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Filigrane Baumsicherung mit ausgedienten Carbonstäben

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Von den rund 30.000 Windenergie-Anlagen, die derzeit in Deutschland in Betrieb sind, wird jede zweite in den kommenden zehn Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. Was tun mit den ausgedienten Rotorblättern? Zumindest die Carbonstäbe, die zur Aussteifung der Rotorblätter dienen, könnten in Zukunft zum Stabilisieren abgestorbener Baumveteranen nochmals zum Einsatz kommen.

Die Carbonstäbe für das Exoskelett sind hochfest, elastisch-steif bei sehr geringem Gewicht und können die rund drei Tonnen Eigengewicht des Baumtorsos stabilisieren. Foto: Composites United

Untersuchung von Optionen zur Weiterverwendung von Carbon

Franz Weißgerber, Geschäftsführer von iii-Carbon Weißgerber (Reimlingen), und Dr. Michael Heine, vormals SGL Carbon (Meitingen) und heute Universität Augsburg, beschäftigen sich beide bereits seit mehr als 35 Jahren mit dem Werkstoff Carbon. Aktuell untersuchen sie die Wirtschaftlichkeit von Optionen zur Weiterverwendung der Carbon-Materialien, wenn die Nutzungsdauer der ursprünglichen Anwendung abgelaufen ist. Die Auflagen zum Rückbau der zahlreichen Windräder machen es notwendig, die hier verbauten, nicht unerheblichen Mengen an Material sinnvoll weiter zu verwenden.

Baum-Monumente aus ökologischen und kulturhistorischen Gründen erhalten

In Zusammenhang mit einer Pressemeldung zur angedachten Fällung der abgestorbenen „Napoleonstanne“ in der Stadt Wertingen entstand die Idee, dieses Baum-Monument sowohl aus ökologischen als auch kulturhistorischen Gründen zu erhalten. Im Zuge der Vorbereitung dieses Projekts fand sich als weiterer Unterstützer der Idee der Sachverständige Andreas Detter von Brudi & Partner TreeConsult in Gauting. Mit Hilfe der Spezialsoftware Arbostat erstellte er eine Abschätzung der Spitzenlasten, die aus der dynamischen Windeinwirkung auf die etwa 30 Meter hohe, abgestorbene Rot-Fichte bei einem starken Sturm zu erwarten waren. Letztlich wurde dieses Projekt nicht realisiert, da sich die Stadt in letzter Konsequenz doch für die Fällung des Baumes entschied, obwohl das angedachte Vorhaben kostenfrei und als wissenschaftliches Projekt konzipiert gewesen sei.

Abgestorbener Buchentorso in Augsburg mit Carbonstäben abgestützt

Über den Kontakt zu Robert Dettenrieder, Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung im Amt für Grünordnung der Stadt Augsburg, und den Augsburger Umweltreferenten Reiner Erben wurde ein 7,50 Meter hoher, abgestorbener Buchentorso im Siebentischpark für Testzwecke zur Verfügung gestellt und entsprechend mit Carbonstäben abgestützt, worüber Detter in einer Pressemeldung informierte. Die konstruktive Auslegung der Stützen erfolgte durch Prof. Dr.-Ing. Tobias Dickhut von der Universität der Bundeswehr München nach den Lastabschätzungen des Sachverständigenbüros Brudi & Partner. Der besondere Reiz der neuen Konstruktion liegt darin, dass das angebrachte Exoskelett sehr schlank und dadurch sehr unauffällig ist. Mit den Jahren sollen sich an den sägerauen Carbonstäben wie am Baum sogar eine ähnliche Bewitterungsschicht und ein Besatz aus Moosen und Flechten entwickeln.

Inzwischen gebe es bereits Planungen für weitere Abstützungen an lebenden Bäumen mit massiv beeinträchtigter Verkehrssicherheit. Dies berge jedoch zusätzliche Herausforderungen, die sich aber mit Carbon voraussichtlich sehr gut bewältigen lassen könnten.

► Mehr zur filigranen Baumsicherung mit ausgedienten Carbonstäben lesen Sie in TASPO GARTEN-DESIGN 6/2020.

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