Erasmus+: Austausch zwischen Gartenbauschulen in Europa

Veröffentlichungsdatum:

Der Vorstand des Vereins European Horticulture Teacher nach einer Gehölzpflanzung vor der Gartenbauschule in Bulduri, Lettland (v. l.): Präsident Peter Stadelmann (CH), Erasmus+ Koordinatorin Esther Kirschfink (BE), Vizepräsidentin Andrea Schulz (IT), der Finanzverantwortliche Thomas Völkening (LU) und Beisitzerin Kornelia Benasiewicz (PL). Foto: European Horticulture Teacher

Esther Kirschfink ist Vorstandsmitglied im Verein European Horticulture Teacher, von vielen immer noch liebevoll Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Gartenbaulehrer genannt. Zuständig ist sie dort für Erasmus+ Projekte. Wir sprachen mit der Diplom-Gartenbauingenieurin über ihre Arbeit und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihren Verein.

Welche Aufgaben hat der Verein European Horticulture Teacher?

Das Ziel ist ganz allgemein, die Ausbildung der Gärtnerinnen und Gärtner in der Europäischen Gemeinschaft enger zusammenwachsen zu lassen. Dazu zählt neben der Unterstützung der Auszubildenden und Lernenden ebenso die Förderung der Lehrenden.

Dies geschieht durch die Organisation von Weiterbildungen für Lernende, für Lehrende oder für beide Gruppen zusammen, gemeinsame Reisen, Besichtigungen, fachlicher Austausch über Unterrichtsinhalte und Unterrichtsgestaltung, gemeinsame praktische Unterrichte, das Angebot und die Unterstützung bei der Organisation von Praktika im europäischen Ausland, die Organisation des europäischen Berufswettbewerbs für junge Gärtnerinnen und Gärtner, persönliche Kontakte, …

Wie hoch ist die Resonanz europäischer Lehrkräfte?

Etwa 150 Lehrpersonen von Gartenbauschulen und -ausbildungseinrichtungen aus rund 50 Bildungseinrichtungen in 19 europäischen Ländern nehmen ab und zu bis sehr regelmäßig an unseren Veranstaltungen teil. Hinzu kommen die Kolleginnen und Kollegen, die uns durch die Arbeit in ihrer eigenen Einrichtung unterstützen, zum Beispiel die sich vor Ort um die Betreuung der ausländischen Gäste kümmern, aber selbst nicht reisen.

Wie ist Ihr Verein von Corona betroffen?

Unser Verein ist wie alle anderen in Europa von den Corona-Maßnahmen betroffen. Es mussten bis auf Weiteres alle vorgesehenen Aktivitäten eingestellt werden. Wir hoffen, die meisten dieser Aktivitäten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können. Also alle Mobilitäten, Reisen, gemeinsame Unterrichte, Weiterbildungen, das Lehrerseminar und der europäische Berufswettbewerb für junge Gärtnerinnen und Gärtner sind verschoben worden, der persönliche Austausch unter Kolleginnen und Kollegen und sicher auch unter bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich bei gemeinsamen Veranstaltungen kennengelernt haben, findet allerdings auch weiterhin dank Informationstechnologie statt.

Was ist Ihre Aufgabe im Vorstand von European Horticulture Teacher?

Alle Vorstandsmitglieder arbeiten zusammen für die gesamte Organisation der Aktivitäten des Vereins. Seit 2006 initiiere ich verschiedene europäische Austauschprojekte zwischen Gartenbauschulen in Europa, anfangs unter den europäischen Programmen Leonardo und Comenius, seit 2014 unter dem Namen Erasmus und Erasmus+.

In den ersten Jahren habe ich die Anträge allein geschrieben und die Projekte geleitet. Nach und nach haben sich immer mehr europäischen Kollegen dafür interessiert und so konnte auch die Ideenfindung und Redaktion der europäischen Anträge auf mehrere Personen verteilt werden, wobei ich weiterhin die Koordination sichergestellt und die Finanzzuschüsse der EU verwaltet habe. Nach und nach habe ich auch weitere Kollegen beraten, die dann ihrerseits Partnerschaftsanträge eingereicht und bewilligt bekommen haben und die Koordination sicherstellen.

