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Bienensterben am Oberrhein und in Teilen Bayerns

Das Julius Kühn-Institut in Braunschweig hat anhand von Untersuchungen an verendeten Tieren mittlerweile Clothianidin als Ursache für den Tod der Insekten ausgemacht. Für Beizmittel ist keine Prüfung auf Bienenverträglichkeit vorgeschrieben, weil man bislang davon ausging, dass die Insekten mit dem in der Erde befindlichen Wirkstoffen nicht in Berührung kommen. In den meisten Teilen Deutschlands ist die Aussaat relevanter Kulturen, dies sind vor allem Raps und Mais, inzwischen weitgehend abgeschlossen. Unklar ist nach wie vor, warum das Bienensterben ausgerechnet in der so genannten Rheinschiene grassierte. Vermutungen gehen dahin, dass in der Region die Dosierung des Beizmittels in diversen Fällen erhöht worden war, um den sich ausbreitenden westlichen Maiswurzelbohrer zu bekämpfen. Der Quarantäneschädling trat 2007 erstmals in Deutschland auf - in der Umgebung von Lahr, nahe des Rheins. Schutzzonen rund um diesen und weitere Fundorte des Käfers wurden eingerichtet und das Beizen mit zweieinhalb-facher Dosierung des Wirkstoffes Clothianidin (Poncho Pro) empfohlen, wenn nicht sogar, bei keiner ausreichend langen Unterbrechung in der Fruchtfolge, vorgeschrieben. Unter Umständen begünstigt der Einsatz pneumatischer Sämaschinen die Freisetzung des Wirkstoffes. Beim Sävorgang entsteht an den gebeizten Körnern Abrieb, der seitlich durch das Gebläse in die Landschaft gelangen kann und durch Wind abdriftet. Dabei kann sich das zeitliche Zusammentreffen von Rapsvollblüte, eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Bienenvölker im Frühling, und die Maisaussaat zusätzlich ungünstig ausgewirkt haben. Mit der Anordnung des Ruhens der erwähnten Zulassungen sind weitere Einfuhren, das weitere Inverkehrbringen sowie die weitere Anwendung der betroffenen Pflanzenschutzmittel ausgeschlossen. Gleiches gilt auch für Pflanzenschutzmittel, für die eine Verkehrsfähigkeitsbescheinigung mit Referenz auf eine der oben genannten Zulassungen erteilt wurde. Das Pflanzenschutzgesetz untersagt auch den Handel des Saatgutes, welches mit genannten Pflanzenschutzmitteln gebeizt wurde. Die Aussaat von im Betrieb vorhandenen, gebeiztem Saatgut ist nicht verboten. Der Landwirt hat dann allerdings Sorge dafür zu tragen, dass Bienen durch die Aussaat von gebeiztem Saatgut nicht gefährdet werden. Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beispielsweise rät deshalb von der Aussaat mit Clothianidin-gebeiztem Saatgut ab. Landwirte, die es dennoch tun, sollten vorzugsweise Geräte einsetzen, deren Abluft in den Boden abgeführt wird. Bei pneumatischen Geräten, deren Abluft nach oben oder zur Seite abgeführt wird, sollte am Abluftkanal ein Schlauch so angebracht werden, dass der Luftstrom bodennah austritt und nicht in blühende Bestände gelangen kann. Auch für den Gartenbau, betroffen sind vor allem Zierpflanzen- und Gemüsebau, bedeutet dies, dass schon eingekauftes und bereits gebeiztes Saatgut noch verwendet werden darf, aber die angesprochenen Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, soweit relevant. Jeder weitere Einsatz der Mittel, beispielsweise als Spritzung, ist untersagt.