EFSA verwendet Glyphosat-Bewertung des Herstellers

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Mehrere hundert Seiten soll die EFSA aus einem Monsanto-Bericht aus dem Jahr 2012 für die Bewertung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat wortwörtlich übernommen haben. Foto: Dusan Kostic/Fotolia

Hat die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einfach mehrere hundert Seiten Glyphosat-Bewertung kopiert? Medienberichte zufolge griff die Behörde im Rahmen der Debatte um eine erneute Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat auf wesentliche Teile der Bewertung des US-Agrarkonzerns Monsanto zurück.

Glyphosat-Bewertung: Mehrere hundert Seiten wortwörtlich übernommen

Dies berichteten unter anderem die britische Tageszeitung „The Guardian“ und die italienische Zeitung „La Stampa“. In der Debatte um die Zulassung soll die EFSA den beiden Medien zufolge mehrere hundert Seiten wortwörtlich aus dem Zulassungsantrag von Monsanto verwendet haben. „Die Kapitel im EFSA-Bericht über die bislang veröffentlichten Studien zur Wirkung von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit sind quasi Wort für Wort von einem Monsanto-Bericht aus dem Jahre 2012 übernommen“, so die „La Stampa“.

Die EFSA wies die Vorwürfe um ihren Schlussbericht aus dem Jahr 2015 jedoch zurück und versicherte, dass der Bericht auf unabhängige wissenschaftliche Studien zurückzuführen ist. So betonte sie, dass es sich nicht um einen Teil des EFSA-Berichtes handelte, sondern um Anmerkungen. Die von der „Glyphosate Task Force“ ergänzten Studien seien in diesem Zusammenhang deutlich gekennzeichnet.

EFSA sieht keinen Anlass für Verbot

Die EFSA spricht sich für eine Verlängerung der Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat aus, welcher die EU-Kommission demnächst mit dem Auslaufen der Zulassung zum Ende des Jahres folgen will. Noch im Juli dieses Jahres hatte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis ein Ende der Diskussion um die vermeintlich krebserzeugende, fruchtbarkeitsschädigende und DNA-schädigende Wirkung von Glyphosat angekündigt. Laut der EFSA und der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) gäbe es hierfür keinen Anlass.

Bereits im Frühjahr betonte eine Agentur der Weltgesundheitsorganisation WHO potentielle Risiken des Pflanzenschutzmittels bei Menschen. Die Hersteller verwiesen dabei auf rein theoretische Überlegungen ohne konkrete Belege für Verbraucherrisiken. Während ein zweiter WHO-Bericht sowie Aufsichtsbehörden in Deutschland diese Gesundheitsrisiken als gering einschätzen, beharren Kritiker weiterhin auf mögliche Risiken des Mittels und werfen der EFSA und ECHA eine Beeinflussung durch Monsanto vor.

Grünen-Bundestagsfraktion fordert Neubewertung von Glyphosat

In diesem Zusammenhang forderte die Grünen-Bundestagsfraktion die EU-Kommission zu einer neuen Bewertung von Glyphosat durch unabhängiges Personal auf. „Wenn Monsanto fast alle unabhängigen Studien, die einen Zusammenhang mit Krebs oder anderen Gesundheitskrisen vermuten lassen, als 'nicht relevant' abtut und die Behörden das einfach abschreiben, können wir die Glyphosat-Risikobewertung nicht mehr ernst nehmen“, so Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt.

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