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Die Phosphor-Düngung reduzieren

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„Wenig ist mehr als genug!“: Diese Meinung vertritt Barbara Degen, stellvertretende Leiterin der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg, beim Thema Phosphor-Düngung. Etwa die Hälfte der bei vielen Topfpflanzen bisher üblicherweise verwendeten Menge an Phosphor, so Degen, reiche völlig aus.

Zwar zählt Phosphor neben Stickstoff und Kalium zu den für die Pflanzen lebensnotwendigen Kernnährstoffen. In den vergangenen Jahren mehrten sich aber kritische Stimmen.

Arbeitsgruppe zur Phosphor-Düngung bei Topfpflanzen

Zum einen führt das Phosphat zur Eutrophierung der Oberflächengewässer. Phosphor kann Eisen binden und demzufolge bei hohen Werten einen Eisenmangel verursachen. Generell tragen hohe Phosphor-Werte zu erhöhten Salzgehalten mit entsprechend negativen Folgen bei. Auch aus finanzieller Sicht macht Phosphor seit einiger Zeit von sich reden, denn es ist ein knapper Rohstoff, und sein Preis ist spürbar gestiegen.

Aus diesen und weiteren Gründen war im Kreis der gartenbaulichen Versuchsanstalten eine Arbeitsgruppe entstanden, die sich von 2013 bis 2016 der Phosphor-Düngung bei Topfpflanzen gewidmet hatte. Es galt herauszufinden, ob „wir zu viel Phosphor düngen“, so Degen. Zu den weiteren Aufgaben zählte, neue Richtwerte und Empfehlungen hinsichtlich des Phosphor-Bedarfs von Topfpflanzen zu erarbeiten.

25 Milligramm Phosphor je Liter Nährlösung reichen aus

An sechs Standorten gab es Gemeinschaftsversuche, so mit Impatiens Neu-Guinea. Degen, zu deren Hauptkompetenzen die Pflanzenernährung zählt, zitierte bei der Heidelberger Sommertagung Zierpflanzenbau am 5. Juli den Gemeinschaftsversuch aus dem Jahr 2014. Unabhängig von der Grunddüngung reichten 25 Milligramm Phosphor (P2O5) je Liter Nährlösung aus, um Minderwuchs sicher zu vermeiden. Dies entsprach einem Stickstoff-zu-Phosphor-Verhältnis von 1:0,25.

Zusätzlich berichtete die Referentin über zwei Heidelberger Versuche zur Phosphor-Düngung bei Cyclamen und Violen. Sowohl bei der Grundbevorratung als auch beim Nachdüngen gab es hinsichtlich des Phosphors vier Versuchsfaktoren – von 25 Milligramm bis 200 Milligramm je Liter Substrat bei der Grunddüngung und null Milligramm bis 100 Milligramm je Liter Nährlösung beim Nachdüngen.

Eindeutige Phosphor-Mangelsymptome bei einigen Pflanzen

Nur bei der Variante mit extrem wenig Phosphor – 25 Milligramm je Liter Substrat und kein Phosphor bei der Nachdüngung – gab es bei einigen Pflanzen eindeutige Phosphor-Mangelsymptome (violette Anthocyanverfärbungen der Blätter sowie Kümmerwuchs). Bereits bei der Variante mit 25 Milligramm je Liter Substrat Grundbevorratung plus 25 Milligramm je Liter Nährlösung waren keine negativen Auswirkungen sichtbar. Praxisüblich sind etwa 100 Milligramm P2O5.

Zusammenfassend stellte Degen fest, Phosphor beeinflusse das Wachstum, den Gesamteindruck und das Durchwurzeln bei Topfpflanzen nur relativ wenig. Ergänzend zur Grunddüngung mit entsprechendem Phosphor-Gehalt reichten bereits 25 Milligramm P2O5 pro Liter Nährlösung aus, um gute Qualitäten zu erzielen. „Die Hälfte dessen, was bisher normalerweise an Phosphor angeboten wurde, reicht völlig aus“, so Degen.

Demzufolge könne aus dem früher standardmäßig empfohlenen NPK-Verhältnis 15–10–15 mit der angestrebten Phosphor-Reduzierung ein NPK-Verhältnis von 15–5–15 werden.

Industrie bietet bereits Dünger mit relativ niedrigem Phosphor-Gehalt an

Die Industrie hat Degen zufolge auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe durchaus schon reagiert. Diverse Mehrnährstoffdünger mit relativ niedrigem P-Gehalt seien von Firmen wie Planta, Yara, ICL, Manna, Gabi und Compo verfügbar, wie aus einer Liste in der Praxisempfehlung „Neue Richtwerte für den Phosphoreinsatz im Zierpflanzenbau“ hervorgeht. (Quelle: Tagungsband zur Sommertagung Zierpflanzenbau, LVG Heidelberg)

Mehr zur Heidelberger Sommertagung Zierpflanzenbau und den Themen Absatz von Fairtrade-Poinsettien und transgene Petunien lesen Sie in der TASPO 29/2017, die am 21. Juli erschienen ist.