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Facheinzelhandel: starkes Umsatzplus im ersten Quartal 2021

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Nach Startschwierigkeiten im Januar durch den Lockdown, konnte die Grüne Branche dank bundesweiter Öffnung ab März durchstarten und im ersten Quartal 2021 insgesamt satte Umsatzsteigerungen erreichen – das ergaben die Betriebsauswertungen von elf Einzelhandelsgärtnereien im süddeutschen Raum. Marketingberater Norbert Elgner stellt nachfolgend einige Aspekte zum Quartalsverlauf im Facheinzelhandel zusammen.

Jahresauftakt begann mit einer Vollbremsung

Der komplette Zeitraum war geprägt von einem Auf und Ab in der Corona-Pandemie. Neue Virusvarianten erhöhten noch das Infektionsgeschehen. Eine Entspannung der Lage war leider nicht in Sicht – im Gegenteil, sie verschärfte sich gegen Ende des Quartals. Ein Blick auf die Geschäftssituation im Grünen Fachhandel ist in dieser außergewöhnlichen Zeit immer auch ein Spiegelbild dessen, unter welchen Einschränkungen Geschäfte überhaupt abgewickelt werden können.

Der erste Monat im neuen Jahr begann gleich mit einem fulminanten Fehlstart, nämlich mit einem Lockdown. Genauer, es war eine Fortsetzung des Beschlusses der Bund-Länder-Konferenz vom 16. Dezember 2020. Die Geschäftstätigkeit beschränkte sich auf das Click & Collect-Prinzip, mit Ausnahme einiger Bundesländer wie Hessen und Nordrhein-Westfalen. Am 7. Januar meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 31.849 Corona-Infizierte an einem Tag sowie 1.019 Tote, die mit oder an Corona verstorben sind. Dabei mischte bereits die britische Variante B 117 mit. Schon zu diesem Zeitpunkt war für viele Virologen und Epidemiologen klar, dass sich eine dritte Welle ankündigt. Alle Baumarktketten, Möbelhäuser und sonstige Filialisten, die Blumen und Pflanzen führen, waren dicht. Ausgenommen blieb lediglich der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) mit seinem bekanntermaßen sehr eingeschränkten Sortiment im Grünen Bereich. Da der Januar für die Branche der schwächste Umsatzmonat des Jahres ist, mit unter fünf Prozent Umsatzanteil, hielten sich die geschäftlichen Einbußen in Grenzen, zumal auch noch erhebliche Schneemassen in einigen Regionen hinzukamen. Wichtig war für den Einzelhändler dennoch, wenigstens über Click & Collect Verkaufsbereitschaft zu zeigen.

Februar mit dem ersten Gradmesser Valentinstag

Die Blumenfachgeschäfte blieben weiterhin im Werkstattmodus, denn der Lockdown wurde unverändert fortgesetzt. So drohte vor allem der Valentinstag, als erster Konsumgradmesser für Gärtner und Floristen, den drastischen Corona-Einschränkungen zum Opfer zu fallen. Denn es war klar, dass weder Click & Collect noch Order & Collect einen „normalen“ Geschäftsverlauf kompensieren können. Ganz generell waren selbstverständlich bei fast komplett geschlossenen Einkaufsstraßen wesentlich weniger Passanten unterwegs. Der sonst übliche Einkaufsbummel fiel weg, spontane Umsätze: Fehlanzeige. Große Unwägbarkeiten traten in den Produktionsbetrieben auf, denn sie mussten mit ihrer Pflanzenproduktion voll ins Risiko gehen. Für Gartenmärkte, Gärtnereien und den Blumenfachhandel in den Bundesländern, die den Verkauf von Blumen und Pflanzen einschließlich direktem Zubehör als systemrelevant einstuften, sah die Geschäftslage völlig anders aus. Hier kam es zu frequenzbedingten Umsatzsteigerungen, die sich schon als Sonderkonjunktur bezeichnen lassen.

