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Erster Deutscher Baumkönig: „Ich brenne für meine Disziplin“

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Das gab es noch nie: Mit Nikolaus Fröhlich wurde jetzt erstmals ein Deutscher Baumkönig ernannt, der 2021 als Botschafter der „Baum des Jahres“-Stiftung unterwegs sein und für Ilex als seine Patenart werben wird. TASPO Online sprach mit dem Studenten der Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung über den Baum des Jahres, dessen Verwendungsmöglichkeiten und Fröhlichs „Mission“ als erster Deutscher Baumkönig.

Möchte positiven Einfluss auf unsere Umwelt nehmen: Baumkönig Nikolaus Fröhlich. Foto: Johann Kovacs

Als Baum des Jahres 2021 wurde die Stechpalme gekürt. Was sind für Sie die besonderen Vorzüge von Ilex?

Der Titel „Baum des Jahres“ erfordert keine besondere Qualifikation des Baumes selbst. Er muss aber zum Gespräch anregen können. Er muss Themen eröffnen, mit gesellschaftlicher und fachlicher Relevanz. Ich persönlich finde, dass der Ilex durch seine Besonderheiten sehr viele Themen aufgreifen lässt, zum Beispiel Unterholz im bewirtschafteten Wald (mit Umwelt- und Naturschutzaspekt), natürliche Veränderung der Verbreitungsgebiete von Gehölzen und Verwendung von giftigen beziehungsweise immergrünen Pflanzen im öffentlichen und privaten Freiraum. Meist hat man ein festes Bild von den Dingen – was normal ist und wie man etwas macht. Diese zu überdenken, ist in unserer sich ständig verändernden Welt notwendig. Der Ilex und die Diskussion um ihn ermöglichen uns neue Blickwinkel auf vieles.

Welche Bedeutung hat Ilex für Sie als angehender Landschaftsarchitekt in der Gestaltung öffentlichen Grüns?

In meiner voralpenländischen Heimat ist der Ilex bisher selten in Verwendung, zu kalt waren die Winter bisher und der Boden ist oft zu schwer (das offizielle königliche Foto mit einem großen Ilex ist auf der Insel Mainau am Bodensee entstanden). Erschwerend kommt hinzu, dass die Pflanze in allen Teilen giftig ist und die Beeren trotzdem appetitlich aussehen. Das disqualifiziert ihn für Spielplätze und schreckt auch private Gartenbesitzer ab. Die fast unbedenklichen männlichen Sorten haben wiederum diesen sehr hübschen Fruchtaspekt im Herbst und Winter nicht.

Ich freue mich über ein heimisches immergrünes Laubgehölz mit so viel Charakter und Geschichte. Die laublose und lautlose Zeit ist ohnehin lange genug; Nadelgehölze können das nicht kompensieren. Tatsächlich sollte in der Pflanzenverwendung mehr Augenmerk auf das Winterhalbjahr gelegt werden. Der Ilex als Hecke geschnitten oder frei als Solitär hilft, die Struktur und Blickfänge ganzjährig zu erhalten, auch wenn er im Sommer wieder im Schatten stehen sollte. Doch selbst dann erfüllt er als dunkler und dichter Kontrast im Hintergrund eine wichtige gestalterische Funktion. Wenn man nun noch an die ökologischen Nischen denkt, die der Ilex eröffnet, dann ist es verwunderlich, dass man ihn nicht öfter sieht. Das Summen der Insekten, das Zwitschern und Flattern der Vögel können so noch in viele Entwürfe eingeplant werden.

Die Stechpalme gilt als besonders schützenswert, da ihre natürlichen Bestände stark zurückgegangen waren. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Baumkönig in diesem Zusammenhang?

Der Natur- und Artenschutz ist erfolgreich und nachhaltig, wenn die Bevölkerung mit Akzeptanz und Verständnis dahintersteht. Nun ist es aber auch so, dass kuschlige Vögel und Säugetiere mehr Zuspruch finden als Insekten, Orchideen werden als sympathischer empfunden als stachlig-giftige Sträucher. Ich möchte die schönen und faszinierenden Seiten des Ilex aufzeigen und den Menschen nahebringen. Erst muss man ihn kennenlernen, dann wird man ihn lieben lernen und davon profitieren alle.

