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Dürre: Kommt das dicke Ende erst noch?

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In diesem Jahr bescherte die wochenlange Hitzewelle dem Weihnachtsbaum eine unerwartet große Aufmerksamkeit in allen Medien. Inzwischen sind die Temperaturen zwar wieder gesunken und Regen gab es auch, die Folgen der Dürre sind damit aber nicht beseitigt.

Die Trockenheit schädigte nicht nur die Nordmanntannen bei den Weihnachtsbaum-Produzenten, auch die Forstbaumschulen sind betroffen. Sowohl die aktuelle als auch die Verkaufsware der nächsten zwei bis vier Jahre wird in Menge und Qualität nicht das gewohnte Maß erreichen. Foto: Liebgard Jennerich

Viele Jungbäume schlichtweg vertrocknet

Viele Jungbäume, vor allem die im vergangenen Jahr und in diesem Frühjahr gepflanzten, sind schlichtweg vertrocknet. Betroffen sind vor allem jene in leichten, sandigen Böden. In schwereren, lehmhaltigen Böden mit ausreichender Wasserhaltefähigkeit waren sie weniger gefährdet.

Wo vorhanden, wurden die Bewässerungseinrichtung oder Gießwagen in Betrieb genommen, um das Schlimmste zu verhindern. Über entsprechende Anlagen verfügen aber meist nur die großen Produzenten.

Wässern aufwendig und teuer

Das Wässern war aufwendig, arbeitsintensiv, zudem teuer und dennoch wenig effektiv, berichtete Bernd Oelkers, Präsident des Landesverbands der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Niedersachsen, Hamburg und Bremen, im ZDF-Magazin Drehscheibe. Ihn habe diese „Notbehandlung“ für seine 85.000 Setzlinge 15.000 Euro gekostet, trotzdem seien 50 Prozent und mehr der in den Frühjahren 2017/2018 gepflanzten Jungbäume verloren.

Benedikt Schneebecke (Ostseetanne in Altsteinhorst bei Rostock) musste erstmals überhaupt die jungen Bäume wässern, berichtete er dem Nordkurier. Jürgen Schümann (50 Hektar Anbaufläche auf Geestboden in Fuhlendorf) bangte um seine 20.000 neu gesetzten Jungpflanzen, die er ausnahmsweise mit dem Gießwagen versorgte. Sonst sei das in Schleswig-Holstein eigentlich nicht üblich.

Ausfälle bis zu 100 Prozent ohne Bewässerungsanlagen

Aber nicht alle haben Bewässerungsanlagen. Und so berichten die Weihnachtsbaum-Produzenten quer durch die Republik von Ausfällen zwischen 50 und bis zu 100 Prozent. Heiko Belger etwa, mit 20 Hektar Anbaufläche größter Produzent in der Oberlausitz, hat 10.000 Jungpflanzen verloren, meldete die Sächsische Zeitung online.

Relativ gelassen sieht Anton Glöckler (Burlafingen/Neu-Ulm), dem 5.000 Jungpflanzen auf einem nicht zu beregnenden Stück Land vertrocknet sind, die Situation. „Man verliert eine Saison, das macht insgesamt nicht so viel aus, aber immerhin sind es 5.000 Euro Verlust“, sagte er der Schwäbischen Zeitung. Dafür seien die beregneten größeren Bäume ganz gut über die Runden gekommen.

Gesamtschaden gegenwärtig schwer abzuschätzen

Bei Weihnachtsbaum-Produzent Victor Dünn (Frechen/Rhein-Erft-Kreis) sind dagegen sämtliche 16.000 Jungbäume aus der 2018er Frühjahrspflanzung betroffen, obwohl sie auf „gutem, tiefgründigem Lössboden“ stünden, meldete der Kölner Stadt-Anzeiger.

Der Gesamtschaden für die Branche aufgrund der Jungbaum-Ausfälle ist gegenwärtig nur schwer zu beziffern. Zu berücksichtigen ist aber, dass nicht nur die Jungpflanzen der Dürre zum Opfer fielen, auch die investierte Zeit und das aufgewendete Kapital muss mit eingerechnet werden.

Auswirkungen auf Weihnachtsbaum-Preise?

Verbraucher interessieren zunächst die Baumpreise für diese Weihnachtssaison: Die Verträge mit den Großabnehmern waren für viele Produzenten bereits abgeschlossen, als sich das ganze Ausmaß der Dürre zeigte. Insofern werden sich die Ausfälle in diesem Jahr noch nicht auf die Preise für Weihnachtsbäume auswirken, ist Bernd Oelkers überzeugt, Benedikt Schneebecke äußerte sich ebenso.

Der komplette Artikel zu den Auswirkungen der diesjährigen Hitzewelle auf die Weihnachtsbaum-Produktion ist in der September-Ausgabe des TASPO Fachjournals für Weihnachtsbaum und Schnittgrün in TASPO 35/2018 erschienen.