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Fachhändler trotzen dem Online-Handel

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Frisst die Digitalisierung den inhabergeführten Handel? Wie eine neue Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) zeigt, können trotz des boomenden Online-Handels gerade kleine und mittlere Fachhändler, zu denen auch Gartencenter gehören, sich in ihren Nischen behaupten.

Der Online-Handel wächst mit hohem Tempo. Wie kleine und mittlere Handelsunternehmen mit dieser Herausforderung umgehen, hat eine aktuelle Studie jetzt untersucht. Foto: Pixabay

Fachhändler stärken ihre klassischen Kompetenzen

Der Handel wird durch Digitalisierung und boomenden Online-Handel erschüttert. Gleichzeitig halten neue digitale Technologien auch im stationären Handel Einzug. Doch drohen gerade kleine und mittlere, inhabergeführte Läden – die noch immer den Großteil des deutschen Groß- und Einzelhandels ausmachen – von diesen Entwicklungen überfordert zu werden.

Klaus-Peter Buss vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) hat in der Studie untersucht, wie kleine und mittlere Handelsunternehmen (Handels-KMU) mit der Digitalisierung umgehen. Die Händler reagieren demnach nicht mit einer bedingungslosen Anpassung, sondern setzen vor allem auf eine Stärkung der klassischen Kompetenzen des Fachhandels.

Viele Probleme haben wenig mit der Digitalisierung zu tun

Wie die Untersuchung zeigt, haben viele Probleme, mit denen Handels-KMU zu kämpfen haben, wenig mit Digitalisierung zu tun. Trotzdem ist der Wettbewerbsdruck hoch: „Seit der Jahrtausendwende hat der nicht filialisierte Fachhandel deutlich mehr Marktanteile an Filialisten, Discounter und Fachmärkte verloren als an den boomenden Online-Handel. Die Digitalisierung verschärft den Wettbewerbsdruck allerdings weiter, da gerade große Unternehmen die neuen technischen Möglichkeiten zur weiteren Rationalisierung nutzen“, so Buss.

Trotzdem verfügten gerade kleine und mittlere Fachhändler in ihren Nischen über Wettbewerbsstärken, die auch durch die Digitalisierung nicht in Frage gestellt werden.

„Verkaufen können“ bleibt zentrale Personalanforderung

Insgesamt stelle sich die Digitalisierung für die Unternehmen als schleichender Prozess dar. „Digitalisierung ist für die Unternehmen ein Hilfsmittel, das den traditionellen Wettbewerbsstärken untergeordnet bleibt“, betont der Göttinger Soziologe. „Das Kundenverhalten hat sich durch die Digitalisierung zwar verändert. Die Unternehmen reagieren darauf aber vor allem mit einer Stärkung der klassischen Kompetenzen des Fachhandels.“

Entsprechend, so ein Fazit der Studie, bleiben Kundenkommunikation und Beratung – das „Verkaufen können“ – die zentrale Personalanforderung. Für den Online-Handel sind die Unternehmen nur begrenzt offen. Für viele ist der Aufwand viel zu hoch, einen eigenen Online-Shop aufzubauen. Hier kommt oft Einkaufsverbänden eine wichtige Unterstützungsfunktion zu.

Verbundprojekt will kleine und mittlere Händler stützen

Für die Studie hat das SOFI in Südniedersachsen seit vergangenem Herbst ausführliche Expertengespräche in Unternehmen und ihrem Umfeld geführt. Die Ergebnisse wurden nun online veröffentlicht. Durchgeführt wurde die Studie im Verbundprojekt „DiHa 4.0 – Digitalisierung im Handel“. In diesem Projekt wollen die VHS Göttingen Osterode, die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Göttingen (GWG) und das SOFI Unterstützungsstrukturen für Handels-KMU im Prozess der Digitalisierung und der Anpassung von Aus- und Weiterbildung entwickeln.

Das Projekt „DiHa 4.0 – Digitalisierung im Handel“ wird im Rahmen des Programms JOBSTARTERplus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Das Programm JOBSTARTER wird vom Bundesinstitut für Berufsbildung durchgeführt.

Acht Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung auf der spoga+gafa

Die Digitalisierung wird den Handel grundlegend verändern: Diese Thematik zieht sich passend zur oben genannten Studie wie ein roter Faden durch das von TASPO GartenMarkt in Kooperation mit der Koelnmesse erstellte Vortragsprogramm auf der spoga+gafa, die vom 2. bis 4. September in Köln stattfindet.

Welche acht Schlüsseltechnologien in der Digitalisierung im Handel in den nächsten ein bis fünf Jahren einsatzbereit sein werden, zeigt Prof. Dr. Thomas Vogler, Handelsprofessor und Unternehmensberater, in seinem Vortrag im Forum Gartencafé – am 2. September von 15:45 bis 16:15 Uhr – auf.

Die komplette Vorschau auf das Vortragsprogramm im Forum Gartencafé der spoga+gafa lesen Sie im nächsten TASPO GartenMarkt.