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Direktabsatzseminar in Hannover: Renaissance der Eigenproduktion?

Eigenproduktion lohnt sich für uns nicht“, sagt der Inhaber einer Einzelhandelsgärtnerei im Norden Deutschlands, denn der Niederrhein und Holland sind nicht weit weg. „Wir brauchen unsere Eigenproduktion dringend. Denn hier vor Ort können wir die Qualitäten, die wir brauchen, nicht zukaufen“, hält der Kollege aus Oberbayern dagegen. Die Aussagen zeigen deutlich, wie unterschiedlich die Eigenproduktion bewertet wird und welche Rolle der Standort und die Zukaufsmöglichkeiten spielen. Das machte Knut Steffen, Marketingberater, Waldbüttelbrunn, im Rahmen eines Vortrages beim 50. Betriebswirtschaftlichen Seminar am Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau in Hannover deutlich.

Poinsettien stammen in vielen Einzelhandelsgärtnereien aus Eigenproduktion. Foto: Rosemarie Wagler

Während in der Vergangenheit immer mehr Betriebe ihre Eigenproduktion einschränkten, bekommt die Eigenproduktion in Einzelhandelsgärtnereien unter dem Gesichtspunkt Regionalität wieder einen wichtigen Stellenwert in den Betrieben und ist deshalb neben betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten auch unter Marketingaspekten zu bewerten.

Der Regionaltrend ist auf dem Vormarsch, Regionalität wird im Einzelhandel immer wichtiger. Denn die Kundengruppe der LOHAS (Lifesyle of Health and Sustainability) beispielsweise legt Wert auf Gesundheit, Nachhaltigkeit und Qualität und will wissen, woher die Produkte kommen und wie sie produziert wurden.

Nach einer Umfrage (2012) der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwarten 25 Prozent der jüngeren Kunden Qualität und regionale Herkunft. Zudem wird Nachhaltigkeit zum „Mainstream“ und die Abstimmung von Ökologie –beispielsweise bei den Produktionsverfahren –Ökonomie und sozialen Gesichtspunkten – wie Arbeitsbedingungen – werden für immer mehr Kunden kaufentscheidend.

Ein Trend zu regionalen Produkten zeigt sich deutlich beim Lebensmitteleinzelhandel, bei regionalen Direktvermarktern, aber auch in der Gastronomie. Auch beim Pflanzenverkauf lässt sich ein Trend zu regionalen Herkünften feststellen. In einer Kundenbefragung von 3.848 Kunden in 41 bayerischen Einzelhandelsgärtnereien durch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Menrad 2009) stimmten 67,3 Prozent der Befragten der Aussage „Ich lege großen Wert auf Pflanzen aus der Region“ zu.

Pflanzen aus regionaler Produktion bieten inzwischen auch Baumärkte wie Obi unter dem Motto „Pflanzen aus der Region für die Region“ an und auch Einzelhandelsgärtnereien setzen wieder mehr auf Regionalität. Hier liegt die Schnittstelle zur Eigenproduktion, denn selbst erzeugte Pflanzen können glaubwürdig als regionale Produkte in Einzelhandelsgärtnereien vermarktet werden. Dieses Thema Eigenproduktion stellt sich in Einzelhandelsgärtnereien immer wieder.

Ausführlichere Informationen darüber was für die Eigenproduktion spricht und wo die Grenzen der Eigenproduktion liegen, finden Sie auf zwei Seiten „Betriebswirtschaftliche Tagung in Hannover“ in unserer aktuellen TASPO Ausgabe 50/2012. (kst)