Alle News

Erbschaftssteuer: Bewertung muss praxisgerecht sein

Anfang letzter Woche einigte sich die Arbeitsgruppe um Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Hessens Ministerpräsident Roland Koch auf Eckpunkte zum neuen Erbschaftssteuerrecht. Obwohl noch nicht alle Fragen im Detail geklärt sind, liegen Eckdaten zu persönlichen Freibeträgen, zur Bewertung von Vermögensarten und zur Verschonung von Betriebsvermögen vor. Gerade bei der Ausgestaltung der Verschonungsregeln befürchtet der Zentralverband Gartenbau (ZVG), dass sie erhebliche Probleme für die Unternehmen mit sich bringen kann. Schon in den Eckpunkten sei ersichtlich, dass aufgrund der unterschiedlichen Betriebsstrukturen die einzelnen Regelungen sehr differenziert ausgestaltet werden müssen. Besonders problematisch könnten die Regelungen zur so genannten Überentnahme werden, die, falls sie innerhalb von 15 Jahren festgestellt wird, zur Nachversteuerung führt. Es bleibt laut ZVG nun abzuwarten, ob im Gesetzentwurf Regelungen gefunden werden können, die nicht dazu führen, dass sich insbesondere kleine und mittlere Familienunternehmen nicht mehr in ausreichendem Umfang bewegen können. Gleiches gilt für die Behaltefristen des Betriebsvermögens von 15 beziehungsweise 20 Jahren für land- und forstwirtschaftliches Betriebsvermögen. Auch wenn eine Veräußerung von Betriebsvermögen zu Reinvestitionszwecken nicht zur Nachversteuerung führen soll, bleibt zu befürchten, dass die Veräußerung von Betriebsvermögen zur Abwendung von Unternehmenskrisen eine Nachversteuerung auslöst. Kritisch zu betrachten ist die Neuordnung des Bewertungsrechts. Auch wenn es grundsätzlich zu begrüßen ist, dass die Bewertung von land- und forstwirtschaftlichem Betriebsvermögen mit einem typisierten Reinertragswertverfahren erfolgen soll, muss bei der Ausgestaltung sichergestellt werden, dass dieses Verfahren praxisgerecht ausgestaltet wird und für den größten Teil der Betriebsübergänge den Regelfall darstellt. Nur so können langwierige Auseinandersetzungen vermieden werden. Mit der Verabschiedung eines neuen Erbschaft- und Schenkungssteuerrechts ist in der ersten Jahreshälfte 2008 zu rechnen.