Konkrete Betriebsauswertungen durch den Autor in elf identischen Einzelhandelsgärtnereien im süddeutschen Raum, beispielsweise mit Lockdown in Bayern, Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz, dagegen Systemrelevanz in Hessen, mit geöffnetem Grünen Fachhandel, zeigten für den Februar ein sehr ambivalentes Bild. Denn in den Fällen mit erlaubten Geschäftsöffnungen ergaben sich im Februar Umsatzzuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Hinzu kam in Grenzregionen zu geschlossenen Bundesländern noch der Shopping-Tourismus, auf den die Geschäfte in den vom Lockdown betroffenen Bundesländern nur neidvoll blicken konnten. Insofern kam es auch an Valentinstag, der zudem noch auf einen Sonntag fiel und vielfach von Schnee und Eiseskälte begleitet war, zu Geschäftsaktivitäten, die von „super“ bis „katastrophal“ reichten.

Am 10. Februar beschloss die Bund-Länder-Konferenz die Fortsetzung des Lockdowns bis zum 7. März. Keine guten Aussichten für den Absatz von Frühlingsprimeln und Co. Mit fortschreitender Jahreszeit in Richtung Frühlingssaison wuchs die Unsicherheit in der Grünen Branche. Fachverbände der Gärtner und Floristen liefen Sturm gegen den Lockdown. Gartencenter, vertreten im Verband Deutscher Garten-Center (VDG), forderten in einer Petition die bundesweite Öffnung mit dem meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März. Als Argument wurde auf die Bedeutung von Blumen und Pflanzen für den täglichen Bedarf hingewiesen. Ferner auf die Bedarfsdeckung mit Jungpflanzen von Kräutern und Gemüsearten, die jetzt erfolgen muss, damit Kunden ihre eigenen Lebensmittel erzeugen können. Nicht zuletzt ging es aber auch darum, riesige Mengen an Frühlingsblumen und -pflanzen vor der drohenden Kompostierung zu retten. Die Unwägbarkeiten setzten eine Spirale bis hin zu Produzenten in Gang, die auf die Räumung der Flächen für die Folgekulturen von Beet- und Balkonpflanzen angewiesen sind. In der Tat lagen bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern die Nerven blank. Da und dort mussten bereits die ersten Frühlingsprimeln entsorgt werden.

Am 4. Februar begann in Deutschland der Impfstart, bei allerdings drastischem Impfstoffmangel. Was das Infektionsaufkommen anbelangte, so blieb die Lage, zumindest rückblickend betrachtet, noch im Rahmen. Das Infektionsgeschehen zwischen 12. Februar und Ende Februar bewegte sich auf einem Niveau von etwa 10.000 Infizierten pro Tag. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei durchschnittlich 60 Infizierten je 100.000 Einwohner. Nun liefen auch die ersten Schnelltests an. Ein Freitesten fürs Shopping, aber auch für Schulöffnungen kam zur Sprache. Noch aber waren auch die Schnelltest-Kits Mangelware. In der Wirtschaft sowie in der Bevölkerung erhöhte sich der Druck in Richtung Öffnungsstrategien. Dagegen warnten die Intensivmediziner vor der galoppierenden Ausbreitung einer dritten Welle, wenn jetzt die Politik diesem Druck nachgeben sollte.

Grünes Licht für den ersten Frühlingsmonat März

Die Argumente der Grünen Branche, flankiert vom allgemeinen Öffnungsdruck in der Bevölkerung und nicht zuletzt vor dem Hintergrund der beginnenden Gartensaison, schufen die Voraussetzungen in der Politik für eine annähernd bundesweite Öffnung des Grünen Einzelhandels ab dem 1. März. Privilegien, die auf gleicher Stufe standen wie etwa für Friseurgeschäfte. Für den Monat März stand dem regulären Verkauf von Blumen und Pflanzen nichts mehr im Wege. Kunden konnten sich, immer unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln, mit Blumen und Pflanzen nach Herzenslust eindecken – ab 8. März bundesweit. Der Verkauf von Frühlingsblühern war folglich gerettet. Während das Infektionsgeschehen nun deutlich über 10.000 Infizierte pro Tag waberte, lief der Absatz im gesamten geöffneten Pflanzenhandel auf Hochtouren. Viele zufriedene Mienen gab es in Unternehmerkreisen anzutreffen, was den Geschäftsverlauf im ersten wichtigen Umsatzmonat anbetraf. Selbst der Frauentag am 8. März, der im Westen noch nicht als besonders umsatzträchtig gilt, nahm unter Corona mehr Fahrt auf.

