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Chrysanthemen: erste „Ozukuri“ in Deutschland

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Eine Chrysantheme mit 189 Einzelblüten, 1,60 Meter Höhe und einem Dom von 2,00 mal 1,20 Metern aus einem einzigen Trieb – das gibt es derzeit in Lahr zu bestaunen. Im Rahmen der 19. Chrysanthema ist erstmals eine sogenannte „Ozukuri“-Form der Chrysantheme in Deutschland zu sehen. 

Erstmals ist in Deutschland eine „Ozukuri“-Chrysantheme zu sehen. Foto: Stadt Lahr

„Ozukuri“-Chrysantheme Ergebnis einer zweijährigen Kultur

Die Pflanze ist das Ergebnis einer zweijährigen Kultur sowie des über acht Jahre währenden Austauschs mit der japanischen Stadt Kasama, wo die in Japan beliebten Chrysanthemen-Feste bereits seit über 100 Jahren stattfinden. Vor Ort haben sich die Lahrer Gärtner über die Kultur von Chrysanthemen generell und speziell der „Ozukuri“-Erziehungsmethode informiert.

„Ozukuri“ bedeutet so viel „groß machen“, was durchaus gigantische Chrysanthemen-Pflanzen mit 1.000 Einzelblüten hervorbringen kann – im Nationalgarten Tokios, waren derartige Pflanzen schon mehrfach zu sehen.

Bis es soweit ist, bedarf es allerdings einiger Vorarbeit. Etwa zwei Jahre bevor eine fertige „Ozukuri“-Chrysantheme gezeigt werden kann, nehmen die Gärtner etwa 100 Stecklinge, aus denen sie in den ersten Monaten die zwölf Besten auswählen. Von diesen lassen sich am Ende nur sechs Pflanzen bis zur Ausstellung weiter kultivieren.

Schnitt muss gewünschte Zahl und Anordnung der Blüten berücksichtigen

Dazu werden die Pflanzen zunächst so selektiert, dass sie sich auf fünf einzelne Hauptäste verzweigen, die sich am besten für die Kultivierung der domartigen Form eines „Ozukuri“ eignen. Danach erfolgt ein regelmäßiger Schnitt, der von Beginn an die künftige Zahl und Anordnung der gewünschten Blüten berücksichtigt.

Jeder der Triebe ist mehrfach zu binden und zu positionieren, um optimale Lichtverhältnisse zu garantieren. Wurzelraum und Nährstoffversorgung sind dem Wachstum der Pflanze regelmäßig anzupassen.

Um die üblicherweise nur einjährigen Pflanzen über zwei Jahre hinweg bis zu ihrer endgültigen Größe zu kultivieren, ist im Winterhalbjahr ein besonderer Rhythmus von zusätzlicher Belichtung erforderlich, um den Übergang in die generative Wachstumsphase – Blüte mit anschließendem Absterben der Triebe – zu verhindern.

Fingerspitzengefühl bei Kultur der „Ozukuri“-Chrysanthemen nötig

Danach gilt es in Feinarbeit jeden einzelnen bis zu zwei Meter langen Blütenstängel an seine vorgegebene Position zu biegen und anzubinden. Dabei ist Fingerspitzengefühl erforderlich, denn schon eine um wenige Millimeter zu weit geführte Biegung kann die Arbeit von zwei Jahren zunichtemachen.

Die „Ozukuri“-Chrysantheme in Lahr ist im Rahmen der Chrysanthema noch bis zum 13. November zu sehen.