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Flüchtlinge: Gärtnern als Integrationshilfe

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„Im Garten sind alle Menschen gleich – dort wird der Flüchtling zum Neubürger, Gestalter seines Lebensumfeldes.“ Dieser Satz der Fernsehgärtnerin Heike Boomgaarden klingt fast schon ein bisschen philosophisch, trifft aber auf den Punkt, welchen wesentlichen Beitrag Gemeinschaftsgarten-Projekte zur Integration von Flüchtlingen leisten können.

Fleißig: Flüchtlinge beim Projekt „InGa – Integrativer Garten Geretsried“. Foto: Isabella Kaltenegger

„Ein Garten gibt den Menschen die Möglichkeit, sich zu erden, neue Wurzeln zu schlagen und sich zu beheimaten. Er gibt allen Menschen allen Alters, aller Nationen und Religionen die Möglichkeit, in einer Gemeinschaft etwas zu schaffen – ohne die Sprache des anderen zu sprechen“, so Boomgaarden.

Gemeinschaftsgärten: Gartenbau wichtiger Partner

Einer der wichtigsten Partner bei der Integration von Neubürgern in solchen Projekten ist der Gartenbau, ist die Fernsehgärtnerin überzeugt, „durch eine fachliche Begleitung, Sponsoring von Sachspenden und Einbindung der Neubürger in die gartenbaulichen Betriebe – beispielsweise bei Veranstaltungen.“ Der Gartenbau habe die Kernkompetenz dafür, dass diese Gartenprojekte nachhaltig und langlebig sind.

Boomgaarden selbst hat vor kurzem ein solches Projekt aktiv begleitet: Gemeinsam mit Flüchtlingen legte sie in Mainz einen Nutzgarten an. An nur einem Tag schufen dort rund 50 Menschen aus zehn Nationen Hand in Hand einen rund 400 Quadratmeter großen Garten direkt an eine Flüchtlingsunterkunft – mit Gemüsegarten, Artischockengarten, Kräutergarten, Minze-Tee-Garten, Blumenbeet und Beerengarten.

Wie erreichen Gemeinschaftsgärten Flüchtlinge?

Wie wichtig solche interkulturellen Gemeinschaftsgärten für Flüchtlinge und Asylbewerber sein können, unterstreicht auch das Praxisblatt „Wie erreichen Gemeinschaftsgärten Flüchtlinge und Asylbewerber?“, zu finden bei der Anstiftung (unter anderem Projekt „InGa – Integrativer Garten Geretsried“). Es gibt einen guten Einblick in Erfahrungen von unterschiedlichen Gartenprojekten in der Arbeit mit Flüchtlingen und Asylbewerbern und basiert auf einer Befragung vom Winter/Frühjahr 2014/15.

Sich auf Projekte einzulassen, zumal auf Neuland wie Gemeinschaftsgärten, sei oft ein Prozess mit offenem Ausgang, heißt es dort: Es erfordere Unterstützung, Zeit und Geduld von Seiten der Garteninitiatoren und Mitgärtner, damit das notwendige Vertrauen der Flüchtlinge wachsen kann. „Das Interesse am Gärtnern steht nicht unbedingt gleich im Mittelpunkt der Flüchtlinge. Doch können die Gärten als Orte der Begegnung und des Lernens viel mehr anbieten“, so das Praxisblatt.

Eine Einschätzung, die Heike Boomgaarden aus der Erfahrung mit ihrem Gartenprojekt mit Flüchtlingen in Mainz bestätigen kann. „Die Menschen, die jetzt hier einen riesigen Garten haben, können einfach rausgehen und im Garten arbeiten und müssen nicht sitzen und warten, dass der Tag vergeht. Sie können ihr Essen selbst produzieren und können Gäste einladen. Ich glaube, das war ein ganz wichtiger Tag für alle“, so Boomgaarden.

Mehr zu Gemeinschaftsgarten-Projekten mit Flüchtlingen lesen Sie in der TASPO 38/2015.