In der Pandemie-Bekämpfung bahnte sich, nach der Bruchlandung der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin am 21. März ob des verschärften Oster-Lockdowns, ein Paradigmenwechsel an, der allerdings erst im April mit der Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes, der sogenannten „Bundesnotbremse“, vollzogen wurde. Zu sehr war unter dem weiteren Anstieg der Inzidenzen der Blick etlicher Länderverwaltungen auf Lockerungen gerichtet, statt auf die Pandemie-Bekämpfung. Die Instrumente Testen und Bummeln standen im Widerspruch zur wirksamen Senkung der Fallzahlen. Ende des Monats März deutete sich bereits eine Verschärfung des Lockdowns für weitere Wochen an, wobei der Grüne Fachhandel unabhängig von der Inzidenzentwicklung, geöffnet bleiben durfte. Dies dank der Einstufung in die Rubrik „Erweiterter täglicher Bedarf“, natürlich unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln.

Am Ende des Monats schlug sich der durch Corona befeuerte Pflanzenhype auch im Umsatzplus nieder. Den Auswertungen zufolge schlossen 90,9 Prozent der an den Erhebungen teilnehmenden Einzelhandelsgärtnereien das erste Quartal 2021 teilweise sogar mit einem deutlichen Umsatzplus im zweistelligen Prozentbereich ab, im Vergleich zum ebenfalls Corona-beeinträchtigten Zeitraum des Vorjahres. Wenig überraschend. Aussagekräftiger wird ein Vergleich zum Umsatz des „normalen“ ersten Quartals 2019, den 81,8 Prozent der ausgewerteten, identischen Betriebe größtenteils ebenfalls deutlich im zweistelligen Prozentbereich übertrafen. Zurückführen lässt sich die positive Umsatzentwicklung in erster Linie auf eine deutlich erhöhte Kundenfrequenz. Aber auch der Umsatz pro Kunde, sprich Kassenbon, lag im Plus, wenn auch nicht ganz so deutlich wie die Kundenfrequenzsteigerung.

Fazit

Das erste Quartal 2021 verhalf vielen Einzelhändlern in der Grünen Branche – mit Verlaub, dank der Corona-Pandemie und der Privilegierung – zu einem deutlich überdurchschnittlichen Umsatzplus. Dies umso mehr, je pflanzenlastiger sich das Portfolio in den Betrieben darstellt. Zurückzuführen ist die Entwicklung auf eine deutlich höhere Kundenfrequenz, zum einen bedingt durch den Wegfall anderweitiger Konsumoptionen, zum anderen aber auch infolge eines erhöhten Bedarfs an Blumen und Pflanzen. Denn wer durch die Pandemie gezwungen ist, mehr Zeit zuhause zu verbringen, bekommt Lust, sein Heim drinnen und, wenn die Möglichkeit besteht, auch draußen zu verschönern, wohnlicher, freundlicher und gerade wegen aller momentaner Einschränkungen ein Stück weit lebenswerter zu gestalten. Dazu leisten erwiesenermaßen Blumen und Pflanzen für viele Bürger einen wesentlichen, augenscheinlichen Beitrag, ohne allzu tief ins Portemonnaie greifen zu müssen.

Die aktuelle Nachfragesteigerung ist für den Grünen Fachhandel zwar erfreulich, trägt jedoch zu einer weiteren Verschärfung der Arbeitsbelastung, respektive des Personalmangels bei. Der gravierende, chronische Engpass in vielen Unternehmen unserer Branche schlechthin. Bleibt nun noch mit Blick in die Zukunft etwa die Frage, was vom Pflanzenhype bleibt, wenn mit dem ersehnten Ende der Pandemie sich alle Konsumgewohnheiten wieder auf den Normalzustand einpendeln. Kann oder wie kann die Branche einen nachhaltigen Nutzen aus dem derzeitigen Nachfrageboom, dem verstärkten Gärtnern oder dem Urban Gardening wie es neudeutsch heißt, ziehen? Es bleibt spannend in jeder Hinsicht.

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