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Bioerdgas - ein fast neuer Brennstoff

Ralf Schneider sprach beim Gartenbauforum Gartenbau auf der IPM auch die Weiterentwicklung von Biogas zum Bioerdgas an. Dieses Thema stand diesmal außerdem am E.ON Ruhrgas-Stand auf der IPM im Vordergrund. Was drückt der noch recht neue Begriff Bioerdgas eigentlich aus? Es geht darum, Biogas auf Erdgasqualität zu veredeln. Dies kann dann ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Normales Biogas besteht nur etwa zur Hälfte bis zwei Drittel aus Methan (CH4) und hat ungefähr 30 Prozent Kohlendioxid (CO2). Ammoniak und Schwefelwasserstoff sind ebenfalls vertreten. Erdgas hat weit höhere Anteile Methan, variierend von ungefähr 84 Prozent CH4 beim holländischen Erdgas bis zu 98 Prozent bei demjenigen aus Russland. Die CO2-Gehalte des Erdgases liegen dagegen nur bei 0,08 Prozent (Russland) bis 1,27 Prozent (Holland). Bei der Aufbereitung zum Bioerdgas wird das Biogas unter anderem entschwefelt, getrocknet und mit chemischen sowie physikalischen Verfahren das CO2 weitgehend abgetrennt. Schwefelbakterien bauen den Schwefelwasserstoff zu elementarem Schwefel ab, restlicher Schwefelwasserstoff wird mit Aktivkohle entfernt. Der teuerste Schritt ist, das CO2 zu entfernen und damit den Methangehalt auf denjenigen im normalen Ergas zu erhöhen. Am Ende des Prozesses steht ein Produkt, das dem Erdgas qualitativ nicht nachstehen soll. Die Aufbereitung von Biogas zum Bioerdgas ist teuer. Trotzdem sieht Schneider wirtschaftliche Perspektiven. Bei kleinen Abnahmemengen müssten Verbraucher fürs Erdgas heute schon sechs bis sieben Cent je Kilowattstunde zahlen. Der Preis werde nicht fallen. "In wenigen Jahren" - so betonte der Innovations-Abteilungsleiter bei Schmack Biogas - "kann die direkte Verwertung von Bioerdgas wirtschaftlich sein". Erste Bioerdgas-Pilotprojekte sind in Gang, so eine große Anlage in Pliening bei München. Mit diesem Bioerdgas aus Pliening betreibt die E.ON Bayern zwei Blockheizkraftwerke, in denen das Bioerdgas verstromt und ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Die anfallende Wärme wird ins Fernwärmenetz eingespeist. Die Anlage braucht jährlich mehr als 30.000 Tonnen Biomasse.

Die vor einem Jahr gegründete E.ON Bioerdgas GmbH und die E.ON Bayern AG hat zusammen mit Schmack Biogas AG in Schwandorf die europaweit jetzt größte Anlage zur Aufbereitung von Biogas zu Bioerdgas errichtet. Sie nahm kürzlich ihren Betrieb auf. Ein Gärtner - so ein Hinweis am E.ON Ruhrgas-Stand auf der IPM - habe gefragt, ob er Bioerdgas kaufen, damit ein Blockheizkraftwerk betreiben und somit die höchsten EEG-Fördersätze kassieren kann. Dies sei - so wurde uns erklärt - zwar mittelfristig ein interessanter Ansatz. Momentan gebe es die Bioerdgas-Mengen für Absatz an einzelne Betriebe aber noch nicht. Das Bioerdgas werde vielmehr ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist.