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Für mehr Grün in der Stadt: Urban Gardener organisieren sich

Unter dem Motto „Die Stadt ist unser Garten“ haben über 80 Garteninitiativen aus dem gesamten Bundesgebiet ein gemeinsames Manifest veröffentlicht. Dieser Schritt soll zur gesellschaftlichen und politischen Verortung der Urban Gardening-Bewegung beitragen. 

Der Schrebergarten erlebt eine Renaissance und bringt die für den Garten verloren geglaubte junge Generation zurück zur Pflanze. Foto: Katharina Adams

Das Urban Gardening Manifest ist eine Initiative von Aktivisten der Berliner Gemeinschaftsgärten Allmende-Kontor, Prinzessinnengarten und Kiezgarten, von Neuland Köln sowie von „Eine andere Welt ist pflanzbar“ und der anstiftung. Die Unterzeichner des Manifests verstehen urbane Gärten als öffentliche Gemeingüter und wichtige Bestandteile einer lebenswerten, lebendigen und zukunftsfähigen Stadt.

Öffentlicher Raum ohne Konsumzwang
Sie unterstreichen, wie wichtig ein frei zugänglicher öffentlicher Raum ohne Konsumzwang für eine demokratische und plurale Stadtgesellschaft ist. Gleichzeitig fordern sie Politik und Stadtplanung auf, die Bedeutung von Gemeinschaftsgärten anzuerkennen und ihre Position zu stärken. Die Erstunterzeichner sind auf der Urban-Gardening-Manifest-Webseite mit ihren Logos aufgeführt.

Neue gemeinschaftliche Gärten
Mit dem Phänomen des gemeinschaftlichen Gärtnerns formiert sich eine neue, kollektive Bewegung. In vielen Städten entstehen seit einigen Jahren neue, gemeinschaftliche Gartenformen. Diese urbanen Gemeinschaftsgärten sind, so sieht es die Urban Gardening Bewegung, Experimentierräume für ein gutes Leben in der Stadt. Zum Hintergrund des Manifestes heißt es: „Wir wollen, dass diese Gärten dauerhaft Wurzeln schlagen. Die Stadt ist unser Garten.“ Urban Gardening ist nach Auffassung der Bewegung mehr als die individuelle Suche nach einem schön gestalteten Rückzugsort in der Stadt.

Wenig Berührungspunkte
Mit der Gartenbranche hat die Szene wenig Berührungspunkte, steht sie doch selber unter dem Verdacht, den unkritischen Konsum zu fördern und sich nur halbherzig nachhaltigen und ökologischen Produktionsweisen zu öffnen. Jeder neu gefundene Pflanzenschutzrückstand, egal ob auf Obst oder auf Zierpflanzen, bringt Produktion und Handel in Erklärungsnot.

Für das klassische Gartencenter ist die Szene bis auf weiteres wahrscheinlich verloren, denn hier spiegelt sich nicht ihr Lebensgefühl wider. Zahlenmäßig wirkt sich das im Moment noch nicht spürbar aus. Trotzdem muss sich die Gartenbranche Gedanken darüber machen, wie sie sich in Zukunft positionieren will. Heute kann sie mit den Silver Agern Geld verdienen, aber morgen sind wahrscheinlich die kritischen Städter eine auch quantitativ wichtige Zielgruppe.

Akteure kommen von außen
Dafür rollen neue Akteure das Feld von hinten auf. Junge Gründer, die vorher nie etwas mit dem Gartenbau zu tun hatten, vermieten Ackerflächen in den städtischen Randbezirken an Städter, die ihr eigenes Gemüse pflanzen und ernten wollen. In ehemalige Ladenlokale ziehen Kooperativen und Initiativen ein, die neue Ideen der Tauschwirtschaft ausprobieren. (kad)

Wie ernst muss die grüne Branche die Urban Gardening Bewegung nehmen? Und wie kann sie ihr glaubwürdig begegnen? Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen TASPO 48/14