Alle News

Blumenvermittlung: arbeiten Fleurop und EuroFlorist zusammen?

In letzter Zeit wurde verstärkt Kritik in der Branche laut, der international tätige Online-Blumenversand EuroFlorist bediene sich in Deutschland vermehrt des Versandnetzwerks der Fleurop. „Ich weiß von Fleurop-Kollegen aus meiner Stadt, dass sie schon Aufträge des EuroFloristen zur Lieferung vermittelt bekommen haben“, so ein dem EuroFlorist angeschlossenes Blumenfachgeschäft. 

Kundensträuße: Ein flächendeckendes Liefernetz in Deutschland ist wichtig. Werkfoto

In mehreren Fällen seien Aufträge über den „Umweg“ über ein Fachgeschäft ins Fleuropsystem geschleust worden, bestätigen auch andere Floristen gegenüber der TASPO. Die Befürchtung der angeschlossenen Betriebe: Ist der EuroFlorist in Deutschland so schlecht aufgestellt, dass er auf das Floristennetzwerk der Fleurop zurückgreifen muss, um seine Aufträge in Deutschland vermitteln zu können?

Die TASPO fragte nach bei der Fleurop und bei Olaf Scott, Geschäftsführer EuroFlorist Deutschland (Plön). Beide bestätigten uns unabhängig voneinander, dass es solche Fälle gab: „Wir können es grundsätzlich nicht verhindern, dass EuroFlorist-Aufträge in das Fleurop-Netz eingespeist werden“, sagt Winnie Lechtape, Leiterin Unternehmenskommunikation der Fleurop AG (Berlin).

Diese Tatsache sei Fleurop seit Jahren hinlänglich bekannt und führte in jüngster Vergangenheit zu der einen oder anderen „Verwerfung“. „Wir nehmen die Interessen der Fleurop-Partner diesbezüglich sehr ernst und erwägen verschiedene Optionen, mit EuroFlorist zu einer Übereinstimmung zu gelangen“, so Winnie Lechtape.

Olaf Scott sagt dazu: „EuroFlorist arbeitet in Deutschland mit nahezu 2.000 Partnerfloristen und weiteren 2.500 Lieferfloristen zusammen. Natürlich haben auch wir sogenannte ,white spots’ in Deutschland. Und anstatt die Aufträge zurückzugeben, werden diese in der Regel von sogenannten ,Lieferfloristen’ geliefert. „Das ist aber nur ein Bruchteil unserer Gesamtaufträge.“

Da in Deutschland jeder Florist ein EuroFlorist-Partner und Fleurop-Mitglied sein kann, kommt es leider auch vor, dass EuroFlorist-Aufträge mit Fleurop-Branding und umgekehrt geliefert werden, obwohl es sich um einen EuroFlorist beziehungsweise Fleurop-Auftrag an einen EuroFlorist-Partner beziehungsweise ein Fleurop-Mitglied handelt, weiß Olaf Scott um mögliche Fehlerquellen. Die Anzahl der Parallelpartnerschaften, sprich, dass Fachgeschäfte sowohl Fleurop- als auch EuroFlorist-Partner sind, schätzt er auf 350 bis 400.

Was ist daran so verwerflich, dass Fleurop-Fachgeschäfte auch andere Auslieferaufträge annehmen? In der Praxis hat dieses Vorgehen schon herbe Kritik untereinander hervorgerufen. „Kollegen billigen sich diese Vorgehen untereinander nicht zu. Aber letztendlich ist jeder doch ein freier Unternehmer und kann entscheiden, ob er auf diese Vermittlungsprovision verzichten kann und möchte oder nicht“, sagt ein Floristmeister, der der Fleurop aus Überzeugung angeschlossen, aber auch EuroFlorist-Partner ist. „Beide Systeme zu bedienen, mag vielleicht wirtschaftsmoralisch ein wenig verwerflich sein, aber rechtlich ist das nicht zu beanstanden“, weiß er.

Für jeden ausgelieferten Auftrag erhält das vermittelnde Fachgeschäft eine sogenannte Rückvergütung – bei EuroFlorist-Aufträgen liegt diese bei 25 Prozent vom Blumenwert. „Die Rückvergütung zahlt der ausliefernde Florist an den vermittelnden Floristen. Also ist diese Rückvergütung ein Ansporn für Floristen, Aufträge aktiv zu vermitteln und somit den eigenen Umsatz zu steigern“, erläutert Scott. Allerdings muss das Verhältnis stimmen, damit das Prinzip funktioniert. „Wer hier eine gute Bilanz haben will, der muss auch Aufträge vermitteln – nicht nur möglichst viele annehmen“, resümiert er.

Offizielle Partnervermittler der Fleurop, die EuroFlorist-Aufträge annehmen und bearbeiten, gibt es nach Auskunft von Scott nicht. „Aber wir leben in guter Akzeptanz nebeneinander und wünschen uns natürlich jeder die besseren Umsätze“, beschreibt er das Verhältnis von EuroFlorist und Fleurop humorvoll. Natürlich sei jede Organisation darum bemüht, die eigenen Partner zu schützen, müsse aber einen Weg finden, auch die Interessen der grünen Branche insgesamt im Auge zu behalten.

Als viel bedrohlicher wertet Scott die vielen Internet-Online-Shops. „Die Leute bestellen über das Internet, so oder so. Deshalb ist es wichtig, diesen Shops ein fachlich versiertes Gegengewicht zu bieten.“ Bisher hatte der EuroFlorist auch Online-Aufträge eines anderen Anbieters mit ausgeliefert, darauf möchte er in Zukunft aber besser verzichten – „das Verständnis in der Branche dafür war gering“, weiß er. Wünschenswert wäre, sagt Scott, dass alle Floristen mit einer Website im Netz präsent sind, die mit einem Online-Netzwerk wie EuroFlorist oder Fleurop verlinkt ist. „Das Problem ist, dass die Kunden ihre Floristen im Internet suchen und nicht finden.“ Scott könnte sich eine engere Zusammenarbeit mit der Fleurop vorstellen – „gemeinsam würden wir mehr erreichen“, ist er sich sicher.

Floristen aus der Praxis berichten von Schwierigkeiten mit derAuftragsabwicklung bei EuroFlorist – Abrechnungen seien fehlerhaft,der Support nicht erreichbar, es gebe technische Ausfälle. Wo liegt die Ursache für diese derzeitigenSchwierigkeiten? Wie ist der EuroFlorist derzeit speziell inDeutschland aufgestellt?

„Wir haben vor zwei Jahren unseren Kundenservice nach Aalsmeer in Holland verlegt“, erläutert Olaf Scott, Geschäftsführer EuroFlorist Deutschland (Plön). „Am Anfang hatten wir etwas Probleme, deutsche Mitarbeiter zu finden. Dadurch kam es zeitweise zu einer schlechteren Erreichbarkeit am Telefon. Seit mehr als einem Jahr jedoch ist unser deutsches Team im Kundenservice in Aalsmeer komplett. Wir haben sogar zusätzlich noch ein kleines Büro mit sieben Mitarbeitern in Plön eingerichtet und nutzen zu Spitzenzeiten ein Callcenter in Köln. Dass unser Kundenservice angeblich nicht erreichbar ist, kann ich deshalb nicht glauben – selbst zu Muttertag 2012 hatten wir eine Telefonantwortrate von 98 Prozent. Im Jahresdurchschnitt liegt diese mittlerweile bei 97 Prozent. Wir haben jedes Jahr einen Auftragszuwachs im zweistelligen Bereich und halten gerade deshalb unsere Technik immer auf dem Laufenden.“ (kla)