Anlässlich Ihrer „Inthronisierung“ haben Sie Ilex mit einer spannenden Romanfigur verglichen – „bunt gekleidet, wehrhaft und giftig, mit exotischer Verwandtschaft und doch irgendwie immer im Schatten der anderen“. Inwieweit können Sie sich mit diesen Merkmalen identifizieren?

Es ist tatsächlich so, dass ich als Baumkönig – um der Aufgabe als Botschafter der Art und aller Bäume gerecht zu werden – ein paar dieser Eigenschaften annehme. Offensichtlich ist mein auffälliges Gewand. Eine gewisse Wehrhaftigkeit und Gift sind sicher in manchen Diskussionen hilfreich. Die zähen Seiten des Ilex nehme ich mir auch gern zum Vorbild: das Holz, aus dem man geschnitzt sein will! Allerdings könnte man die Schattenverträglichkeit an manchen Standorten auch als Vollsonnen-Unverträglichkeit bezeichnen … Sie sehen, man muss vorsichtig sein, wen oder was man sich zum Vorbild nimmt!

Gerade in der Adventszeit ist Ilex beliebt zu Dekorationszwecken, ihr Vorname ist Nikolaus – reiner Zufall, oder war dies eventuell mitauschlaggebend für Ihre Wahl zum Baumkönig?

Mein Name hat mir schon viel Glück und anderen ein Lächeln gebracht. Zur Wahl des Baumkönigs war wohl nur mein Fachwissen ausschlaggebend. Als studierender Landschaftsarchitekt war ich in diesem Fall vielleicht tatsächlich Bewerbern aus anderen Disziplinen vorzuziehen. Und genau genommen bin ich nach dem Hl. Nikolaus von der Flüe (Nationalheiliger der Schweiz, Gedenktag: 25. September) benannt, aber ich freue mich auch am 6. Dezember über Glückwünsche und die Feiertagsstimmung.

Was hat Sie generell dazu motiviert, sich für das Amt des Baumkönigs zu bewerben?

Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch, schon immer hatte ich eine große Faszination für Pflanzen aller Art. Mit dem Studium „Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ rückte die Interaktion des Menschen mit den Pflanzen mehr in den Mittelpunkt. Vor allem die vielfältigen Nutzen, die wir aus Bäumen ziehen und die Jahrtausende kultureller Verbundenheit sind wahrhaftig unglaublich. Durch das Amt mehr zu lernen über Bäume und die Gesellschaft, dabei auch noch Wissen zu vermitteln und andere zu inspirieren, das war meine Motivation für die Bewerbung. Überhaupt hat mich erst eine Kommilitonin darauf hingewiesen, dass ich wie geschaffen wäre für den Titel und die Aufgabe.

Sie sind Deutschlands erster Baumkönig, zuvor war dieses Amt fest in weiblicher Hand – sehen Sie sich auf diesem Gebiet als „Vorreiter“ in puncto Gleichberechtigung?

Die „Baum des Jahres“-Stiftung, die bereits vor zwei Jahren die Tore auch für männliche Bewerber geöffnet hat – bisher war noch kein überzeugender dabei –, könnte als Vorreiter bezeichnet werden. Interessanterweise erfahre ich jetzt aus erster Hand Vorwürfe in Bezug auf das „Quoten-Geschlecht“.

Worauf freuen Sie sich mit Blick auf Ihre Amtszeit besonders?

Natürlich freue ich mich sehr auf Pflanzungen jeglicher Baumarten in jeder Art und Weise. Besonders freue ich mich aber auch auf Kontakte und Gespräche mit Fachleuten, Amateuren und den ganz „Normalen“. Jeder Mensch hat seine Geschichte, Ansprüche und Ansichten mit Bezug zu Bäumen, der Pflanzenverwendung und Freiraumgestaltung allgemein. Diese besser zu kennen, heißt besser gestalten und handeln zu können. Ich brenne für meine Disziplin und möchte positiven Einfluss auf unsere Umwelt – Städte, Dörfer, Einzelgrundstücke und ganze Landschaften – nehmen. Ich werde in meiner Amtszeit noch vieles lernen und manches anwenden. Es ist und bleibt spannend!

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