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Feuer, Wasser, Pandemie

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2020 war für Viele herausfordernd. Einen deutschen Auswanderer in Australien hat es jedoch besonders getroffen. Erst kamen die Jahrhundertfeuer, dann eine schwere Flut und schließlich noch die Corona-Pandemie: John Engelhardt, Besitzer einer Zitrus-Baumschule im australischen New South Wales stand dieses Jahr mehr als einmal vor dem Abgrund. (Scroll down for English version)

Ein deutscher Gartenbauer lebt auf der anderen Seite der Welt

Überhaupt eine eigene Baumschule zu gründen, war nicht das Ziel von John Engelhardt, als er 1998 mit seiner Frau Sonja Deutschland den Rücken kehrte – obwohl er selbst gelernter Baumschuler und Spross der Gießener Traditionsbaumschule Engelhardt ist. „Wir sind nach Australien gegangen, um einer christlichen Gemeinde beim Aufbau zu helfen“, erinnert er sich. „2008 haben wir dann etwas Neues gesucht.“

Das Neue war dann die eigene Baumschule für Zitruskulturen. „Ich habe Zitrus schon immer nebenbei angebaut, so habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, resümiert Engelhardt. „In der Anfangszeit war das sehr hart. Tagsüber habe ich mit meiner Frau den Betrieb aufgebaut und nachts als Kellner gearbeitet, um Geld zu verdienen.“ Mittlerweile hat seine Baumschule, neben seiner Familie, noch drei weitere Angestellte.

Trotz der Entfernung hat John Engelhardt den Kontakt in die Heimat nie abgebrochen: „Meine Eltern, von denen ich das Meiste in meinem Leben gelernt habe, kommen jedes Jahr vorbei und helfen in der Baumschule mit. Das ist eine große Hilfe für uns, dafür sind wir sehr dankbar“, erzählt Engelhardt und: „Als gläubige Christen danken wir auch Gott, dass er uns immer geleitet und geführt hat.“

35.000 Zitruspflanzen und 4.000 Avocado produzierte die Engelhardt Citrus Nursery bis 2019 jährlich – die Hauptabsatzmärkte dafür waren der Landschaftsbau und Obstbauern. „Wir bauen hauptsächlich auf Tischen an – das erleichtert das Arbeiten und schützt vor Phytophtora“, erzählt Engelhardt. Vom Samen bis zum fertigen Produkt brauchen seine Zitruskulturen mindestens zwei, meistens jedoch drei Jahre. „Avocados sind in einem Jahr fertig, brauchen jedoch viel mehr Arbeit.“

Nach Feuer verbrannte Erde auf 126.000 Quadratkilometern

Ende 2019, Anfang 2020 kam es dann zu großen Bränden in Australien: Insgesamt standen 126.000 Quadratkilometer Land in Flammen – das entspricht einem Drittel der Fläche Deutschlands. In New South Wales, der Wahlheimat John Engelhardts, wüteten die Feuer besonders schlimm. „Kleinere Brandherde hatten wir fünf und sechs Kilometer weit weg von unserer Baumschule und unserem zu Hause, das große Hauptfeuer war 15 Kilometer entfernt. 15 Kilometer sind für ein Feuer mit Wind keine halbe Stunde“, erinnert er sich.

„Wir hatten uns vorbereitet, mit Bewässerung auf den Dächern und verteilten Wasserkanonen. Als dann die Gegend evakuiert wurde, bin ich mit meinen zwei ältesten Kindern hier geblieben, um die Wasserpumpen zu bedienen.“ Zum Glück der Familie Engelhardt konnte das Feuer nahe ihres Zuhauses gestoppt werden – jedoch sollte dies nicht das Letzte Mal in 2020 gewesen sein, dass Naturgewalten ihre Lebensgrundlage bedrohen.

An einem Nachmittag fielen 500 Millimeter Niederschlag

Nur Tage nachdem die Gefahr durch das Feuer gebannt war, kam es dann zur großen Katastrophe für die Engelhardts: Eine Flut. „Hier regnet es sowieso viel mehr als in Deutschland, 100 Millimeter sind bei uns normal“ erklärt Engelhardt.

„Doch im Februar hatten wir in nur vier Stunden über 500 Millimeter Niederschlag. Dadurch ist der Urumbilum River, an dem wir wohnen, so stark angeschwollen, dass das Wasser zwei Meter hoch durch unsere Baumschule und über einen Meter hoch durch unser Wohnhaus und unsere Schuppen gegangen ist.“ Die Schäden waren immens. Über zwei Drittel des Pflanzenbestandes gingen verloren. „Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld, als könnte man nie wieder auf die Beine kommen, ich dachte, das ist das Ende“, erinnert sich Engelhardt mit Schrecken.

