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Fallschutzbeläge: HIC-Wert wird nicht verringert

Auf Kinderspielplätzen kommt es vor allem auf den Schutz von Kindern an. Die unterschiedlichen Körpergewichte im Vergleich zu Erwachsenen und die unterschiedlichen zu schützenden Körperteile – bei Kindern vor allem der Kopf – stellen andere Ansprüche an die Festigkeit und Dämpfungseigenschaften der Fallschutzmaterialien. Achim Höse, Projektleiter Kunststoffbeläge beim BSW Berleburger Schaumstoffwerk und in mehreren fachbezogenen Gremien ehrenamtlich tätig, stellt dazu fest, dass jeder nicht natürliche Fallschutzboden eine nach der Norm DIN EN 1177:2008 von einem unabhängigen Prüfinstitut bestätigte kritische Fallhöhe benötigt. 

Nur mit dieser Prüfung gelten die Fallschutzböden als verlässlich. „Orientierende Prüfungen“ oder solche nach veralteten Normen (etwa DIN EN 1177: 2002–03 und ältere) dürfen nicht als Nachweis der Fallhöhe einer ganzen Produktreihe verwendet werden. Eine Konformitätsbestätigung alleine ist ebenfalls nicht ausreichend.

Höse erklärte, dass sich bei der letzten Sitzung des europäischen Normungsgremium „Working Group 1 (WG1), an dem er als deutscher Delegierter teilnahm, alle Experten einig darüber waren, dass es darüber hinaus überhaupt keinen Grund dafür gebe, die „HIC-Wert-Verringerung“ (Kopf-Verletzungs-Faktor) oder das neue Schutzziel „Vermeidung von Knochenbrüchen“ zu thematisieren. Diese Ideen kämen vor allem aus Australien und Kanada, hätten mit der Realität jedoch nichts zu tun. Da es um Kinderspielplätze gehe, sei der Schutz von Erwachsenen unnötig und nicht zielführend. Diskutiert werde derzeit jedoch eine bessere Überprüfung aller Fallschutzbeläge vor Ort. Spruchreif sei jedoch noch nichts.

Anwender sollten bei der Wahl eines Fallschutzbelags für Spielplätze, Schulen oder Kindergärten abgesehen von den Anschaffungskosten besonders auf die Wartungs- und Pflegekosten achten – Stichwort Wegspieleffekt bei losem Material. Weitere wichtige Kriterien sind die Sanierungskosten, die Lebensdauer des Materials und die gestalterischen Möglichkeiten, die es bietet. Vor allem aber müsse die Frage gestellt werden, ob der Boden wirklich dauerhaft den Fallschutz garantiert, den der Betreiber benötigt.

In ganz Europa gewinnt der synthetische, vor allem der fugenlose Fallschutz nach Beobachtung von Achim Höse an Bedeutung. Ein Indiz dafür, dass die vorangestellten Fragen bei Kommunen, Gemeinden und Architekten bereits beantwortet wurden. (jen)