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Diagnose von Befallssymptomen: Heimisches Blausieb oder Quarantänebockkäfer?

Das Blausieb scheint auf dem Vormarsch zu sein und taucht immer häufiger in freier Landschaft oder Baumschulkulturen auf. Die vom ausgewachsenen Blausieb hinterlassenen Ausbohrlöcher sehen denen der Quarantänebockkäfer, wie zum Beispiel dem des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis) und dem des Citrusbockkäfers (Anoplophora chinensis), sehr ähnlich. Beim genaueren Hinsehen lassen sich einige Unterschiede feststellen. 

Eine Unterscheidung der Ausbohrlöcher am lebenden Baum ist umständlich, doch der Aufwand lohnt sich. Schließlich geht es darum, Bäume nicht unnötig zu fällen und heimische Insekten zu schützen.

Bei einer Schaugartenpflanzung in Schleswig-Holstein fielen im Sommer 2011 Schäden an Birkenstämmen (Betula pendula) auf. Spechte hatten zuvor eine lohnende Mahlzeit entdeckt und alle Larven verspeist. Die Spechte hatten dabei einen senkrechten Bohrgang freigelegt, der auf das Blausieb als Verursacher hinwies. Am Ende des Sommers zeigten sich weitere Symptome, die den Befall mit dem Blausieb bestätigten.

Entsprechend gibt es nach wie vor in Schleswig-Holstein keinerlei Anzeichen vom Asiatischen Laubholzbockkäfer oder dem Citrusbockkäfer. Eine theoretisch mögliche Mischinfektion vom heimischen Blausieb und Quarantänebockkäfern kann bei dem beschriebenen, wie auch bei allen anderen Neuanpflanzungen, letztendlich erst nach vier Jahren (voraussichtliche Entwicklungsdauer der Quarantänebockkäfer in unseren Breitengraden) ausgeschlossen werden. Entsprechend bleibt der Baumbestand des Schaugartens routinemäßig unter Beobachtung.

In dem beschriebenen Baumbestand waren weder Larven noch ausgewachsene Insekten zu finden. Üblicherweise wird eine genaue Bestimmung des Verursachers anhand von Larven oder ausgewachsenen Insekten vorgenommen. Die ausgewachsenen Insekten findet man selten, da sie flugfähig sind und nur eine kurze Lebensdauer haben. Die Larven leben mehr oder weniger tief im Baumstamm. Um diese in Augenschein nehmen zu können, muss ein Baum in der Regel gefällt werden.

In dem hier beschriebenen Bestand wurde ein Befall mit dem Blausieb vermutet. Die Bäume wurden unter besondere Beobachtung gestellt, um eindeutige Hinweise auf den Verursacher zu finden. Ende des Sommers zeigte sich an einem Baum frisches Bohrmehl und an einem weiteren ein Ausbohrloch.

Die Lage der Ausbohrlöcher am Stamm kann ein Hinweis auf den Verursacher sein. Häufig findet man Ausbohrlöcher vom Blausieb auf mittlerer Stammhöhe, die vom Asiatischen Laubholzbockkäfer eher oben und die vom Citrusbockkäfer eher unten am Stamm. In diesem Fall befand sich das Ausbohrloch am Kronenansatz.

Nach einer genauen Untersuchung ließ sich das Ausbohrloch eindeutig dem Blausieb zuordnen und von dem eines Bockkäfers unterscheiden (siehe auch Zeichnung). Bohrlöcher von heimischen Bockkäfern könnten allerdings nicht von denen der Quarantänebockkäfer unterschieden werden. Im Herbst wurden die beschädigten Bäume im Auftrag des Besitzers ersetzt. Das war die Gelegenheit für den Pflanzenschutzdienst näher nachzuschauen. Der Stamm mit dem frischen Bohrmehl wurde aufgespalten und es fand sich, wie vermutet, eine Blausieblarve. Der andere Stamm mit dem Ausbohrloch zeigte aufgespalten von der Plätzefraßkammer ausgehend sowohl Einbohr- als auch Ausbohrloch.

In Schleswig-Holstein werden Neupflanzungen routinemäßig unter vierjährige Beobachtung gestellt. Wenn sich keine Anhaltspunkte für einen Befall mit Quarantänebockkäfern ergeben, wird der Beobachtungszeitraum beendet. Bisher sind in Schleswig-Holstein in freier Landschaft und in Baumschulen keine Anzeichen vom Asiatischen Laubholzbockkäfer oder dem Citrusbockkäfer nachgewiesen worden. (lwk)