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DBV: „Schwierige wirtschaftliche Situation“

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) zog Bilanz zum Ende eines besonderen Jahres, welches in nahezu allen Bereichen von Corona beeinflusst wurde. Bauernpräsident Joachim Rukwied zeigte sich besorgt und sieht schwierige wirtschaftliche Situationen für zahlreiche Betriebe.

Joachim Rukwied zeigt sich besorgt angesichts der Entwicklungen im vergangenen Jahr. Foto: DBV

Höherer Pro-Kopf-Verbrauch von Obst und Gemüse

In seiner Jahresbilanz schlüsselte der DBV die verschiedenen landwirtschaftlichen Segmente einzeln auf und präsentierte die jeweilige Marktlage des vergangenen Jahres. Neben dem Schweine-, Rinder- Milch- und Getreidemarkt analysierte man auch die Daten des Obst- und Gemüsemarktes. Hier war der Einfluss von Corona deutlich spürbar, vor allem der Wegfall des Absatzkanals Gastronomie traf die Produzenten. Weiterhin erschwerend kamen zahlreiche starke Frostnächte hinzu, die den Produzenten zusätzliche Herausforderungen bescherten und die Erntemengen teilweise drastisch reduzierten. Doch gesundes Obst und Gemüse war gerade in Zeiten der Pandemie sehr gefragt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse stieg um 2,6 Prozent auf 98,7 Kilogramm. Beim Obst stieg der Pro-Kopf-Verbrauch um 1,7 Prozent auf 105,1 Kilogramm. Laut DBV steig insbesondere die Einkaufsmenge der Haushalte bei Äpfeln ist um fast 1 Kilogramm, auch der „Beeren-Boom“ hielt weiterhin an, wurde allerdings überwiegend durch Importe bedient.

Besondere Herausforderungen für Spargelproduzenten

Besondere Herausforderungen hatten die Spargelproduzenten zu bewältigen, da der Saisonstart genau parallel zum Beginn der Corona-Pandemie verlief. Insgesamt wurden 29 Prozent weniger Spargel geerntet. Verantwortlich dafür waren Grenzschließungen und das Wegbleiben von Erntehelfern. Zunächst sei nicht klar gewesen, ob und wie eine Einreise und die Unterbringung der Saisonarbeitskräfte gestaltet werden könne. Demnach konnte ein Teil der Spargelfläche nicht abgeerntet werden. Durch politische Arbeit konnte der DBV erreichen, dass trotz geschlossener Grenzen im April und Mai über 40.000 Saisonarbeiter per Flugzeug einreisen konnten. Der Gesamtbedarf an Arbeitskräften konnte damit aber dennoch nicht gedeckt werden, was sich schließlich in den Erntemengen von Obst und Gemüse widerspiegelt. Insgesamt wurden auf 125.000 Hektar Gemüsefläche rund 3,8 Millionen Tonnen (-0,3 Prozent) Gemüse geerntet. Auch Obst verzeichnete mit einer Gesamtanbaufläche von 73.000 Hektar und einer Erntemenge von rund 1,3 Millionen Tonnen einen Rückgang (-4,4 Prozent). Der Selbstversorgungsgrad lag bei Gemüse bei rund 35 Prozent (-2,6 Prozent), bei Obst bei rund 16 Prozent.

„Verlieren in einigen Regionen wirtschaftliche Grundlage“

„Zum Ende dieses Jahres sehen wir in zahlreichen Betrieben eine sehr schwierige wirtschaftliche Situation. Viele sehen ihre Zukunft gefährdet und haben wichtige Investitionen aufgeschoben. Die Erzeugerpreise für Fleisch sind derzeit ruinös, für die meisten anderen Erzeugnisse nicht zufriedenstellend. Der Lebensmitteleinzelhandel und die anderen Teile in der Lieferkette müssen jetzt ein klares Signal geben, dass sie bereit sind, auch die Bauern an ihren Gewinnen zu beteiligen. Außerdem fordern wir Bauern von der Politik ein klares Bekenntnis zu einer Landwirtschaft in Deutschland. Geplante und teilweise umgesetzte gesetzliche Änderungen und Auflagen sind so einschneidend, dass beispielsweise auch Ackerbau, Weinbau und Obstanbau in einigen Regionen die wirtschaftliche Grundlage verlieren“, zeigte sich Rukwied anlässlich der vorliegenden Marktdaten besorgt.

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