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Friedhof Berchtesgaden: Gräber erfolgreich verlost

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Die Gemeinde Markt Berchtesgaden hatte 200 neu verfügbare Grabstellen auf ihrem beliebten „Alten Friedhof“ in einer spektakulären Verlosungsaktion feilgeboten – und erntete damit schon im Vorfeld großes Medienecho.

Die Belebung des Alten Friedhofs in Berchtesgaden war gewollt, auch wenn sie ein bisschen zulasten des neuen Bergfriedhofs geht. Foto: Oliver Hlavaty/Fotolia

Verlosung zur gerechten Vergabe der Grabstellen

Dabei war das Ganze laut Johann Hallinger von der Friedhofsverwaltung Berchtesgaden gar nicht so gedacht – eigentlich hatte man nur nach einem gerechten Weg der Vergabe gesucht und sei dabei auf die Idee der Versteigerung gekommen.

Der Hintergrund der Aktion: Berchtesgaden verfügt über einen sehr alten, 1685 gegründeten Friedhof mitten im Ort, historisch, denkmalgeschützt, eng belegt, durch die Lage ohne Erweiterungsmöglichkeiten. Seit 1972 waren dadurch lange Zeit keine neuen Belegungen möglich, lediglich Nachbelegungen der vorhandenen Nutzer. Alle anderen Bestattungen konnten auf einem neuen Friedhof außerhalb, dem Berchtesgadener Bergfriedhof, stattfinden.

Vor allem bei älteren Bewohnern und nahen Anwohnern war deshalb der Wunsch nach einer Öffnung des Alten, fußläufig erreichbaren und beliebten Friedhofs groß.

Friedhof neu überplant und geöffnet

Als nun im Laufe der Jahre nach und nach, auch durch die steigende Zahl von Urnen- statt Erdbestattungen, Nutzungslücken entstanden, entschied die Gemeindeverwaltung, den Friedhof von einem Architekten neu, mit etwas lockerer Belegung überplanen und wieder für Bestattungen öffnen zu lassen.

Gesagt, getan entstanden so 200 Grabstellen zur Vergabe. Die nummerierte die Stadt durch, die Bürger konnten sich per Los um die Auswahl dieser Stellen bewerben. Wer zuerst gezogen wurde, durfte sich auch als Erstes aussuchen, an welcher Stelle des Alten Friedhofs er begraben werden möchte.

Gewollt und gelungen: Belebung des Alten Friedhofs

Zuerst kamen auf die rund 200 Grabstellen 280 Bewerber. Da aber viele Familien mit mehreren Mitgliedern Lose erworben hatten, blieben letztendlich sogar 80 Grabstellen übrig. Um deren Verbleib hat Hallinger aber keine Sorge: Die werden jetzt nach und nach an Bewohner der drei zugehörigen Gemeinden verkauft – und dann wird man schauen, ob sich Nachfrage und Angebot mit der Zeit einpendeln. Oder ob vielleicht wieder ein Belegungsstopp erfolgen wird.;

Ein bisschen, sagt Hallinger, gehe der Run auf den Alten Friedhof zulasten des neuen Bergfriedhofs. „Es sind schon ein paar, die dort Grabstätten aufgeben, um mit ihren Familiengräbern wieder hier nah am Ort zu sein.“ Aber die Belebung des Alten Friedhofs war nun einmal gewollt – und ist gelungen.

Aktion bei Bedarf nachahmenswert

„Auch, wenn es so gar nicht beabsichtigt war: Der Friedhof war mal wieder in der Zeitung, es wurde auch über dortige Grabstellen berühmter Leute berichtet – das war schon gut“, sagt der Friedhofsverwalter. Es seien durchaus auch einige hellhörig geworden durch das Medienecho, ihr Interesse sei geweckt worden für ein Thema, über das sich viele noch gar keine Gedanken gemacht hätten, weiß er.

Und so ist letztendlich das Ziel erreicht: Der alte Berchtesgadener Friedhof kam zu neuen Ehren und das Gros der am Losverfahren beteiligten Bürger ist mit der Auswahl seiner Grabstätte sehr zufrieden. Der Vergabeprozess war gerecht, transparent und überschaubar, so Hallinger. Eine trotz ihrer leichten Skurrilität also durchaus nachahmenswerte Aktion, falls ein andere Stadt oder Gemeinde mal in einer ähnlichen Situation sein sollte.