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Bodo Jaekel hat ein mobiles Messestandkonzept für Friedhofsgärtner erdacht

Seit mehreren Jahren fährt Bodo Jaeckel auf regionale Messen und Gewerbeschauen, um das Publikum mit dem Thema Grabpflege, Trauer und Friedhof vertraut zu machen. Mit einem Mustergrab setzt Jaekel dabei auf den Überraschungseffekt („ein Grab hätte ich hier jetzt nicht erwartet“), um spontan mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Was nicht immer einfach ist, wie er sagt.

Bodo Jaekel ist Inhaber der Gärtnerei Unruh in Hankensbüttel im Landkreis Gifhorn. Gemeinsam mit seiner Frau Anne führt er den Betrieb seit dem Jahr 2000. Eigentlich gibt es nicht „den“ Betrieb. Die Jaekels haben einen Blumenladen mit angeschlossenem Verkaufsgewächshaus. Das Angebot reicht von frischen Schnitt- und Sommerblumen und Gestecken über Hochzeits- und Trauerfloristik bis hin zu Saaldekorationen und Fleurop-Dienstleistungen.

Zudem gestalten Jaekels Grabstätten neu und um und führen Grabpflegeaufträge aus, derzeit etwa 100 Aufträge. Sie arbeiten dabei mit der Treuhandstelle für Dauergrabpflege zusammen. „Unser erster Messeauftritt war 2007 auf der Nordkreismesse in Wittingen. Das Feedback war überwiegend positiv. Die Aufträge für Grabneugestaltungen und Grabpflege sind im Anschluss an die Messe deutlich gestiegen“, erinnert sich Jaekel, „vor allem hochwertige und individuelle Grabanlagen im Gartenschau-stil waren und sind gefragt.“ Im darauf folgenden Jahr beteiligte Jaekel sich an einem Gemeinschaftsstand.

Partner war ein örtlicher Steinmetz. Das Mustergrab war mit Steinen eingefasst und bepflanzt. „Der Auftritt auf der Messe war zwar sehr professionell gemacht“, sagt Jaekel, „wirkte aber durch zahlreiche Grabsteine sehr friedhofsmäßig. Das hat tatsächlich einige Besucher abgeschreckt. Gerade wenn ich auf sie zugehen wollte, waren sie schon wieder verschwunden.“ Außerdem waren der Aufbau und Transport des Standes arbeits- und zeitaufwändig, so Jaekel.

Notwendig waren Pflanzarbeiten in der Halle, Erdein- und -ausbau, anschließendes Neutopfen von Pflanzen. „Es war viel Fahrerei“, sagt Jaekel, „ich dachte mir: Das muss man doch auch alleine bewerkstelligen können. Zudem war es den Leuten auf den Messen zu friedhofsmäßig.“ Im Jahr 2010 war aus der Erfahrung eine Idee geworden, und Jaekel startete mit einem neuen Messekonzept. Mit dieser neuen Idee wurde er Finalist bei den TAS-PO Awards 2010 in der Kategorie „Unternehmer des Jahres in der Friedhofsbranche“.

Jaekel hat sein Standkonzept auch auf einer Treuhandgärtnerveranstaltung vorgestellt, als Beispiel für andere. Ziel war es, einen kleinen, aber repräsentativen Stand für den Kundenkontakt auf Messen zu konzipieren. Er sollte rasch auf- und abzubauen sein und in einen Sprinter-Kastenwagen passen, um das Sonntagsfahrverbot für Lkw mit Anhänger nicht berücksichtigen zu müssen. Der Stand durfte nicht zu groß ausfallen, damit die Standgebühren überschaubar bleiben. Schließlich sollten auch die Anschaffungskosten nicht den finanziellen Rahmen sprengen.

Der von Jaekel entworfene Stand beansprucht eine Fläche von drei mal vier Meter. Jaekel legt die Fläche mit Teppich aus. Eine wasserdichte Wanne aus Aluminium mit Holzrahmen sowie ein Grabstein aus dem 19. Jahrhundert bilden das Mustergrab. „Die Wanne stand schon ewig herum. Mir fiel auf, dass sie die Maße eines Einzelgrabes hat. Ich wusste, irgendwann mache ich damit etwas, zum Wegwerfen ist sie zu schade.“ Jaekel „bepflanzt“ das Grab, indem er die Pflanzen in der Wanne samt Topf ausstellt. Das reduziert den Aufwand im Vergleich zu einer „richtigen“ Pflanzung.

