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Friedhof: Macht Aachener Grabeskirche als Modell Schule?

Dass den Friedhofsgärtnern im Rheinland ein immer schärferer Wind entgegen bläst, darüber berichtete Dieter Neundorf, Vorsitzender des Fachverbandes Rheinischer Friedhofsgärtner. Und belegte dieses auch mit Beispielen. Große Sorge bereite eine Entwicklung, den Ort Friedhof zunehmend in Frage zu stellen. Dies treffe die Friedhofsgärtnereien mit ihrem Dienstleistungsangebot direkt und wirke sich auch auf den gesamten Pflanzenmarkt aus. In Nordrhein-Westfalen gebe es klare Tendenzen, Beisetzungsplätze außerhalb von Friedhöfen anzubieten oder sie systematisch aufzubauen. Am 1. November wurde in Aachen die erste Beisetzungskirche im Rheinland eröffnet, die aufgrund von Gemeindezusammenlegungen nicht mehr für die Gemeindearbeit benötigt wird. Sie soll zur Grabeskirche mit einer Kapazität von einmal 2000 Urnenplätzen ausgebaut werden. Da in nächster Zeit zahlreiche überzählige Gotteshäuser einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt werden sollen, sei mit dem Schlimmsten zu rechnen, so Neundorf. Insbesondere, da der Aachener Bischof bei der Eröffnung feststellte, dass das Modell einer Grabeskirche vorzeigbar ist und Schule machen wird. Eine noch viel größere Gefahr für das Friedhofswesen sieht Neundorf bei den Bestattern. Die Kirche der Alt-Katholiken in Nordrhein-Westfalen habe Mitte dieses Jahres eine Landessatzung verabschiedet, um eine Rechtsgrundlage dafür zu schaffen, künftig bei Bestattungshäusern Kolumbarien, (Urnennischenwände) einzurichten, in denen die Urnen für zwölf Jahre bleiben können. Damit habe die Kirchengemeinschaft das von den Friedhofsgärtnern seit Jahren kritisierte Bestattungsgesetz in NRW konsequent ausgenutzt. Neundorf nannte ein drittes Beispiel: Im Juni 2006 hat eine Bürgerstiftung ein Mausoleum in Bonn in einem feierlichen Festakt unter der Schirmherrschaft und Anwesenheit von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers eröffnet. In diesem denkmalgeschützten Mausoleum werden künftig bis zu 2000 Urnen beigesetzt, die den kommunalen Friedhöfen verloren gehen. Alle Beispiele seien nur Mosaiksteine, die aber in ihrer Gesamtheit zeigen, wie stark die Friedhöfe und Gärtnereien unter Druck gesetzt werden. Entsprechende Alternativen zu einer anonymen Grabstätte haben die Friedhofsgärtner entwickelt mit so genannten Urnengemeinschaftsgräbern in gärtnerischer Pflege. Erste Projekte wurden in diesem Jahr in Essen, Bonn und Schwerte umgesetzt. Gegenüber den Aktivitäten der Bestatter werde die Rechtmäßigkeit solcher „Urnenzwischenlager“ überprüft. Und weiter müssten die Friedhofsgärtner nachdenken, ob sie ihren Dienstleistungsbereich in Richtung Bestattung öffnen wollen. Gegenüber der Landesregierung will der Verband sich weiter dafür einsetzen, das Bestattungsgesetz NRW zu novellieren.