Effektive Strategien gegen „Aufschieberitis“

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Voller Schreibtisch? Keine Zeit zum Aufräumen? Wer es „angehen“ will, sollte sich für aufgeschobene Vorhaben verbindliche, kleine Ziele setzen, sonst scheitert der Vorsatz schnell. Foto: Sergey Yarochkin/Fotolia

Na, heute auch schon wieder etwas auf die lange Bank geschoben, was Sie längst hätten angehen können? Keine Sorge: Wir sind mit Alltagssorgen wie der „Aufschieberitis“ und dem inneren Schweinehund nicht allein. Aber es gibt wirkungsvolle Strategien gegen diese Phänomene.

Der innere Schweinehund, lateinisch „Porcus canis interior“, verhindert, dass wir wichtige, sinnvolle, nützliche Dinge schnell und effektiv erledigen und sie stattdessen auf die lange Bank schieben. „Aufschieberitis“ nennt Jürgen Petersen, Motivationstrainer und gelernter Landwirt, dieses Phänomen, unter dem gefühlt ein Großteil der Bevölkerung leidet.

Zeit der am häufigsten genannte „Verhinderungsgrund“

Ob es die empfohlenen 150 Minuten Sport pro Woche sind, oder der endlich aufgeräumte Schreibtisch, der die Betriebsführung deutlich erleichtert: Immer stehen uns unzählige Gründe im Weg, die es nicht zulassen, uns von diesen „Zeitkillern“ (ob Arbeits- oder Lebenszeit) zu befreien. Die Ironie dabei: Das Hauptargument, das am häufigsten als „Verhinderungsgrund“ genannt wird, ist die Zeit. „Zeit ist statistisch derzeit das am häufigsten benutzte Hauptwort der deutschen Sprache“, weiß Petersen.

Den inneren Schweinehund zu überlisten, schaffen nur zwei innere Antriebe wirklich: Der Wunsch, bei sich selbst Glück zu erzeugen oder die Motivation, „Schmerz“ zu vermeiden. Bedeutet beispielsweise: Sport machen viele erst dann, wenn die Gesundheit wirklich gefährdet ist. Oder umgekehrt, weil ihnen die Bewegung immer wieder Glücksgefühle vermittelt.

Konkrete und messbare Ziele setzen

Wer also dauerhaft etwas ändern möchte, benötigt erst einen wirklichen inneren Antrieb dafür. Das bedeutet, sich in Anlehnung an die bekannte „SMART“-Technik eine Art ständig und optimal gespanntes Gummiband zu schaffen, das immer wieder motiviert: Zum einen sollte man sich den Grund klar machen, warum man sein Ziel erreichen möchte.

Und zum zweiten sollte man sich sehr konkrete, messbare und attraktive Ziele setzen, deren Erreichen – ganz wichtig – ausschließlich von einem selbst abhängt, nicht fremdabhängig ist, mit genauen Zeitangaben und damit Kontrollmöglichkeit: Das kann der prozentuale Anteil sichtbarer Schreibtischfläche beim Büroaufräumen sein. Oder festgelegte Minuten, in denen man ein bestimmtes Blatt Papier, eine Unterlage, im Büro gefunden haben muss.

Tricks für die erfolgreiche Umsetzung

Einige von Petersen empfohlene Tricks helfen bei der erfolgreichen Umsetzung:

  • Die 72-Stunden-Regel: Innerhalb von drei Tagen nach seinem Vorsatz sollte man mit dem Vorgenommenen beginnen. Sei es, die erste tägliche Minute auf dem Laufband zu starten, den Schreibtisch aufzuräumen oder das unangenehme und lange aufgeschobene Mitarbeitergespräch zu terminieren und dazu einzuladen.
  • Kleine Schritte: Keinesfalls empfiehlt es sich, gleich mit dem „großen Wurf“ loszulegen – lieber in kleinen, gut schaffbaren Portionen – so lässt sich das Joggen auch gut mit einer Minute Trippeln auf der Stelle beginnen, das dann täglich um eine Minute gesteigert wird. Oder die Büroorganisation Stück für Stück erledigen.
  • 28-Tage-Regel: Alles, was man 28 Tage lang jeden Tag macht, wird zur Routine wie das tägliche Zähneputzen. Deshalb empfindet beispielsweise der rüstige Rentner, der sommers wie winters tagtäglich zum morgendlichen Schwimmen geht, das längst nicht mehr als Hürde, sondern als normal. „Das Schwierigste an der Umsetzung ist, dass man anfangs denkt, mit dem Neuen sinke die Lebensqualität“, weiß Petersen – zumal das Ganze immer erst einmal etwas kostet: Mühe, Zeit, Geld.

So überlisten Sie die „Aufschieberitis“

„Warum haben 85 Prozent der Menschen ihr Jahresziel über den Haufen geworfen?“, fragt Petersen – und nennt als Grund besagte „Aufschieberitis“. Aber die lässt sich überlisten. Nicht nur durch die Salami-Taktik (kleine Schritte, siehe oben), sondern auch durch:

  • verbindliche und begrenzende Zeitpläne („jede Arbeit benötigt so viel Zeit, wie ich ihr gebe“)
  • positives Beerdigen – beispielsweise, indem man ein Erfolgsbuch führt und darin durchstreicht, was erledigt ist
  • schriftliche To-do-Listen oder sogar eine Schiebeliste, auf der immer wieder die ganz unangenehmen und immer noch nicht erledigten Aufgaben landen
  • Delegation an andere
  • Belohnung: „Wenn ich das und das Ziel geschafft habe, gönne ich mir das und das ...“

80 Prozent Arbeitserfolg in 20 Prozent Arbeitszeit

Außerdem hilft die Anwendung des bekannten Pareto-Prinzips dabei, die „Aufschieberitis“ auszutricksen. Petersen: „Auf 20 Prozent der Zeitungsfläche stehen 80 Prozent der wichtigen Informationen: Also lesen Sie Ihre Fachzeitschrift quer und verharren dort länger, wo es für Sie spannend wird.“ Oder auch „in 20 Prozent Arbeitszeit habe ich 80 Prozent Arbeitserfolg.“

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