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Friedhofskultur: Bedeutung in der Bevölkerung verankern

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Auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission hat die Kultusministerkonferenz die Aufnahme der „Friedhofskultur in Deutschland“ in das bundesweite Kulturerbe-Verzeichnis beschlossen. Damit würdigt die Bundesrepublik den identitätsstiftenden, lebendigen und vielschichtigen Wert der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft – nicht nur in kultureller Hinsicht, sondern beispielsweise auch unter sozialen und historischen Aspekten oder in Bezug auf Klimaschutz, Integration und Völkerverständigung.

Mit „Friedhofskultur in Deutschland“ sind laut Unesco die Friedhofsgestaltung, Bestattungspraxis sowie Trauer- und Erinnerungsrituale gemeint. Foto: Kulturerbe Friedhof

Anerkennung für alle, die sich für das Friedhofswesen engagieren

„Dies ist vor allem eine große Anerkennung für die über 100.000 Menschen, die sich hierzulande für das Friedhofswesen engagieren“, freut sich Tobias Pehle, Initiator der antragstellenden „Initiative Kulturerbe Friedhof“, zu der sich viele Kräfte im Friedhofswesen – wie etwa der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF), der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK), der Verband der Friedhofsverwalter (VFD) oder der Bestatterverband (BDB) zusammengeschlossen hatten.

Ausgezeichnet wurden nicht die Friedhöfe an sich, sondern vor allem das, was Menschen auf dem Friedhof tun: das Trauern, Erinnern und Gedenken einerseits, das Gestalten, Pflegen und Bewahren andererseits. Den Rahmen dafür schaffen viele Gewerke auf dem Friedhof, aber auch ehrenamtlich Tätige in den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften oder Vereinen, etwa rund um den Denkmalschutz.

Ernennung zum Kulturerbe für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutsam

Die Ernennung zum Kulturerbe ist dabei für den Einzelnen genauso bedeutsam wie für die Gesellschaft, wie Dr. Dirk Pörschmann, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, erläutert: „Wir brauchen Rituale, um Verluste zu überwinden. Alles was Menschen auf Friedhöfen in Deutschland gestalten, kommt ihrer persönlichen Trauer wie auch der kollektiven Erinnerungskultur zugute. Das macht den Ort der Toten zu einem lebendigen Ort.“

Es geht nicht darum, den Friedhof zu mumifizieren, wie Tobias Pehle ergänzt, sondern die aktuellen Ausdrucksformen des Friedhofswesens in den Fokus zu rücken. Hierzu gehören beispielsweise naturnahe Gestaltungskonzepte, moderne Gedenksteine oder Gemeinschaftsgrabanlagen.

Friedhofskultur in Deutschland einzigartig

Auch wenn es beim immateriellen Erbe der Unesco nicht um das Trennende von Kulturen geht, so ist die Friedhofskultur in Deutschland doch einzigartig. „Die Art und Weise, wie wir unsere Gräber als kleine Gärten der Erinnerung individuell und oft auch selbst gestalten ist genauso besonders wie das Einbetten der Gräber in Parklandschaften“, erklärt Friedhofsexperte Prof. Dr. Norbert Fischer. Zugleich werde durch die Ernennung aber auch auf Bedrohungen der Friedhofskultur aufmerksam gemacht.

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