In Australien gibt es einen starken Gemeinschaftssinn

„Gut in Australien ist, dass die Leute einander helfen. Es sind sofort Menschen gekommen. Am ersten Wochenende hatten wir schon etwa einhundert Freiwillige bei uns, die helfen wollten“, erzählt Engelhardt. Arbeit gab es für sie mehr als genug – die Verwüstung wäre für eine Familie allein zu groß gewesen, um sie zu bewältigen.

„Jede einzelne Pflanze die noch übrig war, musste von Matsch befreit und neu getopft werden. LKW-weise Schlamm musste aus unserer Baumschule gefahren werden, damit sind wir heute noch nicht ganz fertig. Es war eine wahnsinnige Arbeit. Aber die vielen Helfer gaben uns wieder Hoffnung. Über vier Wochen hatten wir jeden Tag Helfende hier. Wir rechnen mit über 10.000 Stunden, die Freiwillige leisteten, um alles wieder aufzubauen.“

Schließlich kam die Corona-Pandemie

Corona hält die Welt im Griff, und auch Australien war und ist davor nicht sicher. Strenge Lockdowns und Einreisestopps – auch für essenzielle ausländische Arbeitskräfte – sind in Down Under die Folge. Die australische Baumschulwirtschaft ist abhängig von niederländischen und mexikanischen Akkordveredlern. Kaum ein Unternehmen veredelt selbst – nicht so bei den Engelhardts: „Unseren Mitarbeitern und Kindern habe ich schon lange das Veredeln beigebracht, das gehört für mich einfach zum Handwerkszeug dazu“, sagt Engelhardt.

 Für die krisengeprüfte Familie ist Corona also nicht zur Katastrophe geworden – vielmehr wurde es sogar zur Rettung: „Die australische Regierung zahlt als Corona-Maßnahme jedem Unternehmen, dessen Einkommen herunterging, den Großteil der Löhne für ein Jahr. Von April an bis nächstes Jahr März bekommen wir etwa 90 Prozent unserer Löhne so bezahlt“, erzählt Engelhardt.

Diese Finanzspritze war für ihn auch bitter nötig: Sein Wohnhaus und seine Hallen waren gegen Flutschäden versichert, seine Pflanzen konnte er, obwohl er es lange versucht hat, dagegen nicht versichern. Das Versicherungsgeld nutzt er, um seinen Betrieb wieder aufzubauen. „Wir leben zurzeit in einer unserer Lagerhallen, darin haben wir eine Wohnung ausgebaut. Unser Haus wird langsam auch wieder saniert.“

Verdoppelte Anbaufläche, gesicherte Absatzwege

Feuer, Flut und Pandemie konnten John Engelhardt bremsen, aber nicht stoppen: Er baut seine Baumschule nicht nur wieder auf, er vergrößert sogar seine Anbaufläche. „Wir haben die Produktion jetzt auf die andere Seite der Dairyville Road, an der wir leben, verlegt. Das Grundstück dort ist höher gelegen und wir konnten unsere Fläche damit verdoppeln. Wir kommen größer und stärker aus der ganzen Sache heraus“, berichtet er stolz.

Die größere Produktion kann John Engelhardt jetzt auch gut gebrauchen: „Vor wenigen Wochen haben wir einen Großauftrag von einer sehr großen australischen Baumarktkette bekommen. Die möchte mehr Pflanzen kaufen, als wir überhaupt liefern können, besonders jetzt nach der Flut. Damit können wir wirklich alles verkaufen, was wir produzieren.“

Die Entscheidung, trotz aller Tiefschläge wieder aufzustehen, war für John Engelhardt also genau richtig. Das Unternehmen wächst, der Absatz ist gesichert. Abschließend sagt er: „Um sicherzugehen, dass das auch so bleibt, bauen wir gerade einen großen Deich um unsere neue Anlage.“


Fire, Water, Pandemic

First came the fires of the century, then a severe flood, and finally the Corona pandemic: John Engelhardt, owner of a citrus nursery in New South Wales, Australia, was faced with the abyss more than once this year.

A German horticulturist on the other side of the world

When John Engelhardt and his wife Sonja turned their backs on Germany in 1998 to go to Australia he didn’t plan at all to start his own nursery - even though he was a trained nurseryman and scion of the traditional Engelhardt Nursery in Giessen. "We went to Australia to help build a Christian church," he recalls. "Then in 2008 we were looking for something new."

