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Experiment: Bilden Stecklinge im All Wurzeln?

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Können Stecklinge in der Schwerelosigkeit des Weltalls Wurzeln bilden? Das will ein Schulforschungsprojekt eines agrarwissenschaftlichen Gymnasiums in Ravensburg herausfinden. Am Wochenende sind die ersten Versuchsobjekte in einer Rakete zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet.

Die Stecklinge sind in einem Nährmedium auf dem Weg ins All. Foto: BASF

„Bis heute wurden die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Stecklinge noch nicht untersucht. Das ist ein einmaliges Erlebnis“, freut sich Maria Koch. Zusammen mit Raphael Schilling und David Geray hat sie das V3PO benannte Projekt 2015 im Rahmen einer „Jugend forscht“-Arbeit an der Edith-Stein-Schule Ravensburg & Aulendorf entwickelt. Mittlerweile studiert das Trio Agrarwirtschaft.

Kletterfeigen-Stecklinge auf Weltraummission

Verwendet haben Koch, Schilling und Geray 15 Millimeter große Stecklinge der Kletterfeige (Ficus pumila) – die Pflanzen sind nicht nur klein genug für die Reise ins All, sie überstehen auch die Temperaturschwankungen zwischen 4 und 28 Grad Celsius.

Als Transportbox für die Stecklinge, die sich in einem Nährmedium auf Agrarbasis befinden, dient der Hightech-Experimentiercontainer AFEx Habitat. So verpackt wurden die Pflanzen 36 Stunden vor Start der SpaceX-Rakete einem Einsatzteam der NASA übergeben. Am Sonntag um 9:39 Uhr Ortszeit schließlich starteten die Versuchsobjekte vom Kennedy Space Center in Florida gen ISS.

Stecklinge bleiben einen Monat lang im All

30 Tage lang sollen die Stecklinge jetzt im Weltraum bleiben um herauszufinden, ob sie in der Schwerelosigkeit Wurzeln bilden und so zur Vermehrung von Pflanzen im Weltraum dienen könnten. Sollte dies der Fall sein, wäre die Forschung ihrem Ziel, für lange Raumfahrtmissionen wie etwa die Reise zum Mars frische Lebensmittel bereitstellen zu können, einen entscheidenden Schritt näher.

„Wenn wir weit in die Zukunft blicken, in der Ackerbau im Weltraum Realität sein wird, dann werden wir vielleicht zu den Pionieren in diesem Bereich zählen“, so Raphael Schilling. Sobald das Experiment im All beendet ist, führen er und seine beiden Projekt-Mitstreiter einen Kontrollversuch auf der Erde unter dem Einfluss der Schwerkraft durch.

Pflanzenschutz-Experten von BASF unterstützen Experiment

Unterstützt wird das Projekt V3PO unter anderem von den Pflanzenschutz-Experten bei BASF. Zur Entwicklung ihres Experiments absolvierten die drei Projektbeteiligten ein Praktikum am BASF-Agrarzentrum in Limburgerhof. Außerdem stellt BASF verschiedene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, um die Stecklinge auf ihrer Weltraummission vor Bakterien- und Pilzbefall zu schützen.

Neben BASF und der NASA unterstützen unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Airbus und die Kreissparkasse Ravensburg das Forschungsprojekt.