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Exotisches Gemüse: Okra bis Yacón in Zukunft heimisch?

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Gemüsearten wie Yacón, Okra und Süßkartoffeln werden in Publikumsmedien oft als Superfood angepriesen und erfreuen sich bei Verbrauchern zunehmender Beliebtheit. Wie die Kultur der Exoten auch in heimischen Gefilden gelingen kann, erklärt Thomas Jacksch, Betriebsleiter im Institut für Gemüsebau an der Fachhochschule Weihenstephan.

Wärmebedürftige Gemüsepflanzen: Okra

Okra (Abelmoschus esculentus), die auch Gemüse-Eibisch genannt wird, zählt zu einer der ältesten Gemüsepflanzen und wurde schon vor rund 3.000 Jahren in Ägypten angebaut. Die Pflanzen sind sehr wärmebedürftig, wachsen strauchartig bis zu 200 Zentimeter. Produziert werden die gerippten, vier- bis fünfeckigen Kapselfrüchte. Die Anzucht erfolgt aus Samen, wobei das Saatgut vorgequellt werden sollte, dann erfolgt die Keimung bei rund 20 Grad Celsius problemlos. Ausgepflanzt wird im Gewächshaus ab April mit zwei bis drei Pflanzen pro Quadratmeter. Die Aufleitung der sich entwickelnden Triebe erfolgt an Schnüren oder Netzen. Die Weiterkultur entspricht ähnlich der Produktion von Paprika oder Auberginen. Die weißen bis hellgelben Blüten sind Selbstbestäuber. Jacksch empfiehlt, zur sicheren Befruchtung Hummeln einzusetzen. Bei der Kultur sei auf Echten Mehltau, Läuse, Spinnmilben und Nematoden zu achten. Die gurkenförmigen, bis 25 Zentimeter langen, eckigen Früchte können nach fünf bis acht Wochen bis in den September geerntet werden. Als Ertrag kann mit 50 bis 60 Früchten pro Quadratmeter gerechnet werden.

Kultur von Süßkartoffeln und Yacón im Freiland möglich

Für die Kultur von Süßkartoffeln (Ipomoea batatas) ist Jacksch zufolge ein tiefgründiger, warmer Boden besonders günstig. Die Kultur könne im Freiland erfolgen, günstiger sei jedoch ein kaltes Folienhaus für die Entwicklung der Pflanzen. Die Vermehrung erfolgt vegetativ durch Stecklinge, wobei die Bewurzelung bei 18 bis 20 Grad Celsius rund zwei Wochen dauert. Übliche Pflanzzeiten sind Mai bis Mitte Juni, etwa vier Pflanzen pro Quadratmeter werden ausgepflanzt. Die Kulturzeit beträgt 90 bis 120 Tage, wobei die Entwicklung mit einer zusätzlichen Stickstoff- und Kalidüngung gefördert wird. Obwohl trockenheitstolerant, sollte bei Trockenheit zusätzlich bewässert werden. Pflanzenschutz-Maßnahmen sind bei einem Befall durch Feldmäuse, Drahtwürmer und Nematoden durchzuführen.

Die Ernte dauert von Mitte September bis zum Frosteintritt. Um die Wurzeln schonend roden zu können, wird vorab das Laub abgemulcht. Die Knollen werden grob von Erde befreit und anschließend etwa zwei Wochen in Kisten warm, möglichst bei rund 25 Grad Celsius und dunkel zur Härtung der Schale gelagert (Curing-Behandlung). Danach können die Knollen bei 13 bis 15 Grad Celsius sechs bis zwölf Monate gelagert werden. Angestrebt werden sollte ein Kilogramm marktfähige Knollen je Pflanze, was einem Ertrag von vier Kilogramm pro Quadratmeter entspricht, zeigte Jacksch auf.

Yacón (Smallanthus sonchifolius) ist ein Wurzelgemüse, die Kultur kann im Freiland ähnlich der Süßkartoffeln erfolgen, es ist aber auch ein Anbau unter Folie möglich. Zur optimalen Entwicklung ist ein lockerer, humusreicher und tiefgründiger Boden sowie ein vollsonniger Standort sehr wichtig, betont Jacksch. Die Anzucht erfolgt in der Regel aus Stecklingen im Frühjahr, die Pflanzung ab etwa Mitte Mai mit zwei bis drei Pflanzen pro Quadratmeter. Die Kulturzeit erstreckt sich über 150 bis 170 Tage. Die Knollenbildung werde durch eine ausreichende Zusatzdüngung gefördert, außerdem sollte der Boden stets gleichmäßig feucht gehalten werden. Die Pflanzen werden gerne von Thripsen, Mäusen und Schnecken befallen. Die Ernte kann im September – besser später – erfolgen, Zielertrag liegt bei drei bis vier Kilogramm pro Quadratmeter.

Unreife Sojabohnen: Edamame

Unter der Bezeichnung Gemüsesoja „Edamame“ ist Glycine max bekannt. Die Kultur erfolgt ähnlich den Buschbohnen. Das Saatgut wird ab Ende April bis Mitte Juni auf einem humosen, lockeren und tiefgründigen, möglichst warmen Boden ausgesät. Oder Jungpflanzen ab Mitte bis Ende Mai auspflanzen. Von der Standweite – 15 bis 25 Pflanzen pro Quadratmeter – ist später der Ertrag und die Qualität abhängig, so Jacksch. Eine Abdeckung mit Vlies oder Folie ermöglicht eine Verfrühung der Ernte um ein bis zwei Wochen. Während der Kultur ist auf eine ausreichende Bewässerung zu achten und eine zusätzliche Düngung erforderlich. Mit einem Erntetermin kann ab August, rund 35 bis 40 Tage nach der Blüte gerechnet werden. Die Hülsen müssen voll entwickelt und noch grün sein. Bei kleinflächigem Anbau wird die Ernte von Hand, bei großflächigem maschinell durchgeführt. Der Hülsenertrag beträgt im Durchschnitt ein bis zwei Kilogramm pro Quadratmeter Von Bedeutung ist, dass frische Hülsen schnell abgekühlt werden sollten und bei null bis plus drei Grad Celsius gelagert werden können.

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