That new thing ended up being his own citrus nursery. "I've always grown citrus on the side, so I turned my hobby into a career," Engelhardt sums up. "In the early days, it was very hard. During the day I set up the business with my wife, and at night I worked as a waiter to earn money." Now his nursery has three employees, in addition to his family.

Despite the distance, John Engelhardt has never broken off contact with his homeland: "My parents, from whom I have learned the most in my life, come over every year and help out at the nursery. This is a great help for us, and we are very grateful for it," says Engelhardt. "As faithful Christians, we are also thankful to God for always guiding and leading us."

35,000 citrus plants and 4,000 avocado were produced annually by Engelhardt Citrus Nursery by 2019 - the main markets for these were landscaping and fruit growers. "We grow mainly on tables - it makes it easier to work with and protects against phytophtora," Engelhardt says. From seed to finished product, his citrus crops take at least two years, but usually three. "Avocados are ready in a year, but need a lot more work."

Scorched earth on 126,000 square kilometers

Then, in late 2019 and early 2020, major fires occurred in Australia, with a total of 126,000 square kilometers of land in flames - the equivalent of one-third of the area of Germany. In New South Wales, John Engelhardt's adopted home, the fires raged particularly badly. "We had smaller blazes five and six kilometers away from our nursery and home, and the big main fire was fifteen kilometers away. Fifteen kilometers is not half an hour for a fire with wind," he recalls.

"We had prepared, with irrigation on the roofs and distributed water cannons. Then when the area was evacuated, I stayed here with my two oldest children to operate the water pumps." Fortunately, the fire was stopped close tot he Engelhardts‘ home - but this would not be the last time in 2020 that forces of nature threatened their lives and their existence.

500 millimeters of precipitation in one afternoon

Just a few days after the danger of the fire was averted, the Engelhardts then faced a major catastrophe: a flood. "It rains much more here than in Germany at all, 100 millimeters is normal for us" explains Engelhardt.

"In February, however, we had over 500 millimeters of precipitation within four hours. As a result, the Urumbilum River, where we live, swelled so much that the water went two meters high through our nursery and over a meter high through our home and sheds." The damage was immense, with more than two-thirds of the plant stock lost. "It looked like a battlefield, like you could never get back on your feet" Engelhardt recalls with horror. "I thought this was the end."

Australia's strong Sense of Community

"What's good in Australia is that people help each other. People came right away. The first weekend we had about a hundred volunteers who came to help us", Engelhardt says. There was more than enough work for them to do - the devastation was too much to be handled by only one family.
"Every single plant that was left had to be cleared of mud and repotted. Truckloads of mud had to be hauled out of our nursery, and we're not quite done with that today. It was an insane amount of work, but the many helpers gave us hope again. We had people here every day for over four weeks helping. We estimate that the volunteers worked about 10.000 hours to rebuild everything here."

Then came the Corona pandemic

Corona has the world in its grip, and even Australia was and still is not safe. Strict lockdowns and entry bans - even for essential foreign workers - are the results in Down Under. The Australian nursery industry depends on Dutch and Mexican piecework processors, and hardly any companies do their own grafting - not so the Engelhardts: "I've been teaching our employees and children how to graft for a long time, for me it's simply part of the trade," says Engelhardt.

So for the crisis-ridden family, Corona didn‘t become a disaster - in fact, it became a salvation: "As a Corona measure, the Australian government pays the majority of wages for one year to any company whose income decreased. From April until next March, we'll get about 90 percent of our wages paid that way," Engelhardt says.

This cash injection was also sorely needed for him: His home and halls were insured against flood damage, but he was unable to insure his plants against it, despite trying for a long time. He is using the insurance money to rebuild his farm. "We're currently living in one of our warehouses, we put an apartment in there. Our house is slowly being rehabbed, too."

Doubled acreage, secured sales channels

Fire, flood and pandemic could slow John Engelhardt down, but they couldn't stop him: Not only is he rebuilding his nursery, he's actually increasing his acreage. "We've now moved production to the other side of Dairyville Road where we live. The land there is higher and we were able to double our acreage with it. We're coming out of the entire thing bigger and stronger than before," he reports proudly.

John Engelhardt can also put the larger production to good use now: "A few weeks ago, we received a major order from a very large Australian DIY company. They want to buy more plants than we can supply, especially now after the flood. So we can really sell everything we produce."
So the decision to get back up despite all the hits below the belt was exactly right for John Engelhardt. The company is growing, sales are secured. "To make sure it stays that way, we are currently building a large dike around our new nursery," he concludes.

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