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Emsflower: „Geschwindigkeit der Automatisierung steigt zunehmend“

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Emsflower erweitert seine Produktionsflächen in Emsbüren um weitere zwölf Hektar und setzt auf zunehmende Automatisierung. Zudem will das Gartenbau-Unternehmen Kuipers seine Produktion am dortigen Standort künftig konzentrieren. Über die Hintergründe sprach die TASPO mit Geschäftsführer Tom Kuipers.

Interviewpartner Tom Kuipers (r.) mit Vater Bennie (Mitte) und Bruder Bart. Foto: Kuipers

Mit dem Bau der neuen Flächen haben Sie bereits begonnen, damit wird Ihr Unternehmen in Emsbüren 64 Hektar unter Glas umfassen. Ihr Betrieb in Fretzdorf bei Berlin ist bereits veräußert worden, die Standorte Denekamp und Erica sollen ebenfalls aufgegeben werden. Was sind die Hauptgründe für diese Konzentration?

Die Konzentration bietet uns mehr Effizienz, vor allem, was den internen Transport betrifft – aber auch eine einfachere Planung und bessere Möglichkeiten der Automatisierung durch den größeren Betriebsumfang. Die Effizienz des kompletten Managements wird einfach besser.

Das Sortiment wird das gleiche bleiben, es ist nur eine kleine mengenmäßige Erweiterung geplant, die dem Wachstum der Kunden entspricht. Neue Produkte kommen eigentlich jedes Jahr dazu, das ist aber unabhängig von der Erweiterung.

In der örtlichen Presse war zu lesen, dass Sie mit LED-Belichtung experimentieren. Wofür setzen Sie sie ein, mit welchen Zielen?

Den Versuch führen wir selber durch. Sein Hauptziel ist es nicht, zu überprüfen, ob eine Kultur unter LED überhaupt möglich – hier sind wir längst der Überzeugung, dass das für alle Kulturen funktioniert. Uns interessiert in diesem Versuch vielmehr die Wirtschaftlichkeit, da es dazu bisher kaum Informationen gibt. Wir wollen wissen, unter welchen Voraussetzungen sich eine Investition in LED-Licht lohnt. Wenn es innerhalb einer absehbaren Zeit wirtschaftlich sein kann, komplett geschlossen unter LED zu produzieren, dann müssen wir jetzt in das Know-how investieren. Das hoffen wir, in unserem Versuch beantworten zu können.

Gibt es weitere technische Zukunftsideen, die Sie gerne umsetzen wollen?

In den letzten Jahren haben wir viel in neue Produktionstechnik und neue Pflanztechnik wie Stecklingsroboter und logistische Systeme investiert. Beim Ausliefern ist dagegen nicht viel passiert. Wir wollen uns deshalb künftig verstärkt darum bemühen, den Auslieferungsprozess weiter zu automatisieren. Durch Entwicklungen in der Bildverarbeitung und von lernenden Maschinen mit künstlicher Intelligenz entstehen Roboter, die handeln wie ein Mensch. Die ermöglichen es, Pflanzen, die immer unterschiedlich wachsen, trotzdem gut zu analysieren.

Für uns liegt die Schwierigkeit darin, dass wir sehr viel Masse produzieren – und das zu festen Terminen, immer unterschiedlich verpackt, immer unterschiedliche Sorten und unterschiedliche Topfgrößen. Nur eine „Universallösung“ wäre hier wirtschaftlich.

Im Gemüsebereich wollen wir auf jeden Fall das Verpacken weiter automatisieren – und wir wollen als erste dabei sein, wenn die ersten Ernte- und Blattschneideroboter verfügbar sind.

Welche Rolle wird für Sie die Produktionsverlagerung ins Ausland auf Dauer spielen?

Unsere Stecklingsvermehrung findet hauptsächlich im Ausland statt. Mittel- und langfristig wird das so bleiben, auf (sehr) lange Sicht sind wir der Überzeugung, dass auch die wieder zurückkommen wird, ebenso wie die Produktion vieler Pflanzen, die derzeit im Ausland erfolgt.

Es wird mehr Automatisierungsmöglichkeiten in der Herstellung geben und es werden wieder zunehmend mehr Produkte regional hergestellt. Klimatechnische Bedingungen spielen im Gartenbau eine große Rolle. Hier wird es aber in Zukunft technische Lösungen geben, um das Klima noch besser künstlich zu steuern.

In der Anfangszeit von Emsflower haben wir noch ausgiebig darüber diskutiert, ob es langfristig nicht sinnvoller wäre, auf die arbeitsintensive Stecklingsvermehrung zu verzichten. Jetzt, knappe zehn Jahre später, haben wir einen Maschinenführer, der die Stecklingsroboter bedient – und es werden kaum noch Stecklinge per Hand gesteckt… Wenn man bedenkt, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit der Automatisierung zunehmend steigt, kann man mit gutem Gewissens sagen, dass das derzeit noch Unmögliche in Kürze möglich sein wird.

Das komplette Interview mit Tom Kuipers lesen Sie in der TASPO 22/2017, die am 2. Juni erschienen ist.