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Feuerbrand: neues antibiotikafreies Mittel wirkt erfolgversprechend

Deutliche Erfolge zeigen die Freilandversuche in der Versuchsanlage Kirschgartshausen des Julius Kühn-Instituts (JKI), den Feuerbrand antibiotikafrei zu bekämpfen. Seit 1998 forscht das JKI zusammen mit dem Landratsamt Karlsruhe und dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg an Alternativen in der Feuerbrandbekämpfung. 

Besprechung der Feuerbrandversuche in der Forschungsanlage Kirschgartshausen des Julius Kühn-Institutes. Foto: Julius Kühn-Institut

Das beste Versuchsergebnis zeigte das Prüfmittel LMA mit einem nur zehn bis 15 Prozent geringeren Wirkungsgrad als Streptomycin, berichtet das JKI. Der positive Trend aus den Versuchen der zwei Vorjahre konnte bestätigt werden.

Wissenschaftler, Pflanzenschutzmittelhersteller, Obstbauern, Imker sowie Vertreter des Pflanzenschutzes und der Politik informierten sich Ende Mai vor Ort über die aktuellen Versuchsergebnisse. Alle Anwesenden sprachen sich für weitere Versuche mit dem Wirkstoff LMA aus und unterstützen die Zulassung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Um welchen Wirkstoff es sich handelt und wie lange es noch bis zu einer Zulassung dauern könnte, dazu wollte das JKI keine Angaben machen.

Biologische Alternativen wie der Gegenspieler Erwinia tasmaniensis lieferten in den Vorjahren gute Ergebnisse. Unter dem diesjährigen starken Infektionsdruck konnte E. tasmaniensis – wie häufig bei lebenden Biokontroll-Organismen – sein Bekämpfungspotenzial nicht zeigen. Weitere Forschungen sind geplant, um die Wirkungsgrade zu stabilisieren und zu verbessern.

Feuerbrand gehört zu den gefährlichsten bakteriellen Krankheiten im Kernobstanbau in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Ohne wirksame Bekämpfung müssen in manchen Jahren ganze Obstanlagen gerodet werden. Bisher gelang es trotz jahrelanger intensiver Forschung nicht, gänzlich auf Streptomycin-haltige Pflanzenschutzmittel zu verzichten, so die Angaben des JKI.

Streptomycin ist ein Antibiotikum. In Europa wird Streptomycin zum Bekämpfen des Feuerbrands in Belgien, Griechenland und Holland eingesetzt. In Deutschland ist es nicht zugelassen. Ziel des Pflanzenschutzes ist es, möglichst bald keine antibiotikahaltigen Pflanzenschutzmittel mehr anzuwenden, teilt das JKI auf seiner Feuerbrand-Infoseite mit. Übergangsweise sollen nur dann Ausnahmen vorgesehen sein, wenn die unbedingte Notwendigkeit nachgewiesen ist und die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Pflanzenschutzgesetz gegeben sind.

Freilandversuche mit Feuerbrand hängen stark von den Witterungsbedingungen ab. Das kühle und von Spätfrösten geprägte Frühjahr 2012 führte zu einem überraschend hohen Feuerbrandbefall von 30 Prozent in der unbehandelten Kontrolle und sorgte für aussagekräftige Ergebnisse. Insgesamt wurden zehn Varianten mit mehr als 15.000 Blütenbüscheln an 260 Bäumen ausgewertet.

Die vom Bund seit 2003 in zwei Fünfjahresperioden geförderte Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers ohne Antibiotika geht in diesem Jahr zu Ende. Weder in Deutschland noch in betroffenen Nachbarländern ist die längerfristige Anwendung Antibiotika-haltiger Pflanzenschutzmittel gewünscht.

Alle anwesenden Interessengruppen versicherten, die notwendigen weiteren Versuche mit dem vielversprechenden Wirkstoff LMA rasch voranzubringen. Sie unterstützen eine baldige Zulassung durch das BVL. So zeigte sich nicht nur der anwesende Präsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau Baden-Württemberg, Franz-Josef Müller, erfreut von der Aussicht, dass Streptomycin hoffentlich schon in naher Zukunft nicht mehr benötigt wird. (jki)