispielhaften Hilfsaktion saarländischer Gärtner, die den Passauer Betrieb kurzfristig mit Sommerblumen versorgten.


Baden-Württemberg
Vier Betriebe meldeten der Gartenbau-Versicherung Schäden durch Hochwasser, Gesamtschadenhöhe rund 35.000 Euro. Einer dieser Betriebe – eine Container-Baumschule mit Beerenobst – befindet sich in Lauffen. Hier trat der Neckar über die Ufer und überschwemmte den Betrieb großflächig. Mindestens die Hälfte der Kulturen wurde geschädigt, Schadenumfang 25.000 Euro. (gv)