2006 haben wir mit einer Partnerschaft von drei Gartenbauschulen begonnen, in der Tschechischen Republik, in Österreich und in Belgien. Bis heute hat sich die Zahl der Bildungseinrichtungen, die aktiv in Erasmus+ Partnerschaften eingebunden sind und Lernende und Lehrende an gemeinsamen Veranstaltungen teilnehmen lassen, auf die oben erwähnten rund 50 erhöht.

Wie viele Studierende konnten bereits durch Ihr Mitwirken vermittelt werden?

Das ist nur schwer zu sagen. In den letzten Jahren konnten wir pro Partnerschaft für 100 Mobilitäten Reise- und Aufenthaltszuschüsse beantragen. Aus der Erfahrung wissen wir aber, dass die meisten Schulen wesentlich mehr Teilnehmer ins Ausland schicken als diese Mindestzahl der dann offiziell durchzuführenden Mobilitäten. Ich gehe von insgesamt 1.500 bis 2.000 aus.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Teilnehmern?

Insgesamt sind die Rückmeldungen sehr positiv, vor allem bezüglich der fachlichen, kulturellen und touristischen Inhalte der angebotenen Aktivitäten. Die Schüler berichten positiv von neuen Inhalten, die an ihrer Einrichtung nicht vermittelt werden und in die sie dank ihrer Teilnahme einen Einblick erhalten konnten. Andere sind begeistert, dass sie praktische Tätigkeiten ausführen konnten zu Ausbildungsinhalten, die ihnen bisher nur theoretisch vermittelt wurden, oder dass sie bereits Erlerntes vertiefen konnten.

Manche finden die Mahlzeiten oder die Unterbringung im Ausland „gewöhnungsbedürftig“. Einige Teilnehmer „reden“ ohne Scheu „mit Händen und Füßen“, um sich im Ausland zu verständigen, andere sind anfangs skeptisch bis zurückhaltend, um Kontakt aufzunehmen zu Mitschülern, wenn sie deren Sprache nicht beherrschen. Bei einigen weicht das Unbehagen nach einigen Stunden, bei anderen erst nach Tagen, manchmal erst, wenn es heißt, Abschied zu nehmen und diese sind dann traurig, nicht früher schon den Kontakt gesucht zu haben. Anhand der Freundschaften, die über Jahre dann doch zwischen vielen der ehemaligen Teilnehmer bestehen bleiben, erkennt man den Erfolg solcher intensiv gemeinsam verbrachten Momente während der praktischen Unterrichte oder Besichtigungen.

Auch von den teilnehmenden Lehrpersonen kommen durchweg positive Rückmeldungen. Die Lehrkräfte konnten sich mit Kollegen austauschen, andere Schulsysteme kennenlernen und unterschiedliche Unterrichtsvoraussetzungen. Durch den Austausch unter Kollegen erfahren die meisten teilnehmenden Lehrpersonen einen Motivationsschub. Da die Lehrkräfte ihre Schüler nicht nur begleiten, sondern aktiv an den gemeinsamen Unterrichten teilnehmen, entdecken sie andere Unterrichtsmethoden, neue Vorgehensweisen. Manchmal können sie Unterrichtseinheiten, an denen sie teilgenommen haben, in ihrer eigenen Einrichtung übernehmen oder auf diese anpassen. Durch die Betriebsbesichtigungen, die solche Aktivitäten ergänzen, erhalten die Lehrpersonen auch Einblick in aktuelle betriebliche Abläufe und können in ihren Unterrichten auf den betrieblichen Alltag Bezug nehmen. Manche Kolleginnen und Kollegen äußern, dass dieser europäische Austausch eine wichtige Ergänzung zu ihrem Berufsalltag darstellt, den sie nicht missen möchten und daher sehr regelmäßig an unseren Aktivitäten teilnehmen.

Cookie-Popup anzeigen