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BUGA 2021: Ärzte kritisieren „pietätloses“ Konzept

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Ist das Ausstellungskonzept der Bundesgartenschau (BUGA) Erfurt 2021 pietätlos? Dieser Meinung sind zumindest Ärzte des städtischen Helios Klinikums, die jetzt die Nähe einer im Nordpark geplanten Ausstellung über Friedhofskultur zu den Stationen für Strahlentherapie und für Palliativmedizin kritisierten.

Erfurt ist Schauplatz der BUGA 2021. Foto: Pixabay

Redebedarf zur Friedhofsausstellung

„Da viele Patienten, die in den genannten Kliniken betreut werden, keine gute Prognose besitzen, jedoch einen direkten Blick in den Nordpark auf die geplante Ausstellung haben werden, ist die genannte Lokalisation an Pietätlosigkeit (oder Gedankenlosigkeit) nicht zu überbieten“, schrieb Dr. Jörn-Uwe Piesold, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, in einer Mail an die Thüringer Allgemeine Zeitung.

BUGA-Chefin Kathrin Weiß zeigte sich gegenüber der Thüringer Allgemeinen überrascht über die Mail des Arztes und verwies auf laufende Gespräche mit dem Klinikum. Die Helios-Leitung habe in einer offiziellen Stellungnahme zwar deutlich gemacht, dass Redebedarf zur Friedhofsausstellung bestehe, die E-Mail klinge aber anders.

Sichtschutz durch große Bäume

Das Ausstellungskonzept für den Erfurter Nordpark wurde vor anderthalb Jahren vorgestellt. 2021 soll laut Konzept die Ausstellung zum Thema Grabgestaltung und Denkmal am Westrand des Parks, unterhalb der Klinik, platziert werden.

Möglichen ethischen Fragen sei sich die BUGA bei der Planung bewusst gewesen, so Weiß weiter. Der Ausstellungsort sei gewählt worden, weil trotz der räumlichen Nähe zur Klinik die Lage am Fuß des Hanges und der Sichtschutz durch große Bäume gerade keine direkte Sicht-Beziehung erlaube.

„Wegfall der Ausstellung fatal“

Ulrich Haage, Präsident des Landesverbands Gartenbau, betonte gegenüber der Thüringer Allgemeinen, dass ein Wegfall der Ausstellung fatal wäre. Die Friedhofsgärtner seien zwar zahlenmäßig nicht stark, aber umso innovativer. Es gehe nicht darum, „Blümchen zwischen Särgen anzugucken“, sondern das wachsende Spektrum der Grabkultur von schlichten bis zu modernen Formen abzubilden. Ziel müsse es sein, Brücken zu schlagen und die Klinik im Vorfeld einzubinden.

„Uns Friedhofsgärtnern war von Anfang an bewusst, dass die Standortsuche im Nordpark für den Ausstellungsteil Grabgestaltung und Denkmal gerade wegen der Strahlentherapie- und Palliativstation viel Sensibilität voraussetzt“, zeigt Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende des Bunds deutscher Friedhofsgärtner (BdF), gegenüber der TASPO auf.

Dialog zwischen Friedhofsgärtnern, Klinik und BUGA

Deshalb hätte der BdF mit den Thüringer Friedhofsgärtner-Kollegen den Wunsch nach einem Dialog zwischen Friedhofsgärtnern, Klinik und BUGA Erfurt kommuniziert. Die Vorbehalte von Seiten des Helios Klinikums seien aber auch generell beim gesamten Nordpark-Konzept, wie Ehlers-Ascherfeld aufzeigt.

„Nun ist es erst einmal die Aufgabe der BUGA Erfurt und der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft (DBG), hier eine Lösung zu finden, auch natürlich für unseren Ausstellungsteil. Selbstverständlich stehen wir weiterhin für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung“, so die BdF-Vorsitzende.