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Bienen: Forschungsprojekte für Erhalt und Zucht

Welchen Einfluss haben Pflanzenschutzmittel auf die Bienengesundheit? Wie sieht ein guter Bienenstandort aus und wie können Varroa-tolerante Bienen gezüchtet werden? Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) unterstützt und fördert verschiedene Forschungsvorhaben rund um die nützlichen Insekten. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) koordiniert diese Arbeiten als Projektträger. 

Die nützlichen Bienenvölker sind vielen Umweltfaktoren ausgesetzt. Foto: Tomo Jesenicnik/Fotolia.com

So liefert etwa das Deutsche Bienenmonitoring Zahlen zu Völkerverlusten im Winter, Krankheitsstadien von Bienenvölkern, aber auch Analysen der Honig-, Bienen- und Pollenproben auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Sieben Bieneninstitute arbeiten dazu mit über 100 Imkern zusammen. Die Imker stellen unter anderem Daten zur Überwinterungsdynamik ihrer Völker sowie Bienen-, Honig- und Pollenproben für die Analysen zur Verfügung. Wissenschaftler der Bieneninstitute betreuen das Programm und werten die Daten aus.

Zudem wird in dem Projekt „Fit Bee“ untersucht, welchen Umweltfaktoren Bienenvölker ausgesetzt sind. Die Ergebnisse sollen laut BLE in eine Checkliste münden, die Bedingungen für einen guten Bienenstandort und ein gesundes Bienenvolk abbildet. Dafür bearbeiten Forschungseinrichtungen und Unternehmen sieben Module:

  • Gesundheitszustand: Um Reaktionen des Immunsystems der Biene nach Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln zu messen, werden Diagnose-Sticks entwickelt. Sie könnten die Bienengefährdung des Pflanzenschutzmittels frühzeitig bewerten.
  • Verhaltensänderungen: Um beurteilen zu können, welche Pflanzenschutzmittel Einfluss auf das Heimfindevermögen der Bienen haben, soll ein Test entwickelt werden, der die Gefährlichkeit für Verhaltensänderungen prüft.
  • Belastung: Es wird erfasst, welche Substanzen in welchen Mengen vom Feld in den Bienenstock gelangen. Hierzu führen die Forscher Spritzmaßnahmen durch und analysieren Bienen-, Nektar-, Pollen- und Honigproben. Für eine geringere Belastungsmenge erforschen sie verbesserte Ausbringungstechniken.
  • Verflug: Wird das Heimfindevermögen beeinflusst, kann daraus ein Verflug von Bienen resultieren. Dieser hat Auswirkungen auf die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten. Um den Ausbreitungsweg genauer zu bestimmen, werden Bienenproben gesammelt und der Verflug untersucht. Zusätzlich entwickeln die Wissenschaftler Verfahren, um die Verbreitung von Krankheiten messen zu können.
  • Guter Bienenstandort: Um eine geeignete Landschaftsstruktur im Flugkreis eines Volkes zu definieren, werden Bienenvölker unter verschiedenen Standortbedingungen geführt. Pollenproben werden untersucht, um Aussagen über die Qualität der Nahrung an den Standorten zu treffen. Diese Daten führen die Forscher mit Geoinformationen zu einem Standortmuster zusammen. Ziel ist eine zentrale Datenbank mit relevanten Standortdaten.
  • Wettereinfluss: Um Wettereinflüsse auf ein Bienenvolk zu erfassen, wurden 86 Bienenstände mit elektronischen Waagen in der Nähe von agrarmeteorologischen Messstationen aufgestellt. Die Flugaktivität, Flugbienenverluste sowie Nektar- und Polleneintrag werden zusammen mit klimatischen Faktoren ausgewertet.
  • Varroa-Bekämpfung: Die Wissenschaftler arbeiten an einer biologischen Bekämpfung der Varroa-Milbe mittels ihrer eigenen Sexualduftstoffe. Die Duftstoffe, anhand derer die Varroa-Männchen die begattungsfähigen Weibchen erkennen, wurden identifiziert. Nun muss noch eine Einsatzmethode entwickelt werden.

 

Neben den Honigbienen gibt es in Deutschland rund 560 Wildbienenarten, davon mehr als 30 verschiedene Hummelarten. Um diese Vielfalt der Bestäuberinsekten zu erhalten, erstellt die BLE derzeit im Auftrag des BMELV ein Fachprogramm, in dem Experten unter anderem den Handlungsbedarf zur Erhaltung der biologischen Vielfalt der Bestäuber erarbeiten. Nach Angaben der FAO hängen davon 35 Prozent der weltweiten Nahrungsproduktion ab. Der ökonomische Nutzen wird auf rund 150 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Darüber hinaus haben sich zwei kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekte mit der züchterischen Verbesserung der Krankheitstoleranz von Honigbienen in Deutschland beschäftigt. Während in einem Projekt die züchterische Selektion anhand vorhandener Toleranzen erfolgte, selektierten die Wissenschaftler im anderen Projekt anhand genetischer Marker. Erstmalig wurden mit der Erweiterung des Internetportals www.beebreed.eu Gesamtzuchtwerte zur Verfügung gestellt, die den Züchtern zukünftige Zuchtentscheidungen erleichtern. Insgesamt enthält die Datenbank derzeit Zuchtwerte von über 135.000 Königinnen. Zudem wurden zehn Toleranzbelegstellen eingerichtet, die eine natürliche Auslese auf Vitalität und Varroa-Toleranz ermöglichen und somit Zuchtfortschritte schnell an die Imkerschaft weitergeben. (ts/ble)