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Elite-Labor in Gensingen: „Wir produzieren etwa 3.800 Sorten“

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Kientzler betreibt seit 2018 ein neues Elite-Labor in Gensingen, welches von der Tochterfirma InnovaPlant Zierpflanzen betrieben wird. Geforscht wird in den Bereichen Züchtung, Produktentwicklung, Gesund-Erhaltung und Lizenzwesen. TASPO Online sprach mit Laborleiter Dr. Axel Feldhoff über seine Arbeit.

Axel Feldhoff ist seit 1992 für InnovaPlant tätig. Foto: privat

Besondere Freude an meiner Arbeit macht:

Das Gewebekulturlabor im Zusammenhang mit der Pathogentestung (hauptsächlich Pflanzenvirosen) bei InnovaPlant ist eine Mitvoraussetzung für die Innovation bei Zierpflanzen; sie ist seinerzeit entstanden als man erkannte, dass neue Arten und Sorten im Zierpflanzenbau eben Jahr für Jahr aus gesundem Ausgangsmaterial aufgebaut werden müssen, wenn diese Neuheiten weltweit und langfristig erfolgreich sein sollen. Die Gründung des Labors, also Pathogentestung, Gewebekultur und die Produktion von Elitepflanzen, durfte ich von Anfang an miterleben. Das Labor wachsen zu sehen (seit einem Jahr arbeiten wir jetzt in einem neuen und größeren Labor) und die weltweite Reputation der Firma als zuverlässiger Lieferant von pathogengetestetem Ausgangsmaterial mit einem guten Team in Gensingen geschaffen zu haben, ist jeden Tag ein guter Ansporn.

Unangenehme Arbeiten sind:

InnovaPlant bietet eine breite Palette von Labordienstleistungen, und zwar nicht nur für die Mutterfirma Kientzler Jungpflanzen, sondern auch für viele Großproduzenten und Züchterhäuser in aller Welt an, so z.B. für Suntory, Proven Winners, Sakata um nur einige Namen zu nennen. Insgesamt halten und produzieren wir Elitekulturen von derzeit ca. 3.800 Sorten im Labor. Die Verwaltung der Dienstleistungen vor allem bei besonderen Ansprüchen wie z.B. Naktuinbouwzertifizierung oder die Vorbereitung von Versänden wie Australien und Neuseeland ist nicht gerade unangenehm aber extrem aufwendig und zeitintensiv.

Derzeit habe ich Folgendes zu tun:

Wir sind derzeit noch in den starken Versandwochen des Jahres, um den Mutterpflanzenaufbau in den Südbetrieben für die Saison 2020 zu gewährleisten. Die langfristige Planung der Etablierung, des Aufbaus, der Vermehrung und des Versands ist eine Mammut-Aufgabe – vor allem beim raschen Sortimentswechsel, die wir derzeit im Zierpflanzenbau erleben. Die Bewältigung ist nur mit einem guten kompetenten Team möglich.

Mein nächstes kurzfristiges Ziel:

Bis zum Urlaub im September noch durchzuhalten! In meiner Position trage ich viel Verantwortung, auch gegenüber Großkunden – ich freue mich auf zwei Wochen ohne diesen Druck im September.

Was möchte ich langfristig verändern:

Nebst Beet- und Balkonpflanzen und winterharten Stauden gibt es viele Pflanzengattungen, die von den Methoden der Gewebekultur profitieren könnten – sowohl in Punkto Gesunderhaltung oder in-vitro Massenvermehrung. Wertvolle Kulturen, die ein großes Potential für die Menschheit bieten, könnten durch die Gewebekultur massenfähig werden – wie wir es mit unserem Brotfruchtbaum-Projekt (www.globalbreadfruit.com) bewiesen haben. Über 110.000 Bäume konnten wir mit Hilfe unserer Methoden erfolgreich vermehren und weltweit in 44 tropische Länder versenden. Jeder dieser Bäume wird dort eine vierköpfige Familie über 70 Jahre lang ernähren können – immerhin eine halbe Million Menschen, die Dank der praktischen Anwendung unserer Methoden nicht mehr hungern müssen. Hier gibt es bestimmt noch andere Gattungen und Arten die ähnliches Potential besitzen.

Der Gartenbau ist für mich:

Eigentlich bin ich kein gelernter Gärtner – ich bin über das Biologie-Studium auf die Methoden der Pathogentestung aufmerksam geworden und fand eine sinnvolle Anwendung dieses Wissens im Gartenbau. Spannend finde ich vor allem die Vielseitigkeit dieser Branche, und die vielen tollen Menschen, mit der man weltweit im Gartenbau zusammenarbeiten darf.