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BUND und Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichen Insektenatlas

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In dieser Woche veröffentlichte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung den Insektenatlas, um eindringlich auf die Handlungsnotwendigkeit beim globalen Insektensterben aufmerksam zu machen. Besonders die Agrarpolitik müsse demnach nachhaltiger gestaltet werden.

Der Insektenatlas zeigt Ursachen zum Insektensterben auf und versucht, Maßnahmen aufzuzeigen, dieses zu stoppen. Foto: Martina Misar-Tummeltshammer / Unsplash

Insekten halten ökologisches System des Planeten am Laufen

In ihrem 52 Seiten starken Insektenatlas erklären BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung den dramatischen Rückgang der Insektenpopulationen weltweit und zeichnen Ursachen, sowie Folgen auf. Demnach seien in Deutschland die Populationen der Hälfte der 561 Wildbienenarten rückgängig. So droht beim Wegfall tierischer Bestäubung einzelnen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfeln, Kirschen, Pflaumen oder Gurken ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent, was massive Folgen nach sich ziehen würde.

Pestizide nur auf EU-Ebene verboten

Große, monotone genutzte Felder ohne Hecken oder Grüninseln und der Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden vernichten die Rückzugsgebiete von Nützlingen und fördern die Ausbreitung von Schädlingen. „In der EU längst verbotene oder nicht mehr lizensierte Pestizide der großen Chemieunternehmen wie Bayer und BASF werden global weiterhin fast unbeschränkt gehandelt. Mit dem Resultat, dass in Kenia fast 50 Prozent der Pestizide hochtoxisch für Bienen sind und in Brasilien über 30 Prozent", mahnt Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Demnach profitieren von industrieller Landwirtschaft weltweit lediglich die großen Konzerne. Kleinbauern blieben auf der Strecke.   

„Politik muss ihrer Verantwortung gerecht werden“

Dass hier die Politik gefragt sei und ein Umdenken herbeiführen müsse, dem seien sich die Urheber des Insektenatlas sicher. „Die Politik muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und umsteuern – in Europa und in den Handelsbeziehungen mit Drittländern. Im Mercosur-Abkommen ist auch eine Zollreduktion für Chemieprodukte ausgehandelt worden, unter die auch Pestizide fallen. Das Ziel noch mehr Pestizide in die artenreichsten Regionen der Welt zu exportieren verhöhnt alle nationalen Nachhaltigkeitsbemühungen", betont Unmüßig weiter.  

Fleischkonsum einschränken kann erster Schritt sein

Doch nicht nur die Politik, auch jeder Einzelne sei gefragt, besonders in seinem alltäglichen Verhalten. Um die Massentierhaltung einzudämmen, sei ein Umdenken in Bezug auf den Fleischkonsum von Nöten. „Das Sojafutter für die intensive Tierhaltung stammt aus südamerikanischen Staaten, die dafür artenreiche Landschaften in Monokulturen verwandeln. Weniger Fleisch und Milch, dafür artgerecht gehalten und mit fairen Preisen für die Bauernhöfe, das wäre wichtig“, sagt Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND.

Aktionsprogramm Insektenschutz nicht ausreichend

Dass die Vorschläge der Bundesregierung im Aktionsprogramm Insektenschutz nicht ausreichend sind, dem sind sich die Verfasser einig. „Die Landwirtschaft muss beim Schutz der Insekten Teil der Lösung werden. Es braucht deshalb für Bäuerinnen und Bauern mehr Beratung und andere Fördermittel, aber es braucht auch klare gesetzliche Vorgaben, beispielsweise in Schutzgebieten", so Bandt weiter.

Weitere Studien zum Insektensterben

Nicht nur deutsche Institutionen machen sich aber Gedanken über das Insektensterben. Ein Kollektiv von über 70 Wissenschaftlern aus 21 Nationen veröffentlichten an der Wageningen University & Research (WUR) in den Niederlanden eine „Roadmap“ zum Erhalt von Insektenpopulationen. Sie vertreten kollektiv die Meinung, dass das Insektensterben aufgehalten werden könne. Allerdings müsse dafür schnell gehandelt werden. Dabei soll diese Roadmap helfen und Ansätze aufzeigen, mit denen das Problem auf internationaler Ebene bewältigt werden könne. Dem stimmt auch die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner bei: „Wir sehen, wie weltweit der Insektenrückgang sich abzeichnet, deshalb ist es wichtig, dass weltweit agiert wird, also auch andere Länder systematisch vorgehen beim Insektenschutz. Die Abholzung ganzer Waldstriche ist das Gegenteil davon“, so Klöckner in einer Meldung. Ebenso betont sie, dass die Ursachen nicht einzig bei der Landwirtschaft zu suchen seien. „Die Gründe für den Insektenschwund sind vielfältig. Es gibt ihn auch abseits der agrarisch bewirtschafteten Flächen. Die Themen Lichtverschmutzung oder Flächenversiegelung müssen genauso in den Blick genommen werden."

Bauernverband sieht keine neuen Erkenntnisse im Insektenatlas

Dass gehandelt werden müsse, dem stimmt auch der Deutsche Bauernverband (DBV) zu, kann im Insektenatlas aber keine neuen Erkenntnisse ausmachen und weist darauf hin, dass nicht allein die industrielle Landwirtschaft und der Pflanzenschutz dafür verantwortlich gemacht werden können. „Maßnahmen müssen daher auch bei Landschaftsstrukturen, bei der Erhaltung von Habitaten und damit auch beim Flächenverlust ansetzen“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des DBV. „Der Schutz von Insekten und Biodiversität muss für die Betriebe attraktiver Teil der Fruchtfolge werden. Mit Naturschutz müssen Betriebe auch Einkommen erwirtschaften können“, fordert Rukwied daher. 

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