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Forscher stellen weltweit größten Gefäßpflanzen-Katalog vor

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Manche Artnamen von Pflanzen waren bis jetzt ungeklärt oder ungenau. Nun wurde durch Forscher der Universität Leipzig (UL) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) die weltweit umfassendste und vollständigste Liste der wissenschaftlichen Namen aller bekannten Pflanzenarten der Welt zusammengestellt.

Dr. Martin Freiberg ist ständig auf der Suche nach neuen Pflanzenarten. Foto: Wolfgang Teschner

LCVP enthält über 1,3 Millionen wissenschaftliche Namen

Mit 1.315.562 wissenschaftlichen Namen ist der Leipziger Katalog der weltweit größte für alle beschriebenen Gefäßpflanzen. Der Leipziger Katalog der Gefäßpflanzen (LCVP) umfasst nun 351.180 Gefäßpflanzen-Arten und 6.160 natürliche Hybriden innerhalb von 13.460 Gattungen, 564 Familien und 84 Ordnungen. Außerdem listet der Katalog sämtliche synonym genutzten Bezeichnungen auf und liefert weitere taxonomische Details. Damit enthält er über 70.000 mehr Arten und Unterarten als das bisher wichtigste Referenzwerk „The Plant List“ (TPL) des Königlichen Botanischen Gartens Kew in London. Dieses war seit 2013 nicht mehr aktualisiert worden, was die Nutzung in der Forschung mit Unsicherheiten verbunden hat. Darüber hinaus konnten die Forscher 181.000 ungeklärte Artnamen aufklären.

Über zehn Jahre Arbeit am Leipziger Katalog

Über zehn Jahre trug der Kustos des Botanischen Gartens Leipzig, Dr. Martin Freiberg, dafür Informationen aus allen relevanten Datenbanken zusammen, glich sie ab und vereinheitlichte die dort verzeichneten Namen. Anhand von 4.500 weiteren Studien recherchierte er weitere bestehende Ungleichheiten wie etwa Schreibweisen und Synonyme. Außerdem ergänzte er die bestehenden Listen um neue Arten, die in den vergangenen Jahren etwa durch die verbesserten molekulargenetischen Analysemöglichkeiten identifiziert wurden. „In meiner täglichen Arbeit stoße ich regelmäßig auf Artbezeichnungen, die nicht eindeutig sind. Das bedeutet jedes Mal Recherchearbeit, die einen von der eigentlichen Arbeit abhält und vor allem auch eine eingeschränkte Verlässlichkeit der Forschungsergebnisse. Diese Riesenbaustelle wollte ich so gut wie möglich beseitigen“, berichtet Freiberg.

Pflanzenforschung hängt von zuverlässiger Benennung von Artnamen ab

Wie der Biologe weiter erläutert, helfe der Katalog dafür zu sorgen, dass Forscher auf dem gesamten Globus dieselbe Art meinen, wenn sie einen Namen benutzen. Eigentlich hatte Freiberg den Datensatz für den Eigengebrauch vorgesehen. „Dann haben mich viele Kollegen aus anderen Botanischen Gärten dazu gedrängt, diese Arbeit allen zugänglich zu machen.“ Wie Dr. Marten Winter von iDiv ergänzt, sei beinahe jegliche Richtung der Pflanzenforschung abhängig von einer zuverlässigen Benennung von Artnamen. „Moderne Wissenschaft heißt oft, Datensätze aus unterschiedlichen Quellen zu kombinieren. Hier muss einfach klar sein, welche Arten gemeint sind, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen oder verschiedene Arten als eine Art darzustellen“, so Winter. Mit dem Leipziger Katalog der Gefäßpflanzen als Referenz habe man nun eine viel höhere Zuverlässigkeit, was auch die Sicherheit der Forschungsergebnisse erhöhe.

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