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BVL: Anwendungsstopp für das Pflanzenstärkungsmittel Vi-Care

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 20. Juni die Listung des Pflanzenstärkungsmittels Vi-Care widerrufen aufgrund des Verdachts, „dass infolge der Anwendung von Vi-Care, zum Beispiel in Kräutern, der gesetzlich festgelegte Rückstandshöchstgehalt von DDAC von 0,01 mg/kg (gemäß Verordnung [EG] Nr. 396/2005) überschritten werden kann“. 

Mehrere hunderttausend Topfkräuter wie Basilikum dürfen wegen DDAC-Rückständen nach der Behandlung mit Vi-Care nicht mehr vermarktet werden. Foto: Daniela Sickinger

Das laut der in Miami (Florida) ansässigen Herstellerfirma Citrex Inc. rein pflanzliche Vi-Care enthält als Wirkstoff einen Zitrus-Extrakt und wurde auch für Gemüse und Obst als Pflanzenstärkungsmittel gegen pilzliche und bakterielle Krankheitserreger angeboten. Im Gartenbau wurde Vi-Care laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) vor allem in „Gewächshauskulturen wie bestimmte Topfkräuter“ eingesetzt.

Wie DDAC (Didecyldimethylammoniumchlorid) in das Pflanzenstärkungsmittel Vi-Care gelangen konnte, ist derzeit noch unklar. Citrex Inc. will dazu erst nach Abschluss der Untersuchungen Stellung nehmen. Die Webseiten des Unternehmens stehen derzeit ebenfalls nicht zur Verfügung.

DDAC gehört zur Gruppe der quartären Ammoniumverbindungen (QAV) und ist etwa in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln enthalten. Lebensmittel, die den gesetzlich festgelegten Höchstgehalt überschreiten, sind laut BVL nicht verkehrsfähig. Der Rückstands-Höchstwert von 0,01 mg/kg wird aus Vorsorge für alle Stoffe angesetzt, die keine Zulassung besitzen, informiert dazu der BÖLW.

Dem bundesweit hauptsächlichen Inverkehrbringer, der MBM Flora & Düngemittel GmbH in Nettetal, zufolge wird Vi-Care seit 2009 in Deutschland vertrieben. Jährlich seien hier und in Österreich etwa 1.400 Liter des Mittels verkauft worden. Nach Bekanntwerden der Verunreinigungen vor rund zwei Wochen informierte das Unternehmen einem Mitarbeiter zufolge seine Kunden sofort via Internet und persönlichen Anschreiben. Die Höhe der vorsorglich an MBM gestellten Schadenersatzansprüche stehe derzeit noch nicht fest.

Gesundheitliche Gefahren aufgrund der DDAC-Rückstände seien verschiedenen Quellen zufolge angesichts der niedrigen Rückstandshöchstgrenze nicht zu befürchten. Karl Voges, Geschäftsführer der Gartenbauzentrale (GBZ) in Papenburg, erklärte gegenüber der TASPO außerdem, dass betroffene Chargen sofort gesperrt wurden und keine verunreinigte Ware auf den Markt gelangt sei.

Auch bei den umgehend im Handel durchgeführten Untersuchungen seien keine DDAC-Rückstände gefunden worden. Von anderen Vermarktern war zu erfahren, dass insbesondere Kräuter komplett verprobt werden.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 26/2012. (ds)