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Dämpfer fürs Geschäft durch Frost und Kälte

Ungewöhnlich mildes Winterwetter im Dezember und Januar ließen viele Gartenbaunternehmen auf ein gutes Frühjahrsgeschäft hoffen. Der Februar versetzte diesen Hoffnungen allerdings mit einem zweiwöchigen Kälteeinbruch und Temperaturen um minus 20 Grad Celsius bundesweit einen Dämpfer. 

Kirschlorbeer mit Frostschäden. Foto: Themenbild

Frost und fehlender Schnee führten zu Schäden, insbesondere an Freilandkulturen wie Stauden, Callunen und Gehölzen. Nach Einschätzung des Bundes deutscher Staudengärtner kam es bundesweit zu Pflanzenausfällen von 20 bis 30, in einzelnen Regionen gar bis 40 Prozent (siehe TASPO 14/12).

Eine auf die Region bezogene Einschätzung zu den aufgetretenen Schäden gibt es bislang nur für Baden-Württemberg. Nach Information des Verbandes Badischer Gartenbaubetriebe und dem Württembergischen Gärtnereiverband beläuft sich der durch den Februarfrost verursachte Gesamtschaden des Gartenbausektors im Bundesland auf 7,3 Millionen Euro. Der genannte Wert fußt auf einer Umfrage, bei der 136 Betriebe eine entsprechende Meldung abgaben. Betroffen sind insbesondere Staudenproduzenten und Baumschul-Unternehmen, von denen einige nach Mitteilung des Württembergischen Gärtnereiverbandes durch den Frost bedingte Ausfälle von über 400.000 Euro verzeichnen.

Hart getroffen hat es auch Unternehmen in Bayern. So geht der bayerische Bauernverband von frostbedingten Schäden in Höhe von 20 Millionen Euro in der Landwirtschaft aus. Genaue Zahlen zur gärtnerischen Produktion gibt es hier noch nicht. Bayern ist bislang das einzige Bundesland, das den Unternehmen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung anbietet, die über das Förderprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank (TASPO 15/12) hinaus gehen. Wie das Bayerische Staatsministerium der Finanzen dazu unter anderem mitteilt, können betroffene Unternehmen bis zum 30. Juni 2012 verminderte Steuervorauszahlungen oder eine Stundung von Abgaben beantragen.

Ein Blick in die Praxis zeigt, dass Stauden und Gehölze zumeist abhängig von Gattungen und Art sowie vom Mikroklima am Standort geschädigt wurden. So berichtet Dr. Thomas Brand, Pflanzenschutzamt Hannover, von einer nahezu einhundertprozentigen Schädigung der Freilandkulturen ohne Vliesabdeckung innerhalb seines Zuständigkeitsbereiches, während Pflanzen im Container, unter Vlies und im Folienhaus die Kälteperiode weitgehend unbeschadet überstanden.

Von den Frostschäden besonders stark betroffen sind Brand zufolge Bestände von Kirschlorbeer, was zur Folge hat, dass die Pflanzen zumindest im diesjährigen Frühjahrsgeschäft nicht angeboten werden können. Das betrifft nach Einschätzung von Martin Posner vom Baumschulberatungsring Weser-Ems in größerem Maßstab auch Bambusarten wie Fargesia und Phylostachys. Teilweise mussten die Bestände hier ganz geräumt werden.

Aus Sicht von Karl-Heinz Horn, Vorstandsvorsitzender des BdB-Landesverbandes Brandenburg-Berlin, sind neben einigen Rosen Malus-Sorten, Buddleja, Pyracantha und verschiedenen Cotoneaster-Sorten auch einige Alleebaumbestände von den Schäden betroffen.

Da der Frost auch in den Privatgärten große Schäden angerichtet habe, sei mit einer verstärkten Gehölznachfrage im Frühjahr zu rechnen, wogegen das Angebot sich bei einigen Arten wohl terminlich nach hinten verlagern werde.
Besonders große Ausfälle verursachten die niedrigen Februar-Temperaturen bei den Stauden-Produzenten am Niederrhein.

Die Schäden fielen nach Information von Rainer Wilke, Berater beim Pflanzenschutzdienst in Bonn, örtlich sehr unterschiedlich aus. Abhängig vom jeweiligen Kleinklima und dem Feuchtegehalt des Substrates aber auch von der Winterhärte einiger Stauden-Arten und Sorten kam es zum Pflanzenausfall, auch unter der Frostschutzabdeckung. Grundsätzlich setzen die Betriebe Wilke zufolge unterschiedliche Abdeckungen ein, wobei einfaches oder doppeltes Vlies sowie Agrocover-Gewebe am häufigsten genutzt werden. Ein entscheidendes Kriterium dafür, ob es zu Schäden kam oder nicht, stellte in vielen Fällen das Vorhandensein einer Bewässerungsmatte dar.

Niedrige Temperaturen und aktuell starke Schwankungen der Tag-/Nachtwerte bilden nach Einschätzung von Wilke nach der Frostperiode im Februar Ursachen für weitere Kälteschäden an den Pflanzen. Das betrifft auch die Kalthauskulturen und die aktuelle Beet- und Balkonpflanzenkultur. So gab es Ausfälle bei Primeln und Violen. Bei Pelargonien ist als Folge zu geringer Temperaturen ein stärkeres Auftreten von Chlorosen zu verzeichnen. (ks)