Die Ikea-Ausstattung mit Stehtisch und Hockern für Kundengespräche und ein Regal ergänzen den Stand. Hier gibt es etwa die Möglichkeit eigene Image-Flyer und weiteres Prospektmaterial (zum Beispiel vom BdF oder von der Treuhandstelle) auszulegen. Zwei Baustrahler auf Stativen sorgen für die nötige Beleuchtung. Eine Slideshow auf einem PC-Monitor zeigt rund 300 Mustergrabfotos verschiedener Gartenschauen. Als Blickfang hängt Jaekel ein Roll-Up mit Firmenlogo und ein Banner von „Es lebe der Friedhof“ auf.

In einem Korb präsentiert Jaekel zusätzlich Musterpflanzen und Symbolpflanzen. Der Aufbau dauert zu zweit nur ein bis zwei Stunden. Auf etwa 500 Euro beziffert Jaekel die Anschaffungskosten. Wird der Stand nicht gebraucht, steht er gebündelt im Keller – jederzeit vollständig und einsatzbereit. Jaekels Erfahrungen mit dem neuen Stand sprechen für sich: „Das Ergebnis ist eine gute und unpeinliche Kundenansprache. Die Besucher sehen keinen 'Miniaturfriedhof' mehr. Sie werden ermuntert, unverbindlich und frei Fragen zur eigenen Grabpflege zu stellen.

Die Grabgeschichte ist präsent, aber das Friedhofsmäßige ist weg. Mein Ziel ist, das Thema Grabpflege langfristig in den Köpfen zu verankern. Der Erinnerungseffekt ist wichtig. Dazu muss man aber mit den Leuten ins Gespräch kommen. Der neue Stand hat sich voll und ganz bewährt. Ich spreche dabei ungern von einem Konzept, es ist eher eine gute Idee. Dadurch, dass der Stand nun da ist, bieten sich mir mehr Möglichkeiten. Zudem hat er keine Rückwand und ist auch frei auf der Fläche darstellbar.“

Fünfmal wurde der neue Stand bisher eingesetzt, zuletzt auf der Nordkreismesse am 2. und 3. April in Wittingen. Für dieses Jahr sind bis jetzt drei Messen geplant. „Messeauftritte sind bei uns langfristige Geschichten. Mit dem neuen Stand sprechen wir nicht nur Neukunden an, auch viele Stammkunden kommen. Wir haben auf der Messe mehr Zeit zum Gespräch und Beraten.

Ein Problem ist, dass es hier regional weniger Messen gibt und Gewerbevereine zurückgehen.“ Bodo Jaekel ist gelernter Kfz-Mechaniker, seine Frau Baumschulerin. Eine Zeit lang verkauften beide Silberschmuck auf Märkten und wohnten in einem Zirkuswagen. Bodo Jaekel arbeitete und lernte dann im GaLaBau und war zuletzt in einer Einzelhandelsgärtnerei, seine Frau in einer Verkaufsbaumschule beschäftigt.

Im Jahr 2000 kauften sie die vor 110 Jahren als Produktionsgärtnerei gegründete Gärtnerei Unruh. Den Namen der Vorbesitzer behielten sie bei. Das Gewächshaus aus den 1960ern mit klarer Schaufensterscheibenfront zur Straßenseite war für diese Zeit relativ revolutionär, sagt Jaekel über den Verkaufsraum. Im Laden arbeiten neben dem Ehepaar Jaekel eine Halbtagskraft und zwei Vollzeitfloristinnen.

Sie bilden nicht mehr aus, da es zu wenig Bewerbungen gebe und Bewerber oft zu schlechte Schulabschlüsse mitbrächten. „Kreativität ist wichtig, und man muss 150-prozentig dahinter stehen“, sagt Anne Jaekel. Das tun die beiden, und an Einfaltsreichtum mangelt es dem Gärtnerpaar Jaekel nicht. Rosen- und Orchideentage, Pflanzenflohmarkt, Zweiradmarkt, Klavier & Kerzenschein – sind nur einige der Aktionen der Gärtnerei Unruh. Sie unterstützten die örtliche Pfadfindergruppe mit einem Vogelhausverkauf und haben auch schon Schüler ihre Kunstbasteleien in der Gärtnerei ausstellen lassen.

Mehr unter www.gaertnerei-unruh.de