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Blumen & Pflanzen: Neue Märkte sind gefragt

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Die Stimmung im Blumen- und Zierpflanzenmarkt in Deutschland ist ungeachtet der aktuellen Krisenherde gut. Pflanzen wurden 2015 auf stabilem Niveau gekauft und werden auch 2016 bei anzunehmend hoher Konsumlaune der Verbraucher weiterhin stabil nachgefragt werden. In Anbetracht der rückläufigen Exporte der EU an den wichtigsten Abnehmer Russland wird vermehrt versucht, den Rückgang über andere Wege zu kompensieren.

Deutschland ist auf dem besten Wege, seinen Selbstversorgungsgrad bei Pflanzen weiter auszubauen. Foto: Gabriele Friedrich

Langfristig verlässliche Absatzwege gesucht

Dies gelingt in Teilen auch. Welchen Einfluss politische und wirtschaftliche Rahmenbedingen dabei haben, zeigen der hohe Export nach Großbritannien (Wechselkurs) oder auch die Warenströme nach Spanien (Mehrwertsteuererhöhung). Beide Bedingungen der Finanzmärkte können Markt und Absatz kurzfristig beleben. Langfristig sind aber verlässliche Absatzwege aufzubauen, die Stabilität garantieren.

Ob diese wirklich außerhalb der EU liegen müssen oder ob das Potenzial im Binnenmarkt noch auszuschöpfen ist, ist zunächst eine Frage der Perspektive. Aus beiden Bereichen können Impulse für den Gesamtmarkt hervorgehen, die sich gegenseitig beflügeln können. Manchmal liegt unvermutetes Potenzial auch vor der Tür und „Kirchturmpolitik“ führt zu mehr Erfolg als erwartet.

Ein Blick in den Welthandel zeigt, dass die weltweit starke Konzentration der Nachfrage nach Blumen und Zierpflanzen aus den großen Industrienationen in Europa, Asien und Amerika sowie die weltweit bekannten Produktionsschwerpunkte 2015 weiterhin stark ausgeprägt sind. Ebenso ist die Drehscheibenfunktion der Niederlande unangefochten stark, gleichwohl Direktimporte anderer europäischer Länder weiter zunehmen. Hier sind laut Experten zunehmend Direktimporte von Einkaufszentralen des deutschen Einzelhandels festzustellen.

Starke Importe in die EU durch Wachstumstreiber Schnittblumen

Laut Eurostat sind die Importe von Blumen und Pflanzen in den vergangenen Jahren in Menge und Wert leicht gestiegen. Verantwortlich für die Importsteigerungen an Blumen und Pflanzen in der EU sind vornehmlich die Schnittblumen. Im Vergleich zum Vorjahr ist im ersten Halbjahr 2015 der Import von Schnittblumen in die EU wertmäßig um acht Prozent gestiegen, verglichen mit 2013 sogar um 15 Prozent. Alle anderen Pflanzensegmente verhalten sich unauffällig oder nehmen tendenziell ab.

In der Vergangenheit feststellbare Verschiebungen in den Bezugsländern setzen sich weiter fort: Kenia baut seine Position weiter aus; 2014 stammten allein 28 Prozent der Importe der EU aus Kenia. Kenia positioniert sich als Lieferant von Qualitätserzeugnissen. Auch Äthiopien baut seine Bedeutung als Exporteur für die EU aus, Importe aus Israel, den USA oder Costa Rica nehmen tendenziell ab.

Ebenso wie die Importe steigen in den vergangenen zehn Jahren tendenziell die Exporte von Blumen und Zierpflanzen aus der EU, wobei 2014 und 2015 leichte Rückgänge bei den EU-Exporten registriert wurden. So nahm die Menge 2014 im Vergleich zu 2013 leicht um 0,8 Prozent und der Wert um 2,9 Prozent ab. Insbesondere bei Topfpflanzen sind wertmäßig im ersten Halbjahr 2015 Umsatzrückgänge von 4,5 Prozent festzustellen.

Die Bedeutung der unterschiedlichen Zielmärkte der EU-Exporte sind 2015 ähnlich wie in der Vergangenheit: Russland (21,3 Prozent) und die Schweiz 20,7 Prozent) sind 2014 mit Abstand die stärksten Nachfrageländer für Blumen und Zierpflanzen aus der EU, gefolgt von den USA (10,2 Prozent), Norwegen (8,8 Prozent) und China (4,8 Prozent).

Spürbarer Rückgang für Blumen und Zierpflanzen-Importe aus der EU

Seit 2013 ist bei der Schweiz, aber vor allem Russland ein spürbarer Rückgang für Blumen und Zierpflanzen-Importe aus der EU festzustellen. Diese negative Entwicklung trifft vor allem die Niederlande, die als stärkster Exporteur der EU in den vergangenen zwei Jahren deutlich an Marktanteilen in Russland verloren hat. Der Wert der nach Russland exportierten Schnittblumen hat sich bei den Niederländern innerhalb der vergangenen zwei Jahre von 136,9 auf 66,4 Millionen Euro nahezu halbiert, wie der Vergleich der ersten Jahreshälften zeigt. Ebenfalls betroffen ist der Topfpflanzenexport; er ist im ersten Halbjahr 2015 um 38 Prozent eingebrochen.

Die verringerten Russland-Exporte 2015 der Niederlande wurden in Teilen durch andere Export-Länder kompensiert. Besonders zu erwähnen sind hier Litauen, Lettland und Polen, sowie in geringerem Umfang Finnland und Italien. Ob die höheren Einfuhren der Niederlande in die Länder Litauen, Lettland und Polen auf gesteigerte Exporttätigkeiten dieser Länder nach Russland oder dem höheren Eigenkonsum zurückzuführen sind, kann nicht eindeutig beantwortet werden.

Mehr zu den Entwicklungen und Trends im Blumen- und Pflanzenmarkt 2015/2016 lesen Sie in der TASPO 46/2015.