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Erste Frühlingsblüher vernichtet – zeitnahe Öffnung benötigt

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Die Situation des Grünen Handels spitzt sich mit andauerndem Lockdown weiter zu, auch die Produzenten von Frühjahrsblühern befürchten das Schlimmste. Ein Öffnungsszenario für den grünen Fachhandel ist zwingend notwendig. Erste Frühlingsblüher mussten laut Medienberichten bereits vernichtet werden.

Warten darauf, vermarktet zu werden, die Ranunkeln in den Blumengroßmärkten. Foto: Kirchhoff/ BGI

Erste Primeln vernichtet

RTL Nord berichtete bereits über die Vernichtung erster Primeln, die nicht mehr vermarktet werden konnten. In den Gewächshäusern werde der Platz benötigt für die Folgekulturen, doch stehen die Flächen nach wie vor voll. Der Absatz war durch die anhaltenden Schließungen daher nicht möglich. Bei andauerndem Lockdown werden das nicht die letzten Pflanzen gewesen sein, denen das Schicksal Kompost drohe. Ein Öffnungsszenario sei demnach zwingend notwendig, da der Preisdruck durch die Situation ebenfalls steige. Einen detaillierten Marktbericht der Blumengroßmärkte Mannheim und Hamburg können Sie der TASPO 7/2021 entnehmen, die am 19. Februar 2021 erscheint.   

Millionen von Frühjahrsblühern stehen bereit

Auch der Verband des deutschen Blumen- Groß- und Importhandel (BGI) zeigt sich besorgt. „Anfang März startet für die Branche die Frühjahrssaison“, betont BGI-Präsident Norbert Engler. „Schon jetzt stehen nicht nur Millionen blühender Pflanzen bereit, sondern auch die Pflanzen für die Selbstversorgung, auf die viele Konsumenten heute mehr denn je Wert legen. Saatgut muss ausgesät und Gemüsejungpflanzen in den nächsten Wochen gesetzt werden. In den Schnittblumenbetrieben suchen Tulpen, Hyazinthen, Ranunkeln, Gerbera und Frühlingszweige ihre Abnehmer. Die Geschäfte des grünen Handels müssen die Möglichkeit bekommen ihre Arbeit wieder aufzunehmen, um diese Blumen und Pflanzen zu verkaufen“, so die klare Forderung Englers.  

„Wir handeln mit lebender Ware, verderblichen Frischeprodukten, die dem Markt in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen. Viele Produktionsgärtnereien sind Saisonbetriebe die Frühjahrsblüher und Beetpflanzen verkaufen. Ihre Saison beginnt jetzt und die Blumen und Pflanzen müssen spätestens ab Anfang März verkauft werden, wenn sie nicht vernichtet werden sollen. Es handelt sich um lebende Produkte, ein späterer „Sale“ oder Einlagern, wie in anderen Branchen, ist bei uns nicht möglich“, erklärt der BGI-Präsident die aktuell bedrohliche Lage der Produktionsbetriebe.

Branchenverbände erneuern Forderung zur bundesweiten Öffnung

Vor diesem Hintergrund haben die grünen Branchenverbände ZVG, BHB, VDG, FDF, BGI, IVG und Landgard in einer gemeinsamen Mitteilung ihrer Forderung nach einer bundesweiten Öffnung des grünen Fachhandels zum 1. März 2021 nochmals Ausdruck verliehen. „Die gärtnerischen Betriebe, Baumärkte, der gärtnerische Fachhandel und Floristikfachgeschäfte in Deutschland bereiten sich seit Wochen auf die Frühjahrssaison vor und benötigen dringend Planungssicherheit. Verkaufsstellen und Produzenten brauchen jetzt ein politisches Signal, um in die Planung für eine Wiedereröffnung gehen und die Warenverfügbarkeit sicherstellen zu können", heißt es in der Meldung der Verbände.

Erste Bundesländer erlauben Öffnung

Erste Bundesländer wie Niedersachsen und Hessen hatten der Öffnung von Gartencentern, Gärtnereien und Blumenfachgeschäften bereits zugestimmt. Medienberichten zufolge wolle auch Bremen noch in dieser Woche nachziehen und einen Einkaufstourismus ins angrenzende Niedersachsen damit unterbinden. Auch in Baden-Württemberg steht eine Öffnung zur Diskussion. Bei einer Inzidenz von 35 oder niedriger an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen soll es dem grünen Einzelhandel erlaubt werden, zu öffnen. Das betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Wir müssen uns vorsichtig vortasten, Schritt für Schritt. Und sofort reagieren, wenn die Zahlen wieder nach oben schnellen sollten. Ich kann auch nicht garantieren, dass wir nicht mal einen Schritt zurückgehen müssen, eine Öffnung wieder zurücknehmen müssen, wenn der Schutz von Leben und Gesundheit der Bevölkerung verlangt“, so Kretschmann. Des Weiteren zog am Donnerstagnachmittag auch Thüringen nach und erlaubt laut Gesundheitsministerium des Landes ab 1. März Baumschulen, Gartenmärkten, Gärtnereien und Floristikgeschäften zu öffnen.

Wettbewerbsverzerrung zugunsten LEH befürchtet

Wie auch in Hamburg und Mannheim sei man beim BGI nicht besorgt, dass der LEH und Supermärkte Schnitt- und Topfpflanzen anbieten dürfen. Eine Wettbewerbsverzerrung und weitreichende Umwälzungen in den Handelsstrukturen können hier die Folgen sein. „Schnittblumen und Topfpflanzen sind Produkte des täglichen Bedarfs, die in den Supermärkten tagtäglich reißenden Absatz finden und zum Ärger des Fachhandels dort aktuell besonders offensiv beworben werden. Die Menschen greifen dort zu, wo Blumen und Pflanzen angeboten werden, sie brauchen in dieser Zeit die positive Atmosphäre, die sich mit Blumen und Pflanzen in Haus und Garten schaffen lassen“, so Engler.

Dementsprechend müsse der grüne Fachhandel schnellstens wieder öffnen. Auch sei ein starker Preisdruck in den Produktionsbetrieben zu erwarten, da sich die Waren dort anhäufen und der LEH zu Niedrigpreisen einkaufen kann, weil der Absatzkanal Fachhandel fehle. Engler sieht zudem auch den Fachhandel gut gerüstet, denn bereits im vergangenen Frühjahr wurden Konzepte entwickelt und Investitionen getätigt, um den Einkauf sicher zu gestalten. „Viele Fachhandelsgeschäfte haben große Verkaufsflächen und sind weniger stark frequentiert als Lebensmittelgeschäfte und auch in kleineren Blumengeschäften lässt sich die Kundenfrequenz sehr gut regeln, wie unter anderem das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt. Jede zusätzliche Verkaufsstelle für Blumen und Pflanzen hilft die zu erwartende große Nachfrage zu verteilen.“

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