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Brexit: Auswirkungen auf Obst- und Gemüsehandel?

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Großbritannien hat seine EU-Austrittserklärung beim Europäischen Rat eingereicht. Damit stehen auch die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich auf dem Prüfstand. Das Thünen-Institut hat jetzt eine Einschätzung zu den Konsequenzen des Brexit für den deutschen Agrar- und Lebensmittelmarkt abgegeben.

Die Auswirkungen des Brexit auf den Agrarhandel sind derzeit noch nicht genau abzuschätzen. Foto: Pixabay

Allein im vergangenen Jahr hat Deutschland Agrarprodukte im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro nach Großbritannien exportiert – sieben Prozent der gesamten Exporte in diesem Bereich. Die Bundesrepublik wiederum hat aus dem Vereinigten Königreich landwirtschaftliche Erzeugnisse für 1,4 Milliarden Euro eingeführt.

Thünen-Institut entwirft „Extremszenario“ für Brexit-Konsequenzen

Anhand eines Handelsmodells hat das Thünen-Institut jetzt ein „Extremszenario“ entworfen, in dem unter anderem die EU und Großbritannien wieder Zölle entsprechend der WTO-Regeln im Außenhandel erheben, und so die möglichen Auswirkungen des Brexit für den Agrarhandel berechnet.

Eine mögliche Folge, so die Experten des Thünen-Instituts, könnte ein um rund 700 Millionen Euro geringerer Agrarhandelsüberschuss sein. Betroffen davon wären unter anderem die Ein- und Ausfuhren von Obst und Gemüse. Die Exporte aus Deutschland ins Vereinigte Königreich haben in diesem Bereich laut Statistik seit 2010 deutlich zugenommen.

Um die möglichen Auswirkungen des Brexit abzuschätzen, hat das Thünen-Institut ein sogenanntes Baseline-Szenario zugrunde gelegt. Hierbei wird die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft von 2015 bis 2025 simuliert unter der Annahme, dass die derzeitige Agrarpolitik beibehalten wird und bereits beschlossene Politikänderungen umgesetzt werden.

Im- und Exporte von Obst und Gemüse könnten um mehrere Millionen sinken

In diesem Szenario würden die deutschen Obst- und Gemüseexporte nach Großbritannien im Jahr 2020 um 22,08 Millionen Euro geringer ausfallen. Die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich in die Bundesrepublik würden immerhin um 3,28 Millionen Euro sinken.

Allerdings: „Im Falle eines erleichterten gegenseitigen Marktzugangs, der wohl anzunehmen ist, dürften die hier vorgestellten Effekte deutlich geringer ausfallen“, so Dr. Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse.