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Fachtagung "Spielräume in der Zukunft": auch für Erwachsene und Senioren

Jung und alt, und die dazwischen auch: Alle wollen spielen, sich bewegen oder zusammen sitzen. Das hält gesund und fördert die Kommunikation. Das Wohnumfeld muss daher Möglichkeiten zu Spiel, Sport und Freizeitaktivitäten für alle Generationen bieten.

Attraktive Wohnumfelder werden angesichts des demographischen Wandels immer wichtiger, eröffnete Dr. Gerhard Jeschke eine Fachtagung zum Thema "Spielräume in der Zukunft." Jeschke vom Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen sieht Handlungsbedarf angesichts schrumpfender Bevölkerung, immer mehr älteren Bürgern und immer mehr Leerständen im Wohnungsbau.

Die Spielräume für Jugendliche und Erwachsene jeden Alters übernehmen eine immer größere Rolle. Wie wichtig sie sind, unterstrich Prof. Dr. Heinz Liesen vom Sportmedizinischen Institut der Universität Paderborn. Unebene Treppenstufen, schiefe Flächen, unterschiedliche Beläge seien eigentlich ideal für ältere Leute. Sie müssen balancieren, das schult die Feinmotorik und erhöht die Gehirntätigkeit. Natürlich stehen in Deutschland vielfach Normen und Gesetze dagegen. Das Training des Gehirns und damit eine verbesserte Durchblutung beugt Alterskrankheiten vor, stärkt das Abwehrsystem und baut Stress ab. Senioren brauchen einfach Aufgaben, die Koordination, Konzentration und Kreativität verlangen. Sandflächen können solche Reize setzen, die das Gehirn anregen, sagte Liesen. Sie gehören daher in jede Spielanlage. Spielräume müssen die Sinne aktivieren, das fehle vielfach. Sie müssen Antrieb und Reize für Bewegung geben.

Solche Spielräume in Wohnanlagen sollten mit den Mietern zusammen erdacht, diskutiert und geplant werden. Dafür plädierte Ulrich Bimberg, Vorsitzender des Spar- und Bauvereins Solingen. 14.000 Mitglieder zählt die Genossenschaft, 7326 Wohnungen, 64 Spielplätze. 19 Gärtner im Regiebetrieb kümmern sich um die Pflege der Außenanlagen, für Um- und Neugestaltung werden Garten- und Landschaftsbaubetriebe beauftragt. Zukunftsfähige Siedlungen bieten in ihren Außenanlagen allerlei Nutzungsmöglichkeiten zum Spielen und als Treffpunkt. Es gibt Mietergärten und Spielstraßen. Bei allen Maßnahmen ist die so genannte Bewohnerselbstverwaltung beteiligt. Die Mieter selber wählen über eigene Vertreter und Vertrauensleute einen Vorstand, so Bimbach. Vorschläge und Anregungen kommen daher und sie entwickeln mit der Verwaltung zusammen Konzepte, beispielsweise für Spielgeräte, die angeschafft werden sollen. Patenschaften können übernommen werden, um ein Auge auf die Spielplätze zu haben. Alle Um- und Neugestaltungen werden professionell geplant, aber immer mit der Bewohnerselbstverwaltung von Anfang an besprochen und alle Generationen werden hier berücksichtigt.

Bewohner des Erdgeschosses können direkt an die Wohnung angrenzend einen Hausgarten, nach eigenen Vorstellungen gestalten. Andere Bewohner konnen Flächen als Mietergärten nutzen. Darüber hinaus sind weitere Areale in den Außenanlagen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene als Gemeinschaftsflächen entstanden. Ein entsprechendes Wegesytem, manchmal auch nur Trampelpfade, erschließen die Anlage. Dazwischen sind parkähnliche Strukturen zum Spazierengehen, eingestreut sind Inseln zum Hinsetzen mit Pavillons als Treffpunkt zur Kommunikation.

Entsprechend der demographischen Entwicklung gibt es immer mehr ältere Leute und darunter immer mehr Singles. Diese Senioren, älter als sechzig Jahre, sitzen die meiste Zeit vor ihrem Fernseher, beklagte Prof. Kurt Friedrich Blank von der Fachhochschule Erfurt und Mitglied im Arbeitskreis Spielen im Freiraum der Forschungsgemeinschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL). Es sei eine Aufgabe der Wohnungsbausgesellschaften und der Fachplaner, darüber nachzudenken, wie sie Senioren ebenso wie die Kinder zu Aktivitäten nach draußen bringen können, sagte er. Es gebe einen Bedarf nach Freiräumen, wo sich die Senioren altersgerecht auch körperlich betätigen können. Dies sollte in den Außenanlagen barrierefrei sein, die Menschen müssen sich treffen und gemütlich miteinander kommunizieren können. Es ist möglich, barrierefrei zu planen und zu bauen, und es kostet auch nicht mehr, betonte er. Senioren müssen auch auf Jugendliche und auf Kinder treffen, damit alle Generationen miteinander ins Gespräch kommen und sich verständigen können. Bewegungsgeräte, attraktive Treffpunkte und ein genügendes Maß an Sicherheit, sieht er als die drei wichtigsten Punkte für eine gelungene Gestaltung der Außenanlagen.

Dr. Gerhard Jeschke sieht für die Zukunft einen Dreiklang, der für die Senioren stimmig sein muß. Es ist die Wohnung selber, die angebotene Dienstleistung und das Wohnumfeld.